Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist am Mittwoch erneut eingebrochen. Nur zwei Schiffe durchquerten die Meerenge, wie von der Nachrichtenagentur Reuters ausgewertete Daten des Analyseunternehmens Kpler zeigen. Am Dienstag waren noch acht Passagen registriert worden.
Vor Beginn des Iran-Krieges passierten täglich normalerweise rund 130 bis 140 Schiffe die Straße von Hormus. Seit die USA und Israel am 28. Februar den Iran angriffen und Teheran die Meerenge schloss, liegt der Verkehr weit unter dem früheren Niveau. Vor dem Krieg wurden rund 20 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen durch die Route transportiert.
Straße von Hormus: Iran soll Zufahrt zum Persischen Golf kontrollieren
Warum der Ölpreis trotz des Einbruchs nur leicht steigt
Der nahezu zum Erliegen gekommene Schiffsverkehr löste an den Ölmärkten bislang keinen neuen Preissprung aus. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verteuerte sich am Donnerstagmorgen um 0,58 Prozent auf 79,91 US-Dollar. Der Preis für US-Öl der Sorte West Texas Intermediate stieg um 0,48 Prozent auf 75,58 US-Dollar.
Die Händler wägen derzeit zwei gegenläufige Entwicklungen ab. Die wenigen Schiffspassagen und die von den Huthis gemeldeten Angriffe auf saudische Öltanker verschärfen die Sorge vor weiteren Lieferausfällen. Zugleich nähren die Verhandlungen zwischen dem Iran und Oman die Hoffnung, dass die Straße von Hormus zumindest teilweise wieder geöffnet werden könnte. Der Markt bewertet den aktuellen Engpass damit offenbar noch als möglicherweise vorübergehend.
Nur zwei Schiffe statt bis zu 140 in der Straße von Hormus
Bei einem der beiden am Mittwoch erfassten Schiffe handelte es sich um einen mit Kohle beladenen Frachter unter der Flagge Panamas. Er fuhr in den Persischen Golf ein. Ein weiteres Frachtschiff unter der Flagge der Marshallinseln verließ die Meerenge.
Die Daten bilden den Verkehr allerdings nicht vollständig ab. Einige Schiffe fahren mit abgeschalteten Ortungssystemen und tauchen deshalb nicht in den Auswertungen auf. Der Rückgang von acht auf zwei sichtbare Passagen zeigt dennoch, dass Reedereien die Route trotz der laufenden Verhandlungen weiterhin weitgehend meiden.
Auch Verkehr am Bab al-Mandab bricht ein
Noch abrupter fiel der Rückgang am Bab al-Mandab aus, dem Zugang vom Golf von Aden zum Roten Meer. Kpler registrierte dort am Mittwoch nur ein einziges Schiff. Am Vortag hatten noch 20 Frachter und Tanker die Meerenge passiert.
Das einzige erfasste Schiff war ein unter der Flagge der Bahamas fahrender Massengutfrachter. Damit steht neben der Straße von Hormus auch die zweite für den Energiehandel der Golfstaaten wichtige Seeroute erheblich unter Druck.
Huthis melden Angriffe auf zwei saudische Öltanker
Zuvor hatten die mit dem Iran verbündeten Huthis erklärt, zwei saudische Öltanker mit Raketen angegriffen zu haben. Ein Angriff soll sich vor der saudischen Hafenstadt Yanbu am Roten Meer ereignet haben, der andere im Golf von Aden.
Saudi-Arabien bestätigte die Angaben zunächst nicht. Auch unabhängige Belege für Treffer oder Schäden lagen nicht vor. Die Huthis haben seit dem vergangenen Monat eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien ausgerufen. Sie begründen diese mit einer angeblichen saudischen Blockade des Jemen. Riad weist den Vorwurf zurück.
Die Drohungen hatten bereits zuvor Auswirkungen auf die Routenplanung. Mehrere saudische Supertanker änderten Anfang der Woche im Golf von Aden ihren Kurs und wichen in Richtung südliches Afrika aus. Die Fahrt um das Kap der Guten Hoffnung ist deutlich länger und erhöht die Transport- und Versicherungskosten.
Hormus-Verhandlungen bringen noch keinen Durchbruch auf See
Der Iran und Oman hatten sich nach iranischen Angaben auf die geografischen Koordinaten einer Route durch die Straße von Hormus verständigt. Eine gemeinsame Erklärung werde vorbereitet. Ein Reuters vorliegender Entwurf soll Teheran die Kontrolle über Schiffe geben, die in den Persischen Golf einlaufen.
Eine Zustimmung der USA liegt bislang nicht vor. Auch Befugnisse bei auslaufenden Schiffen und mögliche Gebühren sind noch ungeklärt. Die jüngsten Verkehrsdaten zeigen, dass die diplomatischen Fortschritte bislang nicht zu einer spürbaren Rückkehr der Schiffe geführt haben.
Straße von Hormus: Iran und Oman einigen sich auf neue Route – Teheran
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]