Bei Unfällen mit Dienstfahrzeugen der Polizei sind in Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr zwölf Beamte verletzt worden, einige von ihnen schwer. Das sind fast doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Insgesamt zählte die Polizei 319 Unfälle mit eigenen Fahrzeugen. Rechnerisch war damit jeder fünfte der rund 1500 Streifenwagen betroffen.
Der Schaden allein an den Dienstwagen lag nach Zahlen des Landesinnenministeriums, über die die Volksstimme berichtet, bei etwa 1,74 Millionen Euro und damit so hoch wie seit mindestens sieben Jahren nicht. Dem Bericht zufolge stieg die Summe in diesem Zeitraum um rund eine Million Euro, vor allem wegen höherer Reparaturkosten. Weil das Land als öffentlicher Fahrzeughalter von der Versicherungspflicht befreit ist und Schäden bei einem so großen Fuhrpark selbst zu tragen als günstiger gilt als Versicherungsbeiträge, kommt es für selbst verursachte Schäden aus der Landeskasse auf.
Etwa die Hälfte der Unfälle selbst verursacht
Wie die Zeitung weiter schreibt, haben die Polizisten am Steuer nach Angaben des Ministeriums etwa die Hälfte der Unfälle selbst verursacht. Ungefähr jeder siebte Unfall geschah demnach während einer Einsatzfahrt mit Blaulicht und Martinshorn. Statistisch hatte jeder Dienstwagen alle 78.800 gefahrenen Kilometer einen Unfall.
Die meisten Fälle verzeichnete laut dem Bericht die Polizeiinspektion Magdeburg, zu der neben der Landeshauptstadt auch die Börde, der Harz und der Salzlandkreis gehören. Auf sie entfielen mit 136 Unfällen 42 Prozent aller Fälle der sieben Polizeibehörden im Land. Eine Sprecherin begründete das gegenüber der Zeitung mit der höchsten Kilometerleistung innerhalb der Landespolizei.
Vor allem junge Beamte verunglücken
Eine Auswertung habe zudem ergeben, dass vor allem Polizisten unter 30 Jahren an den Unfällen beteiligt waren, hieß es aus der Inspektion. Möglicherweise spiele dabei die noch geringe Fahr- und Einsatzerfahrung eine Rolle. Je nach Fall folgen Gespräche, erneute Belehrungen oder Fahrsicherheitstrainings, die die Landesfahrschule der Polizei unter anderem in Oschersleben anbietet.
Das Innenministerium verwies in dem Bericht darauf, dass sich Unfälle im Einsatz trotz Aus- und Fortbildung nicht völlig ausschließen ließen, jeder Fall werde aufgearbeitet. Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Nancy Emmel, forderte im Gespräch mit der Zeitung, Vorbeugung und regelmäßige Fahrtrainings stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Als Ursachen sieht sie auch hohe Einsatzbelastung, Zeitdruck und schwierige Verkehrslagen. Dienstanfänger müssen schon jetzt trotz Führerscheins eine mehrtägige Schulung mit Prüfung absolvieren.
Verfahren nach Unfall auf der A36 eingestellt
Im Juni 2025 kam ein Streifenwagen nachts auf der A36 bei Aschersleben von der Fahrbahn ab, prallte gegen die Leitplanke und überschlug sich mehrfach. Die beiden Polizistinnen im Alter von 25 und 30 Jahren wurden schwer verletzt und waren lange dienstunfähig. Sie waren nicht zu einem dringenden Einsatz unterwegs.
Ursache soll Sekundenschlaf der Fahrerin gewesen sein. Vergangene Woche stellte das Amtsgericht Aschersleben das Verfahren gegen sie ein – gegen Zahlung von 1000 Euro an ihre Kollegin.
Weitere Unfälle mit Streifenwagen im Land
Im Mai stieß in Magdeburg ein Streifenwagen, der mit Sonder- und Wegerechten unterwegs war, an einer Kreuzung mit dem Auto einer 79-Jährigen zusammen. Die Frau wurde schwer verletzt, die beiden Polizisten leicht. Einen Monat zuvor hatte ein 19-jähriger Beamter in der Landeshauptstadt beim Wenden mit einem Kleintransporter der Polizei ein Auto übersehen. Es kam zu einer Kettenreaktion mit vier Fahrzeugen, verletzt wurde niemand.
Beschwerden über die Polizei in Sachsen-Anhalt auf Rekordhoch – doch die wenigsten sind berechtigt
OAZ-Bericht: Beschwerden über Polizei in Sachsen-Anhalt auf Rekordhoch – was sagt das aus?
Im Dezember 2025 übersah ein Lkw-Fahrer auf der A2 in der Börde beim Spurwechsel ein Polizeifahrzeug, vier Beamte wurden schwer verletzt. Im November 2024 stieß bei Naumburg ein Streifenwagen auf Einsatzfahrt mit einem Transporter zusammen. Beide Fahrzeuge überschlugen sich, vier Menschen wurden verletzt, darunter zwei Polizisten schwer.
Fußgänger verliert bei Blaulichtfahrt in Halle ein Bein
Im Oktober 2024 stieß in Halle ein Polizeitransporter auf einer Einsatzfahrt mit Blaulicht und Martinshorn an einer Kreuzung mit einem Auto zusammen und erfasste anschließend einen Fußgänger. Sechs Menschen wurden verletzt, der 18-jährige Fußgänger verlor ein Bein. Im Februar verurteilte das Amtsgericht Halle den Polizisten nach Angaben des MDR wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe.
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