Fußball

Saisonstart nach Maß: Warum Hansa Rostock dennoch nicht ganz sorgenfrei ist

Sieben Punkte aus drei Spielen, aber Trainer Brinkmann hat Baustellen: Zu viele Gegentore, Verletzungspech im Tor und das Rätsel um Kapitän Pfanne.

Andreas Baingo
5 Min
Könnte beim FC Hansa Rostock richtig durchstarten: Leon Dajaku

Könnte beim FC Hansa Rostock richtig durchstarten: Leon Dajaku

© Jan Huebner/Imago

Sieben Punkte aus drei Spielen sind durchaus vorzeigbar. Sechs davon stammen zudem aus den bisherigen zwei Auswärtsspielen. Dazu ist am Sonnabend, 14 Uhr, im heimischen Ostseestadion der sieglose Tabellenvorletzte Wehen Wiesbaden zu Gast, dem bisher erst ein Treffer gelang und zuletzt mit einem 0:0 gegen Rot-Weiss Essen der einzige Punktgewinn – die Hansa-Kogge aus Rostock ist in der Dritten Liga voll auf Kurs und soll in danach weiteren 34 Spielen dieses Ziel erreicht haben: Aufstieg!

Hansa Rostock kann Schuldenabbau verkünden

So ansprechend der Start auch ausgefallen ist, den Tabellenzweiten plagen trotzdem einige Sorgen. Manche davon tragen davor das Wort „Luxus“, andere nicht. Einige sind hausgemacht, einige passieren ungewollt. Manches ist relativ problemlos zu lösen, anderes braucht Monate. Das eine oder andere frisst sich womöglich aber noch tiefer ein. Vor allem dann, wenn es ausgerechnet den einst vom Trainer, der damals wie heute Daniel Brinkmann heißt, ernannten Kapitän betrifft. Aber der Reihe nach.

Erst einmal aber die wahrscheinlich beste Nachricht der vergangenen Tage: Die Rostocker sind einen ganzen Batzen ihrer einst horrenden Schulden los. Vor elf Jahren betrugen sie 20 Millionen Euro, womit sie an der Küste dem Bankrott bedrohlich nahe waren. Vor einigen Monaten waren es noch 12,5 Millionen Euro.

Inzwischen betragen sie nur noch drei Millionen Euro. Das war dem Vorstandsvorsitzenden Ronald Maul eine Mitteilung an die Vereinsmitglieder wert, in der er von einem „historischen Schritt für den FC Hansa“ schrieb. Maul war es auch deshalb so wichtig, das zu betonen, weil es für den ehemaligen Mittelfeldspieler, der 1973 in Jena geboren wurde, für die DDR 1989 ein U16-Länderspiel, für die DFB-Elf zwei A-Länderspiele und zu besseren Hansa-Zeiten von seinen 178 Bundesligaspielen 102 für die Blau-Weißen aus Mecklenburg bestritt, eine Herzensangelegenheit ist.

Dass der Löwenanteil des Schuldenabbaus, nämlich fünf Millionen Euro, für den Wechsel von Angreifer Ryan Naderi im Januar zu den Glasgow Rangers in die Kasse geflossen ist, ist schon mal nicht das schlechteste Zeichen. Und dass sich das Budget auf dem Niveau der Vorsaison bewegt, das noch deutlich bessere.

Franz Pfanne hat beim FC Hansa Rostock derzeit einen schweren Stand.

Franz Pfanne hat beim FC Hansa Rostock derzeit einen schweren Stand.

© Fotostand/Voelker/Imago

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Wären da nicht die Baustellen, mit denen sich vor allem der Trainer befassen muss. Ein hausgemachtes scheint die Personalie Franz Pfanne zu sein. Der Defensivspieler, vornehmlich in der Innenverteidigung eingesetzt, stammt aus Bautzen, begann bei der dortigen Fußballspielvereinigung, kam über Dynamo Dresden, Rödinghausen und die Zweite von Borussia Dortmund 2024 zu Hansa, bekam die Binde des Spielführers, besitzt aber mittlerweile nicht mehr das bedingungslose Vertrauen seines Coaches.

Dabei hat der erst kürzlich gesagt, dass der Kapitän einer sei, der „einfach immer weitermarschiert“ und der sein Amt bewusst ausführt. Außer im mit 0:4 verlorenen DFB-Pokalspiel gegen den VfB Stuttgart aber war Pfanne in dieser Saison noch nicht im Einsatz. Zuletzt in Saarbrücken musste er sogar zu Hause bleiben. Auch wenn Brinkmann dafür positionelle Gründe angab, klingt das arg nach Degradierung und möglicher Ausmusterung.

Dabei könnte man die Abwehr derzeit als Schwachstelle ausmachen. Sieben Gegentore in drei Ligaspielen sind für ein Team, das nach oben will, deutlich zu viele. Allein Jahn Regensburg (8) und Schlusslicht Verl (10) haben eine noch löchrigere Defensive. Noch macht Brinkmann daraus kein Drama, gibt aber zu: „Natürlich haben wir darüber gesprochen. Wir müssen in der Defensive einen Schritt zulegen, obwohl unter den Gegentoren auch einige waren, die nicht jeden Tag fallen. Insgesamt aber wären weniger Gegentore schön.“

Diese Flut passt vor allem nicht zu Luca Unbehaun, der neuen Nummer eins. Nachdem die Hanseaten im Sommer ohne Torhüter dastanden – Benjamin Uphoff wechselte zu Zweitligist Eintracht Braunschweig, Max Hagemoser zum SV Pastow in die Verbandsliga Mecklenburg-Vorpommern –, hatte sich auch Yannic Stein, vom 1. FC Union Berlin an die Küste ausgeliehen, eine Chance ausgerechnet. Das hat um Haaresbreite nicht geklappt.

Inzwischen kam für Stein gehöriges Pech dazu, sodass er nicht einmal mehr der Herausforderer ist. Eine im Training erlittene Knieverletzung wirft den Schlussmann um Monate zurück. In diesem Fall spricht Brinkmann unverblümt Klartext: „Dass Yannic in diesem Jahr noch auf den Platz kommt, halte ich für ziemlich ausgeschlossen.“

Umgehend haben die Rostocker reagiert und mit Jaaso Jantunen einen talentierten Finnen verpflichtet, den Brinkmann ob seiner 1,98 Meter Körpergröße einen „Kerl wie ein Baum“ nennt, an Unbehaun („Luca genießt unser Vertrauen“) aber nicht zweifelt. Das wird also auch danach für Stein nicht leicht.

Ex-Unioner Leon Dajaku ist ein Gewinn für Hansa

Dafür scheint mit Leon Dajaku ein anderer Ex-Unioner durchzustarten. Der Angreifer, der beim VfB Stuttgart, Bayern München und eben in Köpenick an der Bundesliga geschnuppert, es in sechs Spielen zusammen aber doch nur auf 70 Einsatzminuten gebracht hat, ist ein Gewinn.

Von ihm erwarten sie eine ganze Menge. „Manches, so die Abstimmung in der Defensive“, sagt Dajaku, „läuft noch nicht optimal. Insgesamt aber haben wir in der Mannschaft viel Qualität.“ Daraus schöpfen sie die Hoffnung, nicht mehr so viele wilde Spiele wie bisher abzuliefern. Am Spektakel aber, den ein Sieg ohnehin mit sich bringt, wollen sie festhalten.

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