Nahe der berühmten Steinkreise von Stonehenge ist ein gewaltiges Bauwerk aus der Jungsteinzeit originalgetreu rekonstruiert worden. Die sieben Meter hohe Holzhalle basiert auf Spuren einer rätselhaften Struktur namens „Durrington 68“, die Archäologen bereits vor Jahrzehnten nahe der Anlage Woodhenge entdeckt hatten. Darüber berichtete der Guardian.
Das Projekt von English Heritage kostete rund eine Million Pfund und wurde mit Hilfe von mehr als 100 Freiwilligen errichtet. Besonders aufwendig: Die gesamte Konstruktion entstand ausschließlich mit nachgebauten Steinzeit-Werkzeugen. Nach Angaben der beteiligten Experimentalarchäologen wurde praktisch jeder Axtschlag dokumentiert.
Wie lebten die Menschen von Stonehenge?
Stonehenge entstand laut Wissenschaftlern vor rund 4500 Jahren in der späten Jungsteinzeit auf der heutigen Salisbury Plain im Süden Englands. Die Anlage zählt zu den bekanntesten prähistorischen Monumenten der Welt. Bis heute ist nicht vollständig geklärt, wie die tonnenschweren Steine transportiert und aufgerichtet wurden.
Archäologen gehen davon aus, dass die Erbauer keine isolierten Jägergruppen waren, sondern bereits hoch organisierte Gemeinschaften mit klaren sozialen Strukturen. Für den Bau von Stonehenge mussten vermutlich Hunderte Menschen über lange Zeit zusammenarbeiten.
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Die neu rekonstruierte Halle soll nun einen Eindruck davon vermitteln, wie diese Gemeinschaften gelebt haben könnten. In der Umgebung der ursprünglichen Fundstelle entdeckten Forscher Tierknochen und Keramikreste. Das deutet auf große gemeinsame Feste und rituelle Zusammenkünfte hin.
Einige Wissenschaftler vermuten, dass die Halle bei Winterfeiern genutzt wurde. Wie auch Stonehenge selbst ist das Gebäude exakt auf die Wintersonnenwende ausgerichtet. Wenn die Sonne im Dezember tief steht, fällt ihr Licht direkt durch den Eingang in das Innere der Konstruktion.
Rätsel um mysteriöse Holzhalle
Wofür die ursprüngliche Halle tatsächlich genutzt wurde, bleibt jedoch unklar. Weil Jahrhunderte landwirtschaftlicher Nutzung den Boden stark beschädigten, fehlen entscheidende Spuren wie Feuerstellen oder komplette Fußböden. Die Forscher diskutieren deshalb mehrere Möglichkeiten: Denkbar sei ein zeremonieller Versammlungsort, ein Lagergebäude oder auch eine Art Gemeinschaftshaus für Arbeiter und Reisende gewesen. Manche Archäologen bezweifeln sogar bis heute, dass die Pfostenlöcher überhaupt ein vollständig überdachtes Gebäude trugen.
Der Experimentalarchäologe Luke Winter erklärte dem Guardian jedoch, ihn habe gerade der Wiederaufbau überzeugt. Anfangs sei er skeptisch gewesen, ob die Konstruktion überhaupt ein Dach gehabt habe. „Jetzt bin ich zu 75 Prozent sicher, dass es ein echtes Gebäude war“, sagte er.
„Die Menschen wollten etwas Gemeinsames schaffen“
Die Rekonstruktion soll künftig auch Schulklassen offenstehen. Besucher sollen dort erleben können, wie Menschen der Jungsteinzeit kochten, Keramik herstellten oder gemeinsam am Feuer saßen.
Für die Stonehenge-Kuratoren geht es dabei um mehr als Archäologie. Die Monumente seien Ausdruck einer Gesellschaft gewesen, die Gemeinschaft und Zusammenhalt gesucht habe. Nicht Individualismus habe im Mittelpunkt gestanden, sondern das gemeinsame Schaffen von etwas Größerem.
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