Ein Tunnel soll Russland und die USA unter dem Beringmeer verbinden. Was der russische Unterhändler Kirill Dmitrijew bislang als Acht-Milliarden-Dollar-Projekt und „Putin-Trump-Tunnel“ beworben hat, könnte tatsächlich ein Vielfaches kosten: Die Beratungsgesellschaft Kept beziffert die Gesamtausgaben auf 205,4 Milliarden Dollar.
Das berichtet die russische Wirtschaftszeitung RBC unter Berufung auf eine neue Berechnung von Kept. Die Schätzung umfasst nicht nur den Tunnel zwischen der russischen Region Tschukotka und dem US-Bundesstaat Alaska, sondern auch neue Bahnstrecken, Energieanlagen und eine Reserve für Risiken.
Allein der Bau des 103 bis 120 Kilometer langen Tunnels würde nach der inflationsbereinigten Berechnung 73,2 Milliarden Dollar kosten. Vorgesehen wären drei Röhren: zwei für Züge in jeweils eine Richtung und eine weitere für Wartung und Rettung.
Putin-Trump-Tunnel: Tausende Kilometer neue Bahnstrecken wären erforderlich
Der Tunnel wäre nur ein Teil des Projekts. Beide Enden lägen in dünn besiedelten Regionen, die bislang nicht an durchgehende internationale Bahnverbindungen angeschlossen sind. Für die nötige Verkehrs- und Energieinfrastruktur veranschlagt Kept weitere rund 64 Milliarden Dollar.
Allein auf russischer Seite müssten demnach etwa 3500 Kilometer neue Eisenbahnstrecken gebaut und weitere 1500 Kilometer modernisiert werden. Auch auf der amerikanischen Seite wären umfangreiche Anschlüsse erforderlich, bevor Züge vom Tunnel aus weiter durch Alaska fahren könnten.
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MehrEinen geografischen Vorteil sehen die Analysten in den beiden Diomede-Inseln mitten in der Beringstraße. Die größere Insel gehört zu Russland, die kleinere zu den USA. Mithilfe der Inseln ließe sich der rund 85 Kilometer lange Unterwasserabschnitt in drei jeweils 30 bis 40 Kilometer lange Teile zerlegen. Gebaut werden könnte gleichzeitig aus vier Richtungen.
Das soll die Arbeiten beschleunigen. Trotzdem hält Kept eine Eröffnung erst um das Jahr 2041 für realistisch. Von 2026 bis 2028 müssten zunächst ein zwischenstaatliches Abkommen geschlossen, der Meeresboden untersucht und die Wirtschaftlichkeit genauer geprüft werden. Der eigentliche Tunnelbau und die Schienenanschlüsse könnten nach diesem Szenario von 2030 bis 2038 entstehen.
Voraussetzung wären eine dauerhaft gesicherte Finanzierung und eine abgestimmte Beteiligung staatlicher und privater Investoren. Beides steht bislang nicht fest.
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Dmitrijew versprach den Tunnel für weniger als acht Milliarden Dollar
Dmitrijew, Chef des Russischen Direktinvestitionsfonds und Unterhändler von Präsident Wladimir Putin, hatte das Vorhaben im Oktober 2025 neu ins Gespräch gebracht. Er forderte Elon Musk auf, sich mit dessen Unternehmen The Boring Company daran zu beteiligen.
Mit herkömmlicher Technik würde das Projekt mindestens 65 Milliarden Dollar kosten, erklärte Dmitrijew damals. Durch Musks Technik könne der Preis jedoch auf weniger als acht Milliarden Dollar sinken. Auch die Bauzeit veranschlagte er auf weniger als acht Jahre.
US-Präsident Donald Trump bezeichnete die Idee daraufhin lediglich als „interessant“. Eine Beteiligung der amerikanischen Regierung, eine Finanzierungszusage oder einen gemeinsamen Baubeschluss kündigte er nicht an.
Im Juni 2026 ging Dmitrijew dennoch weiter: „Der Tunnel wird kommen“, sagte er nach Angaben von Interfax beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg. Er bezeichnete das Vorhaben als künftiges Großprojekt zwischen Russland und den USA.
Ein Abkommen zwischen Moskau und Washington fehlt
Der russische Staatsfonds habe eine Vereinbarung mit einem Unternehmen unterschrieben, die eine weitere Projektierung ermögliche, berichtete die Geschäftszeitung Kommersant. Den Namen des Unternehmens nannte Dmitrijew jedoch nicht. Auch eine Beteiligung der US-Regierung geht aus den veröffentlichten Angaben nicht hervor.
Die neue Kept-Rechnung ist deshalb kein Bauplan und keine gemeinsam von Russland und den USA beauftragte Machbarkeitsstudie. Sie zeigt vielmehr, was erforderlich wäre, sollte aus der russischen Initiative tatsächlich ein internationales Infrastrukturprojekt werden.
Nach dem Zeitplan von Kept müsste Moskau mit Washington spätestens 2028 ein zwischenstaatliches Abkommen schließen. Ein solcher Vertrag ist bislang nicht bekannt.
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