Großeinsatz

Nach schwerem Zugunglück in Spanien: Rettungskräfte suchen weiter nach Überlebenden

Nach dem Zusammenstoß zweier Schnellzüge mit 68 Toten suchen Helfer weiter in den Trümmern. Im Fokus steht eine Anweisung aus der Leitstelle.

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Rettungskräfte suchen nach dem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge weiter nach möglichen Überlebenden.

Rettungskräfte suchen nach dem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge weiter nach möglichen Überlebenden.

© Oscar del Pozo/AFP

Nach dem schweren Zugunglück mit mindestens 68 Toten in Spanien suchen Rettungskräfte weiter nach möglichen Überlebenden. Mit Kränen und Suchhunden untersuchten sie am Donnerstag die zerstörten Waggons bei Urda in der Provinz Toledo.

Am Mittwochmorgen war dort ein Hochgeschwindigkeitszug des staatlichen Betreibers Renfe auf einen stehenden Zug des Unternehmens Iryo aufgefahren. Mehrere Waggons entgleisten, einige stürzten eine Böschung hinunter.

„Wir können noch nicht mit Sicherheit sagen, dass keine weiteren Opfer in den verbogenen Trümmern eingeschlossen sind“, sagte Esther Padilla, Sprecherin der Regionalregierung von Castilla-La Mancha, dem spanischen Fernsehsender TVE. Eine bereits am Mittwoch eingesetzte Hundestaffel solle die Waggons erneut durchsuchen.

Die Regionalregierung bestätigte zunächst 68 Todesopfer. Davon saßen 44 im Iryo und 24 im AVE von Renfe. Beide Züge waren auf der Strecke von Madrid nach Sevilla unterwegs. Es ist bereits das zweite tödliche Unglück mit Hochgeschwindigkeitszügen in Spanien in diesem Jahr.

Ermittler der Guardia Civil nehmen am 29. Oktober 2026 Vermessungen nahe der Unfallstelle zwischen Urda und Los Yébenes in der spanischen Provinz Toledo vor.

Ermittler der Guardia Civil nehmen am 29. Oktober 2026 Vermessungen nahe der Unfallstelle zwischen Urda und Los Yébenes in der spanischen Provinz Toledo vor.

© Oscar del Pozo/AFP

Leitstelle erlaubte Weiterfahrt trotz stehenden Zuges

Bei der Suche nach der Ursache geht es vor allem um eine Anweisung aus der Leitstelle des Netzbetreibers Adif in Madrid. Nach Angaben von Verkehrsminister Óscar Puente hatte ein Ausfall des Zugsicherungssystems LZB zunächst mehrere Züge automatisch zum Stillstand gebracht. Anschließend erhielt der AVE die Erlaubnis zur Weiterfahrt, obwohl der Iryo vor ihm noch auf demselben Gleis stand.

Wie die spanische Nachrichtenagentur EFE unter Berufung auf Puente berichtet, fiel das System gegen 8.30 Uhr aus. Um 8.36 Uhr wurde dem AVE die Weiterfahrt erlaubt. Der Zug legte danach rund 25 Kilometer zurück, bevor er um 8.53 Uhr auf den Iryo auffuhr. Puente bezeichnete die Entscheidung der Leitstelle als „unerklärlich“.

Die genaue Ursache und die Verantwortung für den Zusammenstoß sind noch nicht abschließend geklärt. Die Lokführergewerkschaft SEMAF warnte davor, vorzeitig Schlüsse zu ziehen. Zunächst müsse genau bekannt sein, was geschehen sei.

Lokführer halten an Streik für mehr Sicherheit fest

Die Gewerkschaft hielt zugleich an ihrem bereits vor dem Unglück geplanten Streik am Donnerstag fest. In ihrer Stellungnahme fordert SEMAF strukturelle Verbesserungen bei der Bahnsicherheit und die Einhaltung entsprechender Zusagen. Weitere Aktionen würden geprüft. Die Lokführer rief die Gewerkschaft auf, bei ihrer Arbeit besonders vorsichtig zu sein.

Das Unglück ist laut Reuters das tödlichste auf Europas Schienen seit der Entgleisung eines Zuges bei Santiago de Compostela 2013. Bereits im Januar waren in Adamuz in Südspanien Züge derselben beiden Unternehmen auf der gleichen Verbindung in ein tödliches Unglück verwickelt.

Drei Tage Staatstrauer und gesperrte Strecke

Die Regierung ordnete drei Tage Staatstrauer an. Nach dem im Amtsblatt BOE veröffentlichten Erlass gilt sie vom 29. bis einschließlich 31. Oktober. Regierungschef Pedro Sánchez und Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo setzten Wahlkampftermine vor der vorgezogenen Parlamentswahl am 29. November aus.

Der Schnellzugverkehr zwischen Madrid, Ciudad Real und Andalusien bleibt unterbrochen. Für Freitag kündigte das Unternehmen einen Ersatzverkehr für den Korridor Madrid–Andalusien an.

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