Ölversorgung

Schiff in Straße von Hormus getroffen – Sorge vor weltweitem Ölschock

Die saudische Ost-West-Pipeline ist nach mehreren Angriffen vorerst geschlossen. Nun erhöht ein weiterer Treffer den Druck auf zentrale Transportwege für Öl und Gas.

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Handelsschiffe warten vor Bandar Abbas in der Straße von Hormus. Nach Angaben der Bildagentur meiden viele Schiffe wegen der militärischen Eskalation die Weiterfahrt.

Handelsschiffe warten vor Bandar Abbas in der Straße von Hormus. Nach Angaben der Bildagentur meiden viele Schiffe wegen der militärischen Eskalation die Weiterfahrt.

© Fatemeh Bahrami/imago

Ein Schiff ist am Sonntag in der Straße von Hormus von einem Geschoss getroffen worden. Die britische Seefahrtsstelle UKMTO teilte mit, sie habe den Bericht über den Angriff erhalten. Zur Identität des Schiffes, den Schäden und dem Zustand der Besatzung machte die Behörde zunächst keine Angaben.

Unabhängig davon berichteten iranische Staatsmedien über einen Angriff auf ein iranisches Handelsschiff vor der Insel Qeschm. Ein Mitglied der zehnköpfigen Besatzung sei getötet worden, mehrere weitere seien verletzt worden, meldet AP unter Berufung auf die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA.

Ob sich die iranischen Angaben und die Meldung der UKMTO auf denselben Vorfall beziehen, ist bislang nicht geklärt. Auch die Herkunft des Geschosses ist unbekannt. Der Gouverneur von Qeschm machte einen „terroristischen Feind“ verantwortlich, legte dafür jedoch keine Belege vor.

Drei wichtige Energierouten geraten unter Druck

Der Angriff verschärft die Sorgen um die weltweite Energieversorgung. Vor Beginn des Krieges gegen den Iran Ende Februar wurde durch die Straße von Hormus rund ein Fünftel des weltweit verbrauchten Öls transportiert. Seit den gemeinsamen Angriffen Israels und der USA auf den Iran ist die Meerenge für die Handelsschifffahrt weitgehend blockiert.

Die neue Attacke folgt auf mehrere Angriffe auf die saudische Ost-West-Pipeline. Nach Angaben des saudischen Energieministeriums wurde die rund 1200 Kilometer lange Leitung in den Regionen Riad und Medina getroffen. Dabei seien Menschen verletzt worden. Die Pipeline wurde vorsorglich abgeschaltet, während Fachleute die Schäden untersuchen.

Riad und Bagdad erklärten nach Angaben von Reuters, die eingesetzten Drohnen seien aus dem Irak gekommen. Dort sind mehrere mit dem Iran verbündete Milizen aktiv. Wer den Angriff angeordnet hat, ist nicht bekannt. Bislang bekannte sich keine Gruppe dazu.

Die Ost-West-Pipeline führt vom Persischen Golf quer durch Saudi-Arabien zum Roten Meer. Zuletzt wurden durch sie täglich vier bis fünf Millionen Barrel Rohöl transportiert. Das entspricht etwa vier bis fünf Prozent des weltweiten Angebots. Seit der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus war die Leitung die wichtigste Ausweichroute für saudische Ölexporte.

Die Auswirkungen auf die Liefermengen sind noch nicht beziffert. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg in dieser Woche wieder über 100 US-Dollar.

Huthis rücken am Zugang zum Roten Meer vor

Auch am Bab al-Mandab, der Meerenge zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden, wächst das Risiko für Handelsschiffe. Vier Vertreter der international anerkannten jemenitischen Regierung sagten Reuters, die mit dem Iran verbündeten Huthis hätten die strategisch gelegene Insel Perim eingenommen.

Die Insel teilt den Bab al-Mandab in zwei Fahrrinnen. Über diese Route erreichen Schiffe durch das Rote Meer und den Suezkanal Europa. Eine unabhängige Bestätigung für die vollständige Einnahme der Insel liegt bislang nicht vor.

Die Huthis griffen zuletzt zudem Ziele im Süden Saudi-Arabiens an. In der Region Dschasan wurden nach Angaben des saudischen Zivilschutzes zwei Menschen verletzt und mehrere Gebäude beschädigt.

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Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman bat US-Präsident Donald Trump nach Angaben von drei mit dem Gespräch vertrauten Reuters-Quellen um militärische Hilfe gegen die Huthis. Washington habe vorerst keine direkte Beteiligung zugesagt, wolle Riad aber mit Geheimdienstinformationen unterstützen. Trump bestätigte das Gespräch, äußerte sich jedoch nicht zu den Einzelheiten der Bitte.

Der Iran stellt Bedingungen für Öffnung von Hormus

Am Montag sollen Vertreter des Irans und mehrerer arabischer Golfstaaten im Oman über die Zukunft der Straße von Hormus beraten. Ein hochrangiger iranischer Vertreter dämpfte gegenüber Reuters bereits die Erwartungen. Eine unterzeichnete Vereinbarung werde bei dem Treffen voraussichtlich nicht zustande kommen.

Nach einem Bericht der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim will der Iran die Meerenge erst vollständig öffnen, wenn die USA sieben Bedingungen erfüllen. Welche Forderungen damit genau gemeint sind, wurde nicht mitgeteilt.

Teheran verlangt unter anderem die Anerkennung seiner Kontrolle über die Straße von Hormus und das Recht, Gebühren von passierenden Schiffen zu erheben. Washington lehnt dies ab. Der iranische Präsident Massud Peseschkian erklärte zudem, die Meerenge werde erst wieder geöffnet, wenn die USA ihre Blockade iranischer Häfen beenden.

Damit stehen drei zentrale Wege für den internationalen Energiehandel gleichzeitig unter Druck: die Straße von Hormus, die saudische Ost-West-Pipeline und die Zufahrt zum Roten Meer durch den Bab al-Mandab.

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