Russland hat den USA und dem Iran erneut seine Vermittlung angeboten und sich zur Aufnahme iranischen angereicherten Urans bereit erklärt. Voraussetzung für eine Vermittlerrolle sei eine entsprechende Anfrage, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow dem Sender Al Jazeera. Die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete am Donnerstag über die Aussagen.
„Russland ist bereit, auf Anfrage zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten zu vermitteln“, zitierte Interfax die vom Sender wiedergegebene Erklärung. Moskau könne zudem angereichertes Uran übernehmen, falls dessen Verbleib im Iran die Verhandlungen behindere.
Peskow erklärte, der Iran sei regelmäßig Thema bei Kontakten zwischen Russland und den USA. Beide Seiten tauschten dazu ihre Einschätzungen aus. Moskau werde sich bemühen, eine weitere militärische Eskalation am Persischen Golf zu verhindern.
Angebot zur Übernahme von Uran ist nicht neu
Mit dem Vorschlag greift der Kreml eine frühere Initiative auf. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete bereits im April, Peskow habe den USA die Ablehnung eines solchen Angebots vorgeworfen. Russland sei bereit gewesen, die iranischen Bestände an angereichertem Uran aufzunehmen. Washington habe dem jedoch nicht zugestimmt, sagte er damals.
Auch im Mai war die Initiative Gegenstand diplomatischer Gespräche. Laut der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu erklärte Peskow bei einer Presseunterrichtung, Präsident Wladimir Putin habe den Vorschlag mit Chinas Staatschef Xi Jinping erörtert. Teheran und Washington müssten darüber beraten.
Experten sehen Grenzen für Moskaus Vermittlerrolle
Der Sicherheitsexperte Jonathan Lord warnte bereits im März 2025 in einem Gastbeitrag für das US-Magazin Foreign Policy davor, Russland die Vermittlung eines neuen Atomabkommens anzuvertrauen. Moskaus Interessen im Nahen Osten widersprächen denen Washingtons.
Auch der Iran- und Russlandexperte Nikita Smagin sah in einer im April 2025 veröffentlichten Analyse für die US-Denkfabrik Carnegie nur begrenzte Einflussmöglichkeiten: Entscheidend für eine Lösung seien die USA, der Iran und Israel.
Moskau und Teheran verbindet eine strategische Partnerschaft
Russland unterhält enge politische, wirtschaftliche und militärische Beziehungen zum Iran. Im Januar 2025 unterzeichneten Putin und der iranische Präsident Massud Peseschkian einen auf 20 Jahre angelegten Vertrag über eine umfassende strategische Partnerschaft.
Der Vertrag sieht gemeinsame Militärübungen, eine engere Zusammenarbeit der Sicherheitsdienste und den Ausbau der militärtechnischen Kooperation vor. Hinzu kommen Projekte in den Bereichen Energie, Verkehr und Handel sowie die friedliche Nutzung der Kernenergie.
Beide Staaten wollen außerdem ihre Finanzbeziehungen stärken und Zahlungen in nationalen Währungen ausbauen. Damit sollen Geschäfte unabhängiger von Zahlungssystemen anderer Länder werden. Sowohl Russland als auch der Iran unterliegen umfangreichen westlichen Sanktionen.
Keine Verpflichtung zum militärischen Beistand
Die Partnerschaft enthält derweil keine gegenseitige militärische Beistandspflicht. Wird eines der Länder angegriffen, verpflichtet sich das andere demnach lediglich, dem Angreifer keine militärische oder sonstige Unterstützung zu leisten.
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine haben Moskau und Teheran ihre militärischen Beziehungen vertieft. Russland setzt in der Ukraine zudem Drohnen iranischer Bauart ein. Westliche Staaten werfen Teheran Waffenlieferungen für den russischen Krieg vor. Der Iran bestreitet, Waffen für den Einsatz gegen die Ukraine bereitzustellen.
Moskau tritt im Konflikt zwischen Washington und Teheran somit als enger Partner des Iran auf, der zugleich Gesprächskanäle zu den USA unterhält. Peskows Angebot zielt darauf, diese Kontakte für Verhandlungen zu nutzen. Ein konkreter Vermittlungsauftrag wurde zunächst nicht bekannt.
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