TikTok-Video

„Sehr teuer“: Britin beschwert sich über Café-Preise in Auschwitz – Millionen sind empört

Auschwitz-Café: Britische Touristin kritisiert auf TikTok Preise und Getränke an der Gedenkstätte. So reagiert das Museum auf das virale Video.

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Besucher am Torhaus der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau: 2025 kamen rund 1,95 Millionen Menschen, nach Polen am häufigsten aus Großbritannien. (Symbolbild)

Besucher am Torhaus der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau: 2025 kamen rund 1,95 Millionen Menschen, nach Polen am häufigsten aus Großbritannien. (Symbolbild)

© Imago/Werner Lerooy

Vier Millionen Aufrufe für einen Erdbeer-Smoothie. So oft wurde das TikTok-Video einer britischen Touristin angesehen, die sich über das Café an der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau in Polen beschwert.

Die Frau, die sich Lynne nennt, hatte den Clip laut Times of Israel am 14. September hochgeladen. Inzwischen ist er nicht mehr abrufbar.

Zehn Euro für Smoothie und Limo im Auschwitz-Café

Für einen Smoothie und eine kleine Flasche Limonade habe sie mit ihrer Tochter 9 Pfund bezahlt, umgerechnet rund zehn Euro. Das berichtete der britische Independent.

Der Smoothie sei wässrig gewesen, die Limonade habe ein wenig nach Desinfektionsmittel geschmeckt. Auf Kaffee verzichtete sie: Entkoffeinierten gebe es nicht, andere Milch als Kuhmilch auch nicht.

Ihr Rat an alle Auschwitz-Besucher: Essen und Trinken selbst mitbringen. Das Taxi vom Bahnhof für 1,20 Pfund, knapp 1,40 Euro, sei dagegen ein Schnäppchen gewesen.

Kritik auf TikTok: „Vergessen wir nicht, wo wir sind“

„Vergessen wir nicht, wo wir sind“, schrieb eine Person unter das Video. Hier seien Tausende gestorben, das sei kein Fünf-Sterne-Restaurant.

Selbst diese Zahl greift viel zu kurz. In Auschwitz wurden mehr als 1,1 Millionen Menschen ermordet, fast eine Million von ihnen Juden, so das United States Holocaust Memorial Museum.

Eine andere Nutzerin schrieb, sie habe bei ihrem Besuch weder Hunger noch Durst gehabt. An ihr eigenes Wohlbefinden habe sie dort als Letztes gedacht.

„Niemand starb im Café“: Touristin legt nach

Einsicht zeigte Lynne nicht. Ausgerechnet sie warf in weiteren Videos nun anderen Respektlosigkeit vor: Spöttische Kommentare unter ihrem Clip seien respektlos gegenüber dem Lager und seinen Toten, sagte sie laut der Zeitung.

Ihre eigene Beschwerde verteidigte sie. In dem Café sei niemand gestorben und niemand vergast worden, sie habe dort nur etwas getrunken.

Dann ging sie noch weiter. Laut dem Telegraph fragte sie, ob es richtig sei, dass Auschwitz mit einem Todeslager Geld verdiene. Das Ganze sei Geldmacherei.

Alex Hearn von der Initiative Labour Against Antisemitism sagte dem Blatt, Auschwitz sei kein Freizeitziel, das man nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis bewerte. Der Fall zeige, wie sehr manche Menschen den Bezug zum Grauen des Holocaust verlieren.

Eintritt frei: Was hinter dem Café steckt

Den Vorwurf der Geldmacherei entkräftet ein Blick auf die Regeln der Gedenkstätte. Der Zutritt zum Gelände ist kostenlos, bezahlt werden nur geführte Touren.

Das Café gehört auch nicht zum Museum. Es liege außerhalb des Besucherzentrums und werde von einem externen Anbieter betrieben, sagte ein Sprecher der Gedenkstätte der britischen Times. Die Preise seien dort deutlich angeschrieben.

Entscheidend sei für das Museum etwas anderes: dass Menschen nach Auschwitz kommen, um die Geschichte des deutschen NS-Vernichtungslagers kennenzulernen und der Opfer zu gedenken.

Karen Pollock, Chefin des Holocaust Educational Trust, riet in derselben Zeitung, sich vor einem Besuch mit Berichten von Überlebenden zu beschäftigen, etwa von Primo Levi oder Elie Wiesel.

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Briten sind zweitgrößte Besuchergruppe in Auschwitz

Die Gedenkstätte zählte 2025 rund 1,95 Millionen Besucher, sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Nach Polen kamen die meisten aus Großbritannien, gefolgt von Italien, Spanien und Deutschland, teilte das Museum mit.

In einem Punkt hat Lynne sogar recht: Ein Besuch dauert. Neun von zehn Besuchern gehen mit Führung über das Gelände, die Standardtour dauert rund dreieinhalb Stunden.

Wer dafür Proviant einpacken will, sollte die Taschenregel kennen. Rucksäcke und Handtaschen dürfen höchstens 35 mal 25 mal 15 Zentimeter groß sein, am Eingang wird kontrolliert.

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