Vor der Nordostküste Nordamerikas, inmitten des atlantischen Ozeans, liegt die kanadische Insel Neufundland. 1497 soll der unter englischer Flagge segelnde Italiener Giovanni Caboto dort an Land gegangen sein, als erster europäischer Entdecker, der einen Fuß auf nordamerikanischen Boden setzte. Nun machte ein lokaler Amateurhistoriker einen Fund, der an diesem Zeitpunkt zweifeln lässt: Er fand eine seltene englische Goldmünze, deren Datierung mindestens 70 Jahre vor der Ankunft Cabotos liegt.
Die Regierung der Provinz Neufundland und Labrador teilte vergangene Woche mit, dass ein gewisser Edward Hynes die Münze in diesem Sommer entdeckt hatte. Den Historic Resources Act der Provinz treu befolgend übergab der Finder das Fundstück an die offiziellen Stellen. Der neufundländische Kulturminister Steve Crocker lobte Hynes: „Diese Arten von Artefakten helfen uns, die Geschichte unserer Provinz zu verstehen und zu schätzen, und bieten Wissen für diejenigen, die Neufundland und Labrador aus der ganzen Welt besuchen“, sagte er. Um neugierige Schatzsucher fernzuhalten, bleibt der Fundort allerdings geheim. Immerhin verfügt die Region über 9000 Jahre Geschichte von menschlicher Besiedlung und reichen indigenen Traditionen.
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Nach Rücksprache mit Paul Berry, einem ehemaligen Kurator des Währungsmuseums der Bank of Canada, wurde die Münze als sogenannte „Quarter Noble“ des englischen Königs Heinrich VI. identifiziert. Sie soll zwischen 1422 und 1427 in London geprägt worden sein. Damals sei die Goldmünze eine beträchtliche Summe wert gewesen – circa einen Schilling, acht Pence, was heute rund 81 kanadischen Dollar entspricht. Wie die Münze auf die Insel gelangte ist unklar.
Nun datiert die 600 Jahre alte Münze den ersten europäischen Kontakt mit Nordamerika seit den Wikingern um ein paar Jahrzehnte zurück. Zuvor hielt man eine in den 1490er-Jahren geprägte Silbermünze für die älteste englische Münze, die jemals in Kanada gefunden wurde. Das neu entdeckte Artefakt soll fortan im Kunstmuseum „The Rooms“ in der neufundländischen Hauptstadt St. John's ausgestellt werden.
Fund in diesem Teil der Welt von großer Bedeutung
Die Entdeckung der Münze unterstreicht die beeindruckenden archäologischen Aufzeichnungen in Neufundland und Labrador. Der Provinzarchäologe Jamie Barker stellt gegenüber der Rundfunkgesellschaft Kanadas (CBC) die Bedeutung des Fundstücks heraus: „Zum Zeitpunkt der Prägung in England war die Existenz Nordamerikas oder auch nur Neufundlands völlig unbekannt.“
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Es gibt freilich etliche Aufzeichnungen, die auf eine europäische Besiedlung bereits lange vor dem 15. Jahrhundert schließen lassen. Verbürgt ist der Besuch des isländischen Entdeckers Leif Erikson auf der Insel, die die Wikinger Vinland nannten; Reste einer 1000 Jahre alten nordischen Siedlung auf Neufundland bei L'Anse aux Meadows sind heute als Unesco-Weltkulturerbe gelistet.
Schließlich wurde Neufundland 1583 zu Englands erstem nordamerikanischen Besitz. Barker sagt, dass es auch über die Wikinger hinaus Kenntnisse über eine frühere europäische Präsenz gebe. „Die Möglichkeit einer Besetzung vor dem 16. Jahrhundert wäre allerdings ziemlich erstaunlich“, erklärt der Archäologe. „Und in diesem Teil der Welt von großer Bedeutung.“
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