Die US-Sanktionsbehörde OFAC hat die Frist für Verhandlungen über den Verkauf der Auslandsvermögen des russischen Ölkonzerns Lukoil bis zum 21. November 2026 verlängert. Das geht aus einer am Mittwoch erteilten Lizenz des US-Finanzministeriums hervor.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag berichtete, erlaubt die Lizenz Gespräche, Prüfungen und den Abschluss vorläufiger Kaufverträge mit Lukoil über die Tochtergesellschaft Lukoil International GmbH (LIG) und deren Mehrheitsbeteiligungen. Der eigentliche Verkauf ist davon ausdrücklich nicht erfasst. Jeder Vertrag steht laut OFAC unter dem Vorbehalt einer separaten Freigabe.
Der 1991 gegründete Konzern förderte 2024 rund 81,7 Millionen Tonnen Öl und Kondensat, was etwa zwei Prozent der weltweiten Ölproduktion entspricht. Raffiniert wurden 54,3 Millionen Tonnen Rohöl.
Bedingungen für einen späteren Verkauf
Für einen späteren Verkauf nennt die Behörde klare Auflagen. LIG müsse vollständig von Lukoil getrennt werden. Ausstehende Zahlungen an Lukoil sollen auf einem Sperrkonto im US-Rechtsraum eingefroren bleiben, bis die Sanktionen aufgehoben sind. Dem russischen Konzern dürfe kein unmittelbarer Vorteil entstehen, etwa durch Vorauszahlungen oder Tausch gegen Aktien oder andere Vermögenswerte.
Die OFAC behält sich zudem vor, die Lizenz zu widerrufen, wenn Lukoil nicht ernsthaft verhandelt. Die USA hatten Lukoil und den Branchenführer Rosneft im Oktober 2025 mit Sanktionen belegt. Begründet wurde dies mit Russlands Einnahmen für den Krieg in der Ukraine.
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Hintergrund der Fristverlängerung ist der Rückzug des US-Finanzinvestors Carlyle. Dieser hatte im Januar den Kauf der weltweiten Lukoil-Vermögenswerte außerhalb Kasachstans mit dem russischen Konzern vereinbart, hat sich nach Reuters-Angaben seit Anfang Oktober aber aus diesem Geschäft zurückgezogen.
Washington und Moskau im Gespräch
Nach Angaben des Kreml-Beraters Juri Uschakow sprechen Russland und die USA auch auf politischer Ebene über die Zukunft der Lukoil-Vermögenswerte. Reuters zitierte Uschakow am Mittwoch nach einem Treffen von Präsident Wladimir Putin mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff in St. Petersburg. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hatte laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax zuvor signalisiert, Moskau rechne mit einer Verlängerung der Lizenz durch Washington.
Nach einem Bericht der New York Times hatte Putin das Ölgeschäft bereits am 5. September bei einem Treffen im Kreml gegenüber den US-Unterhändlern Witkoff und Jared Kushner angesprochen. Er habe den Verkauf als Signal vorgeschlagen, dass russische Firmen wieder mit den USA ins Geschäft kommen könnten. Die amerikanische Seite habe zugesagt, daran zu arbeiten, und darin zugleich einen Weg gesehen, die weltweiten Energiepreise zu dämpfen.
Beim jährlichen Waldai-Diskussionsforum in Moskau stellte Putin Anfang Oktober laut AFP in Aussicht, dass in einem „günstigen Szenario“ in Russland unter staatliche Verwaltung gestellte Vermögenswerte an westliche Eigentümer zurückgehen könnten. Zugleich warf er westlichen Staaten vor, Vermögen russischer Konzerne wie Gazprom, Rosneft und Lukoil „entrissen“ zu haben.
Konsortium mit Nähe zum Weißen Haus
Das Portfolio von Lukoil außerhalb Russlands wird auf rund 22 Milliarden Dollar geschätzt. Es umfasst Öl- und Gasfelder von Zentralasien bis Mexiko, Tausende Tankstellen sowie Raffinerien in Bulgarien und Rumänien.
Nach einem Bericht der Financial Times arbeitet ein Konsortium um den US-Investor Todd Boehly an einem Angebot. Beteiligt sein sollen unter anderem die staatliche US-Entwicklungsbank DFC sowie Investoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar.
Die DFC erklärte der New York Times zufolge, das Vorhaben würde die Ziele der Regierung Trump stützen, die wirtschaftliche Sicherheit der USA zu stärken und die Energiepreise zu senken. Boehly ist US-Milliardär, Trump-Spender und Miteigentümer des Baseballklubs Los Angeles Dodgers.
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