Nach dem Vorfall in Stade und der Berichterstattung rund um eine mögliche Clanverbindung des mutmaßlichen Täters haben sich Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) sowie die Polizeichefin Kathrin Schuol zu den Berichten geäußert. Sie sprachen auf einer Pressekonferenz von einem „singulären Fall“ und sehen keine Verbindung ins Clanmilieu. NDR und WDR hatten über eine solche Verbindung berichtet.
Einen Tag nach den tödlichen Schüssen in einer Mutter-Kind-Wohngruppe in Stade richtet sich der Blick der Ermittler verstärkt auf das familiäre Umfeld des 45-jährigen Tatverdächtigen. Nach Informationen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks soll der mutmaßliche Täter Mitglied eines großen Clans aus Hannover sein. Konkret geht es dabei nach Medienberichten um eine Zugehörigkeit zum sogenannten Miri-Clan. Die Polizei wollte diese Hinweise bislang jedoch nicht bestätigen.
Nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft wurde bisher kein Haftbefehl für den Mann erlassen. Es sei noch offen, ob und wann dieser am Dienstag beantragt werde. Das hänge von den weiteren Ermittlungsergebnissen der Polizei ab.
Was geschah am Montag?
Ein 45-jähriger Mann soll in einer Jugendhilfeeinrichtung im niedersächsischen Stade westlich von Hamburg sechs Menschen getötet haben. Als mögliches Motiv gilt ein Sorgerechtsstreit. Die zwei Männer und vier Frauen wurden nach Berichten von Zeugen erschossen. Alle waren Mitarbeiter der Mutter-Kind-Einrichtung in der Dankersstraße, so die Polizei. Die Einsatzkräfte hatten vor Ort vier Tote vorgefunden, eine schwer verletzte Person konnte nicht erfolgreich reanimiert werden. Das sechste Opfer erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen.
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Hintergrund war offenbar ein Termin im Jugendhilfesystem: Der 45-Jährige soll am Montag einen Termin bezüglich des Sorgerechts für seine drei Monate alte Tochter in der Jugendhilfeeinrichtung gehabt haben. Nach Informationen von NDR und WDR handelte es sich dabei um ein sogenanntes Hilfeplangespräch.
Einsatzkräfte und Spurensicherung am Tatort in Stade.
© Fabian Höfig/NEWS5/dpa
Weil der Vater als auffällig galt, sollte dieses in großer Runde stattfinden. Die Tochter nach Angaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zufolge aus der Familie genommen worden. Unter Auflagen habe das Kind zurück zur Mutter gedurft, aber nicht an deren Wohnort in Hannover, sondern in der Jugendhilfeeinrichtung in Stade. Mutter und Kind überlebten unverletzt.
Täter polizeibekannt, ohne Waffenerlaubnis
Der Tatverdächtige ist in der Nähe von Hannover wohnhaft. Er ist polizeibekannt, unter anderem wegen Drohungen. Er wurde allerdings bislang nicht als gewalttätig geführt. Der mutmaßliche Schütze hat keine Erlaubnis zum Führen einer Waffe. Wie er an diese gekommen ist, ist noch Gegenstand der Ermittlungen.
Nach der Tat floh der Mann in einem Mercedes. Laut Polizeipräsidentin Schuol flüchtete der mutmaßliche Täter in einem Auto, das von einer 65-jährigen Frau gesteuert wurde. Die Polizei konnte die beiden durch Schüsse auf den Wagen stoppen und festnehmen. Die Fahrerin soll eine enge Verbindung zur Familie des Verdächtigen haben und wird ebenfalls vernommen.
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Reaktionen aus der Politik
Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens betonte, der Angriff habe kein „politisches oder wirtschaftliches Motiv“. Sie beschrieb ihn als „extrem kaltblütigen Gewaltakt“. Die SPD-Politikerin bezeichnete die Tat als singulären Fall ohne Bezug zu früheren Auseinandersetzungen.
Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) nannte das Geschehen erschütternd und mahnte, „jetzt keine voreiligen Schlüsse zu ziehen und den Ermittlungen den nötigen Raum zu geben“. Es sei „die Zeit für Trauer, Anteilnahme und sachliche Ermittlungsarbeit und nicht für Spekulationen und Verunsicherung“.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schrieb auf X: „Die Nachricht aus Stade erschüttert bis ins Mark.“ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärte: „Ich bin tief erschüttert über das Ausmaß der Gewalt in einem Raum, der Schutz geben soll.“ Weiter erklärte er: „Meine Anteilnahme gilt den Angehörigen der Toten und Verletzten, die so viel Schmerz ertragen müssen.“
Unterdessen warnt die Polizei vor Falschmeldungen in sozialen Netzwerken. Behörden rufen weiter dazu auf, Ergebnisse der laufenden Ermittlungen abzuwarten.
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