Das russische Außenministerium hat am Mittwoch den derzeitigen Geschäftsträger der deutschen Botschaft in Moskau einbestellt. Anlass seien die „gestrigen antirussischen Handlungen und Äußerungen der deutschen Behörden“, teilte das Ministerium über Telegram mit.
Bei dem einbestellten Diplomaten handelt es sich um den deutschen Geschäftsträger Bernd Finke. Das russische Außenministerium veröffentlichte ein kurzes Video, das ihn bei seiner Ankunft zeigt. Nach Angaben eines Tass-Korrespondenten verließ Finke das Ministerium nach etwa einer Stunde wieder. Der deutsche Botschafter Clemens von Goetze war demnach nicht einbestellt worden.
Nach Angaben des russischen Außenministeriums wurde Finke mitgeteilt, dass Russland die Anschuldigungen Deutschlands im Zusammenhang mit dem Drohnenvorfall in Leipzig entschieden zurückweise, meldet Tass. Die Entscheidung zur Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn und des Russischen Hauses in Berlin sei ein Schritt „hin zur endgültigen Zerstörung“ der Beziehungen zwischen Russland und Deutschland, hieß es weiter. Berlin habe bewusst eine Provokation inszeniert, die auf eine Eskalation der bilateralen Beziehungen abziele, betonte das Ministerium.
Leipzig-Drohne: Russland droht Deutschland mit „würdiger Antwort“
Moskau reagiert auf deutsche Schuldzuweisung
Der Schritt folgt auf die Entscheidung der Bundesregierung, Russland offiziell für den misslungenen Anschlag mit einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich zu machen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte die Schuldzuweisung am Dienstag mit polizeilichen Ermittlungsergebnissen, dem Tatmuster sowie deutschen und verbündeten Nachrichtendiensterkenntnissen begründet.
Die Sprengstoff-Drohne war am 4. August im Sicherheitsbereich des Flughafens nahe ukrainischen Frachtmaschinen entdeckt worden. Nach Angaben der Bundesregierung sprechen unter anderem die Bauweise, die verwendeten Komponenten, der Sprengstoff und der Zündmechanismus für eine russische Operation. Die zugrunde liegenden Beweise wurden bislang nicht öffentlich vorgelegt.
Deutschland schließt russisches Konsulat
Außenminister Johann Wadephul (CDU) kündigte mehrere Strafmaßnahmen an. Das russische Generalkonsulat in Bonn soll bis zum 18. September geschlossen und die Vereinbarung über das Russische Haus in Berlin gekündigt werden. Deutschland will sich zudem für weitere EU-Sanktionen, strengere Einreisekontrollen und Maßnahmen gegen die russische Schattenflotte einsetzen.
Das Auswärtige Amt hatte am Dienstag den russischen Botschafter Sergej Netschajew einbestellt. Die russische Botschaft wies die Anschuldigungen als „unbegründet, absurd und dem gesunden Menschenverstand widersprechend“ zurück. Die deutschen Maßnahmen seien eine „beispiellose Eskalation“ und würden nicht ohne Folgen bleiben.
Russland kündigt „spiegelbildliche“ Reaktion an
Kremlsprecher Dmitri Peskow verlangte Belege für die deutsche Schuldzuweisung und warf der Bundesregierung einen Eskalationskurs vor. Außenamtssprecherin Maria Sacharowa erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, Russland werde „spiegelbildlich“ reagieren. Auf alle „antirussischen Entscheidungen“ Berlins werde Moskau antworten, sagte sie zudem dem russischen Sender RTVI.
EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas erklärte am Mittwoch, der Anschlagsversuch in Leipzig trage „alle Merkmale von staatlich gefördertem Terrorismus“. Die EU arbeite an weiteren Sanktionen gegen den russischen militärisch-industriellen Komplex. Auch die EU sowie Frankreich, Belgien und die Niederlande bestellten russische Diplomaten ein.
Eine Reaktion des Auswärtigen Amts auf die Einbestellung des deutschen Geschäftsträgers in Moskau lag zunächst nicht vor.
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