Die niederländischen Behörden haben im Rotterdamer Hafen ein mutmaßliches Netzwerk zur Umgehung der Russland-Sanktionen aufgedeckt. Bei einer Kontrolle eines Containerschiffs, das regelmäßig zwischen Rotterdam und St. Petersburg verkehrt, fanden Zollbeamte Waren, die nach EU-Recht nicht nach Russland exportiert oder über Russland transportiert werden dürfen. Der Kapitän des Schiffes wurde festgenommen.
Wie die niederländische Zollbehörde und der Sender NOS berichten, läuft inzwischen ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren. Neben dem Kapitän stehen auch zwei Unternehmen aus Amsterdam und Rotterdam im Fokus der Ermittler. Die Untersuchung wird gemeinsam von Zoll und Staatsanwaltschaft geführt.
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Autoteile und Motoröl entdeckt
Bei der Kontrolle öffneten Zollbeamte zunächst einen Container, der äußerlich gewöhnliche Warenlieferungen enthielt. Nach Angaben der Behörden fanden sie darin jedoch unter anderem Windschutzscheiben, Autotüren, Motoröl und Luftfiltersysteme für Fahrzeuge. Besonders auffällig sei gewesen, dass Verpackungen manipuliert worden seien. Etiketten seien entfernt und Kartons neu verschlossen worden, berichtete ein Sprecher der Zollbehörde. Dies habe den Verdacht geweckt, dass die tatsächliche Fracht verschleiert werden sollte.
Nach Angaben der Ermittler wurden inzwischen Dutzende Container gestoppt und sichergestellt. Deren Inhalt werde weiterhin genau untersucht, was etwas Zeit in Anspruch nehme.
Route zwischen Rotterdam und St. Petersburg im Fokus
Die Ermittlungen hatten bereits vor der Kontrolle begonnen. Behörden waren Hinweisen nachgegangen, wonach die regelmäßige Schiffsverbindung zwischen Rotterdam und St. Petersburg möglicherweise genutzt werde, um europäische Sanktionen gegen Russland zu umgehen.
Nach Einschätzung der Behörden könnten bestimmte Fahrzeugteile sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden. Zwar seien sie für gewöhnliche Autos bestimmt, sie könnten jedoch ebenso in Lastwagen oder anderen Fahrzeugen verwendet werden, die später im russischen Militär- oder Logistikbereich eingesetzt werden.
Niederlande verschärfen Kontrollen
Die Niederlande haben ihre Kontrollen gegen mögliche Sanktionsverstöße seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine deutlich ausgeweitet. Rotterdam ist Europas größter Hafen und traditionell ein wichtiger Umschlagplatz für Waren mit Russland-Bezug. Bereits in den vergangenen Jahren wurden dort tausende Container wegen der Sanktionen überprüft oder festgesetzt.
Ob die jetzt sichergestellten Lieferungen tatsächlich gegen EU-Sanktionsrecht verstoßen haben, soll das laufende Ermittlungsverfahren klären. Der zuständige Ermittlungsrichter in Rotterdam ordnete zunächst zwei Wochen Untersuchungshaft für den Kapitän an.
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