Der finnische Edelstahlhersteller Outokumpu wird seine für rund 40 Millionen Euro geplante Biokohlenstoffanlage im Fährhafen Sassnitz auf Rügen nicht errichten. Als Gründe nennt eine Unternehmenssprecherin Veränderungen im operativen Umfeld sowie begrenzte Möglichkeiten, die bei der Produktion anfallende Wärme in der Region abzunehmen. Der Mietvertrag mit dem Fährhafen sei bereits aufgelöst worden.
Outokumpu, nach eigenen Angaben weltweit führender Anbieter von nachhaltig produziertem Edelstahl, hatte das Vorhaben vor knapp zwei Jahren angekündigt. In dem Werk sollten jährlich 15.000 Tonnen Biokohlenstoff aus Abfallholz hergestellt werden. Dieser Rohstoff dient als Grundlage für Biokoks, den der Konzern bei der Herstellung von Ferrochrom als Reduktionsmittel einsetzt – also als Stoff, der dem Erz Sauerstoff entzieht. Durch den Einsatz von Altholz statt Kohle sollte die CO2-Bilanz verbessert werden.
Stadt zu klein für die anfallende Abwärme
Für Sassnitz war die Ansiedlung mit Hoffnungen auf Gewerbesteuereinnahmen und 25 Arbeitsplätzen verbunden. Zudem sollte die Abwärme der Anlage in das Fernwärmenetz der Stadt eingespeist werden. Die Berechnungen ergaben jedoch, dass die rund 9000 Einwohner zählende Kommune die anfallenden Wärmemengen nicht aufnehmen kann.
Bürgermeister Leon Kräusche (parteilos) bedauert den Rückzug. Es sei schade, wenn ein Unternehmen, mit dem die Stadt intensiv zusammengearbeitet habe, letztlich eine Entscheidung treffe, die nicht im Interesse von Sassnitz sei, so Kräusche.
Hafen sucht langfristige Perspektive
Der Fährhafen Sassnitz verfügt über rund 400 Hektar Gewerbe- und Industrieflächen und sucht nach einer tragfähigen langfristigen Ausrichtung. Angesiedelt sind unter anderem Betriebsstätten großer Offshore-Windkraftbetreiber wie Iberdrola. Das sonstige Geschäft war bislang stark von befristeten Projekten geprägt, etwa der Betonummantelung der Nord-Stream-Röhren oder der Fertigung von Betonteilen für die Kopenhagener U-Bahn. Outokumpu war als dauerhafter Pächter vorgesehen.
Hafenchef Henry Forster will nun ein übergeordnetes Energiekonzept entwickeln und die gesamte Insel Rügen einbeziehen. Ein Konzept allein für den Hafenstandort sei nicht sinnvoll. Neben Windkraft gehe es um Photovoltaik, Batteriespeicher und Wärme. Ein Denken im Umkreis von zehn bis 20 Kilometern würde den Standort auch für andere Kommunen und deren Bürger akzeptabler machen, so Forster.
Trotz der Absage geben sich Stadt und Hafen zuversichtlich. Die bereits geleisteten Vorarbeiten könnten für andere Investoren genutzt werden, sagt Bürgermeister Kräusche. Nach Angaben des Hafens gibt es weitere potenzielle Interessenten, deren Namen bislang nicht genannt wurden.
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