Das Straßennetz in Sachsen-Anhalt steht unter Druck. Etliche Strecken befinden sich in einem Zustand, der Maßnahmen erforderlich macht. In fünf Regionen schrillen bereits die Alarmglocken: Hier ist Eile geboten. Unterstützend wirkt dabei das Sondervermögen des Bundes – auch wenn es bei Weitem nicht alle Asphaltwunden zu heilen vermag.
„Ein Teil des Straßennetzes befindet sich in einem Zustand, der mittelfristig Maßnahmen erfordert“, so Peter Mennicke, Pressesprecher des Ministeriums für Infrastruktur in Sachsen Anhalt. Darüber hinaus gebe es jedoch auch Regionen, die „höhere Erhaltungsbedarfe“ aufwiesen. „Etwa in Teilen der Altmark, im südlichen Landesteil (Mansfeld-Südharz, Saalekreis, Burgenlandkreis) sowie im Jerichower Land und im Raum Anhalt-Bitterfeld“, so der Sprecher weiter.
Konkret beziehe sich das auf Abschnitte der B 71 in der Altmark. Als Beispiel nennt Mennicke die Arbeiten an der Jeetze-Brücke bei Salzwedel „sowie einzelne größere Ingenieurbauwerke wie die Elbebrücke der B 189 zwischen Geestgottberg und Wittenberge“. Darüber hinaus richte das Land den Fokus künftig auf die Hauptverkehrsadern.
Verkehrsadern in Sachsen-Anhalt auf dem Prüfstand
So betrifft das die Nord-Süd-Routen wie die B 81 in den Harz, die B 91 in der Chemieregion Leuna und die altmärkische B 189. Auch wichtige Ost-West-Verbindungen wie die B 188 bei Stendal oder die B 187 entlang der Elbe stehen demnach auf dem Werkstattplan des Landes. Das betrifft auch die B 246a im Magdeburger Umland bis hin zu kleineren Landesstraßen wie der L 123, L 159 und L 183. Das alles erfolge laut Ministerium nach weiteren Untersuchungen und der Abstimmung aller Beteiligten.
Das Ministerium will sich dabei aber nicht auf diese Fälle festlegen. „Neben den genannten Beispielen ist grundsätzlich entlang aller stark befahrenen Bundes- und Landesstraßen auch künftig mit Bau- und Erhaltungsmaßnahmen zu rechnen.“ Hilfreich ist dabei auch das Sondervermögen, das der Bund aufgesetzt hat. Von insgesamt 2,61 Milliarden Euro, die in den Landesetat Sachsen-Anhalts fließen, sind nach offiziellen Angaben 280 Millionen dem Verkehrsministerium vorbehalten. Das Ziel: Die Modernisierung der Verkehrswege, teilweise sogar eine spezielle Förderung für die Sanierung maroder Landesstraßen.
Langes Warten hat ein Ende
In der jüngsten Legislatur war damit besonders Verkehrsministerin Lydia Hüskens (FDP) betraut. Im Salzlandkreis, wo beispielsweise die grundhafte Erneuerung der Ortsdurchfahrt in Calbe (Saale) angepackt wurde, flossen knapp fünf Millionen aus dem Sondertopf in den Asphalt. „Wir wollen, dass das verfügbare Geld so schnell wie möglich buchstäblich auf die Straße kommt“, sagte die Ministerin beim symbolischen 1. Spatenstich in der Saalestadt. „Besonders durch zügige und vor allem zielgerichtete Investitionen in die Ertüchtigung unserer stark sanierungsbedürftigen Straßen, Brücken und Radwege spüren die Menschen die beabsichtigte Wirkung des Sondervermögens direkt vor der eigenen Haustür“, fügte sie hinzu.
„Für uns startet mit dem heutigen Baubeginn eine lang ersehnte und dringend notwendige Sanierung dieser wichtigen Verkehrsader durch die Saalestadt. Zehn Jahre Vorbereitung, verbunden mit zahlreichen Terminen und Absprache zu allen Details finden ihren vorläufigen Höhepunkt“, sagte damals Calbes Bürgermeister Sven Hause und sprach damit wohl vielen Gemeinden und Ortsvorstehern im Land aus dem Herzen. Doch wie in Calbe erhielten auch andere Landesteile in der jüngsten Zeit eine notwendige Kur.
Bau- und Sanierungsvorhaben umgesetzt
„In den vergangenen Jahren wurden mehrere stark beanspruchte Straßenabschnitte grundhaft erneuert. Ein Beispiel ist die Ortsdurchfahrt Köthen im Zuge der Landesstraße L 73, die nach rund sechsjähriger Bauzeit erst kürzlich wieder für den Verkehr freigegeben werden konnte“, so Sprecher Peter Mennicke auf OAZ-Anfrage. Auch im Salzlandkreis seien mit Landesmitteln stark beanspruchte Abschnitte erneuert worden, etwa zwischen Löbnitz und Förderstedt sowie an den Knotenpunkten der L 50 mit der Bundesstraße B 246a bei Welsleben.
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Nicht nur für gute Laune sorgte beispielsweise die Sanierung der B1 – durch Gerwisch, Möser und Heyrothsberge im Jerichower Land. Denn was mit dringenden Maßnahmen auch immer verbunden ist, sind Baustellen, die den lokalen Händlern die Lebensgrundlage streitig machen können. Zumindest für eine gewisse Zeit. So bleibt der Straßenbau und vor allem die Instandhaltung des Verkehrsnetzes immer ein Balanceakt, der versuchen muss, alle Beteiligten, Wünsche und Anliegen unter ein Dach zu bekommen. Ob das in Zukunft gelingt, bleibt vorerst abzuwarten. Hautnah können es derzeit beispielsweise die Anwohner in Möckern (Jerichower Land) erleben. Dort wird in diesem und auch im nächsten Jahr die B 246a saniert.
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