Das rund 345 Millionen Jahre alte Fossil Westlothiana lizziae, in der Forschung „Lizzie“ genannt, ist nach einer neuen Untersuchung kein früher Vorfahr der Reptilien gewesen. Eine am Mittwoch in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Studie ordnet den 1984 in Schottland entdeckten Fund stattdessen als Stamm-Tetrapoden ein, also als frühen Verwandten der späteren Landwirbeltiere.
Grundlage sind hochauflösende Röntgenscans, die an der Europäischen Synchrotronstrahlungsanlage ESRF im französischen Grenoble angefertigt wurden. Nach Angaben des Forschungszentrums offenbarten die Aufnahmen im Inneren des stark zusammengedrückten Fossils einen urtümlichen Schädel, ein verknöchertes inneres Kiemenskelett sowie zahlreiche kleine Zähne an Gaumen und Unterkiefer. Diese Merkmale sprechen laut den Forschern dafür, dass das Tier im Wasser oder zumindest an Land und im Wasser lebte.
Neue Einordnung in den Stammbaum
Westlothiana war 1990 als frühester bekannter, an das Landleben angepasster Vertreter der Amnioten beschrieben worden – jener Gruppe, zu der Reptilien, Vögel und Säugetiere zählen. Vier Gliedmaßen mit krallenartigen Zehen galten dabei als Beleg.
„Lizzie war jahrzehntelang eine Ikone für die frühe Entwicklung der Amnioten“, sagte Co-Studienleiter Jenkins laut einer Mitteilung des Amerikanischen Naturkundemuseums in New York. Als die Forscher ins Innere des Fossils hätten blicken können, hätten sie ein ganz anderes Tier gefunden als erwartet.
Folgen für die Deutung früher Fußspuren
Co-Autor Benson erklärte, einige Merkmale, die heute als typisch für Reptilien gelten, seien offenbar bereits beim gemeinsamen Vorfahren von Amphibien und Reptilien angelegt gewesen. Reptilienähnliche Füße, tragfähige Vordergliedmaßen und krallenartige Zehenglieder hätten sich demnach schrittweise bei Tieren entwickelt, die noch zwischen Wasser und Land lebten.
Das wirkt sich auch auf die Deutung versteinerter Fußspuren aus. Krallenabdrücke waren zuletzt als Hinweis darauf gewertet worden, dass Amnioten bereits vor mehr als 359 Millionen Jahren entstanden sein könnten. Wenn aber auch frühe Verwandte wie Westlothiana krallenartige Zehenglieder besaßen, lasse sich aus solchen Spuren allein nicht mehr auf einen Amnioten als Verursacher schließen, teilte das Forschungszentrum ESRF mit.
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