Leipzig-Drohne

„Antirussische Handlungen“: Moskau bestellt deutschen Spitzendiplomaten ein

Der diplomatische Konflikt um die Sprengstoff-Drohne verschärft sich. Nach der Einbestellung des russischen Botschafters in Berlin zieht Moskau nun nach.

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Russlands Außenminister Sergej Lawrow: Sein Ministerium hat den deutschen Geschäftsträger in Moskau einbestellt.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow: Sein Ministerium hat den deutschen Geschäftsträger in Moskau einbestellt.

© Sergey Guneev/imago

Das russische Außenministerium hat am Mittwoch den derzeitigen Geschäftsträger der deutschen Botschaft in Moskau einbestellt. Anlass seien die „gestrigen antirussischen Handlungen und Äußerungen der deutschen Behörden“, teilte das Ministerium über Telegram mit.

Die russische Behörde veröffentlichte dazu ein kurzes Video, das den deutschen Diplomaten bei seiner Ankunft zeigt. Sie identifizierte ihn lediglich als B. Finke. Bei dem Einbestellten handelt es sich nicht um den deutschen Botschafter Clemens von Goetze, sondern um den Diplomaten, der die Botschaft derzeit als Geschäftsträger vertritt.

Welche Botschaft ihm bei dem Gespräch übermittelt wurde, teilte das russische Außenministerium zunächst nicht mit. Auch konkrete Gegenmaßnahmen gegen Deutschland wurden nicht genannt. Eine Einbestellung gilt als deutliche Form des diplomatischen Protests.

Moskau reagiert auf deutsche Schuldzuweisung

Der Schritt folgt auf die Entscheidung der Bundesregierung, Russland offiziell für den misslungenen Anschlag mit einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich zu machen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte die Schuldzuweisung am Dienstag mit polizeilichen Ermittlungsergebnissen, dem Tatmuster sowie deutschen und verbündeten Nachrichtendiensterkenntnissen begründet.

Die Sprengstoff-Drohne war am 4. August im Sicherheitsbereich des Flughafens nahe ukrainischen Frachtmaschinen entdeckt worden. Nach Angaben der Bundesregierung sprechen unter anderem die Bauweise, die verwendeten Komponenten, der Sprengstoff und der Zündmechanismus für eine russische Operation. Die zugrunde liegenden Beweise wurden bislang nicht öffentlich vorgelegt.

Deutschland schließt russisches Konsulat

Außenminister Johann Wadephul (CDU) kündigte mehrere Strafmaßnahmen an. Das russische Generalkonsulat in Bonn soll bis zum 18. September geschlossen und die Vereinbarung über das Russische Haus in Berlin gekündigt werden. Deutschland will sich zudem für weitere EU-Sanktionen, strengere Einreisekontrollen und Maßnahmen gegen die russische Schattenflotte einsetzen.

Das Auswärtige Amt hatte am Dienstag den russischen Botschafter Sergej Netschajew einbestellt. Die russische Botschaft wies die Anschuldigungen als „unbegründet, absurd und dem gesunden Menschenverstand widersprechend“ zurück. Die deutschen Maßnahmen seien eine „beispiellose Eskalation“ und würden nicht ohne Folgen bleiben.

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Russland kündigt „spiegelbildliche“ Reaktion an

Kremlsprecher Dmitri Peskow verlangte Belege für die deutsche Schuldzuweisung und warf der Bundesregierung einen Eskalationskurs vor. Außenamtssprecherin Maria Sacharowa erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, Russland werde „spiegelbildlich“ reagieren. Auf alle „antirussischen Entscheidungen“ Berlins werde Moskau antworten, sagte sie zudem dem russischen Sender RTVI.

EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas erklärte am Mittwoch, der Anschlagsversuch in Leipzig trage „alle Merkmale von staatlich gefördertem Terrorismus“. Die EU arbeite an weiteren Sanktionen gegen den russischen militärisch-industriellen Komplex. Auch die EU sowie Frankreich, Belgien und die Niederlande bestellten russische Diplomaten ein.

Eine Reaktion des Auswärtigen Amts auf die Einbestellung des deutschen Geschäftsträgers in Moskau lag zunächst nicht vor.

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