Brandenburgs Landesregierung hält an ihren Plänen fest, die durchgehende Zugverbindung zwischen der Uckermark und der Hauptstadt zu streichen. Davon betroffen ist die Regionalexpress-Linie RE3, die bislang einmal in der Stunde fährt. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 soll die Linie in dieser Form eingestellt werden.
Für Pendler, Ausflügler und Urlauber heißt das: Wer künftig von Schwedt nach Berlin will, muss umsteigen. Halt ist dann in Angermünde. Von dort geht es mit der Regionalbahn RB61 weiter – einer Linie, die zuletzt immer wieder durch Ausfälle auffiel. In der Region formiert sich breiter Widerstand.
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Warum die Direktverbindung Schwedt–Berlin wegfallen soll
Das Land verweist auf die Kosten. Geprüft wurde, den RE20 vom Berliner Hauptbahnhof aus bis nach Schwedt zu verlängern. Diese Option sei unter den bestehenden Rahmenbedingungen jedoch nicht finanzierbar, teilt das Verkehrsministerium auf eine Kleine Anfrage der BSW-Fraktion im Brandenburger Landtag mit.
Konkret geht es um viel Geld. Eine umsteigefreie Verbindung jede zweite Stunde hätte laut Ministerium im ersten Fahrplanjahr rund 14 Millionen Euro gekostet. Der RE20 fährt bisher von Cottbus über den Flughafen BER zum Berliner Hauptbahnhof.
Statt der Verlängerung setzt das Land auf die Umsteigelösung: Der RE3 endet dann in Angermünde, dort steigen Reisende in die RB61 nach Schwedt um.
Der Knackpunkt: Die unzuverlässige RB61
Genau diese Anschlusslinie sorgt für Ärger. Die RB61 verkehrte in den vergangenen Jahren wiederholt unzuverlässig, kritisiert die BSW-Fraktion. Kurzfristige Ausfälle erschwerten das Pendeln und Reisen.
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Das Ministerium hält dagegen: Verkehrsminister Robert Crumbach (SPD) habe mit dem Betreiber, der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB), intensive Gespräche geführt. Er forderte, dass die NEB der Zuverlässigkeit der RB61 künftig eine höhere Priorität einräumt. Das Ministerium zeigt sich zuversichtlich: „Dies ist wegen der Taktverdichtung und der damit einhergehenden veränderten Betriebsabläufe auch zu erwarten“.
Breiter Protest: Eine Region wehrt sich
Der Widerstand reicht weit über die Politik hinaus. Am 23. April 2026 gab es eine Protestaktion am Bahnhof Schwedt (Oder)–Mitte. Bürgermeisterin, Stadtverordnetenversammlung, die Gemeindevertretung Pinnow sowie zahlreiche Bürger setzten dort ein Zeichen.
Auch eine Petition läuft. Sie wurde vom Schwedter Dietrich Klein auf der Plattform openPetition gestartet. Mehr als 5000 Menschen haben bereits unterzeichnet – online oder auf Papier, etwa an der Information im Rathaus.
Hinzu kommen deutliche Stimmen aus der Wirtschaft. Große Arbeitgeber wie LEIPA mit über 900 Beschäftigten in Schwedt, der Anlagenbauer BUTTING, die PCK Raffinerie und das Asklepios Klinikum fordern den Erhalt. Ihr zentrales Argument: Ohne verlässliche, direkte Anbindung leidet die Fachkräftegewinnung.
Schwedt ist die bevölkerungsreichste Stadt der Uckermark. Hier wohnt rund ein Viertel aller Uckermärker, laut Tourismus Marketing Uckermark 34.610 Einwohner. Die Stadt gilt als wirtschaftliches Zentrum der Region. Auch der Tourismus ist betroffen. 2025 zählte Schwedt insgesamt 70.154 Übernachtungen und 34.908 Gäste.
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