Der Autovermieter Sixt hat die Strandkorb-Affäre um Philipp Amthor für sein Marketing genutzt und den CDU-Politiker damit öffentlich aufs Korn genommen.
Ausgangspunkt ist ein Bild, das seit Tagen durch die sozialen Netzwerke läuft: der 33-jährige Staatsminister und ein Strandkorb auf dem Balkon des Bundeskanzleramts.
Sixt macht daraus folgendes: Der Anbieter zeigt ein Mercedes-Cabrio, rechts danaben Amthor im Strandkorb. Darunter der Schriftzug: „Ein Zweisitzer, mit dem Sie nicht stranden. Mieten Sie den Mercedes-AMG SL günstig bei Sixt“.
Was hinter der Strandkorb-Affäre um Amthor steckt
Zu sehen ist die Szene in der zweiten Staffel der ZDF-Dokumentation „Inside CDU“. Ein Lieferant rollt den Strandkorb auf den Balkon vor Amthors Büro, der Staatsminister schaut zu und sagt: „Ja, das sieht doch super aus.“
Vor der Kamera überlegt er, wie er das Möbelstück ausrichten will. „Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ich den mal nutze zum Erholen, dann kann ich mir den immer noch in den Kanzlergarten drehen“, sagt Amthor in dem Film.
Dem ZDF-Reporter zeigt er den Strandkorb sichtlich stolz. In der Abenddämmerung könne er von dort sogar den Fuchs beobachten, der sich im Kanzlergarten herumtreibe, erzählt er. Den Posten nennt er einen „Karrieresprung“.
Warum das Netz über den Strandkorb im Kanzleramt spottet
Die Reaktionen kamen schnell. Mehrere Instagram-Nutzer schrieben, sie hätten zunächst an Satire oder an KI-generierte Inhalte gedacht. Andere warfen Amthor Überheblichkeit vor. Ein Nutzer sprach von „spätrömischer Dekadenz im Endstadium“.
Es gab aber auch versöhnliche Stimmen. „Ach irgendwie ist das lustig mit dem Strandkorb. Ich gönne ihm den Strandkorb“, kommentierte eine Nutzerin.
Wie stark das Thema polarisiert, zeigt eine Zahl: Allein ein Instagram-Beitrag von „ZDF heute“ zu Amthor kam bis Sonntagabend auf mehr als 1600 Kommentare.
Amthor lässt den Strandkorb wieder abtransportieren
Der CDU-Politiker zog Konsequenzen. Amthor nehme die Kritik sehr ernst und habe deshalb entschieden, den Strandkorb abtransportieren zu lassen, sagte ein Regierungssprecher am Montag in der Bundespressekonferenz.
Bezahlt hat Amthor den Strandkorb privat. Er habe das Möbelstück selbst gekauft und auch Anlieferung sowie Aufbau selbst getragen, bestätigte ein Regierungssprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.
Wer ist Philipp Amthor?
Amthor zog 2017 mit nur 24 Jahren in den Bundestag ein. Der CDU trat er schon mit 16 Jahren bei, ebenso der Jungen Union. Er stammt aus Mecklenburg-Vorpommern, wo Strandkörbe die Ostseestrände prägen. Bekannt ist er als häufiger Talkshowgast und als Influencer mit rund 150.000 Followern auf Instagram.
Seit knapp zwei Monaten ist der 33-Jährige Staatsminister für die Bund-Länder-Beziehungen und arbeitet damit eine Etage unter Kanzler Friedrich Merz. Zuvor war er Digital-Staatssekretär. 2020 brachte ihn laut den vorliegenden Angaben eine Lobbyismus-Affäre beinahe zu Fall.
Trotz des Aufstiegs steht Amthor unter Druck. Er soll den angeschlagenen CDU-Landesverband in Mecklenburg-Vorpommern wieder aufbauen. Bei der Bundestagswahl 2025 unterlag er in seinem Wahlkreis dem AfD-Kandidaten Enrico Komning deutlich: 19,9 Prozent für Amthor, 45,2 Prozent für Komning. Bei der jüngsten Landtagswahl scheiterte die CDU im Land an der Fünf-Prozent-Hürde.
Die vier neuen Folgen begleiten die CDU durch das politisch schwierige Jahr 2026 – vom Parteitag in Stuttgart über die Wahlkämpfe in den Ländern bis zu den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Sie sind seit dem 22. September 2026 im ZDF-Streamingportal abrufbar.
Sixt nutzt Politiker oft für Werbung
Sixt nutzt mehrfach Themen aus dem aktuellen politischen Geschehen für die Werbung. Als die Wahl von Bundeskanzler Friedrich Merz im vergangenen Jahr beim ersten Wahlgang scheiterte, zeigte Sixt den Slogan: „Wenn's beim ersten Gang nicht klappt – einfach hochschalten“. Auch die Plagiatsaffäre um Annalena Baerbock war Thema. Zu sehen war ihr Gesicht mit der Unterschrift: „Sie verwenden ungern Eigenes?“
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