BERLIN. Weil in diesem Jahr mehr denn je nach der Wahl auch vor der Wahl ist, hält die Linke einfach an ihrem Ziel fest. Auch für den Bundestag Ende September wolle die Partei über zehn Prozent der Stimmen bekommen, bekräftigte er Bundesvorsitzende Oskar Lafontaine gestern in Berlin. Dass es mit diesem Vorhaben bei der Europawahl am Sonntag nicht geklappt hat, versuchte die Linken-Spitze gestern schnell abzuhaken. Und sie bemühte sich, externe Faktoren für das unbefriedigende Ergebnis verantwortlich zu machen.Die Linke habe "ganz klar Mobilisierungsprobleme" gehabt, so Lafontaine, weil Geringverdiener sich von der EU keine Besserung ihrer Lage erhofften. Zur Wahl seien "die gebildeteren Schichten und die Besserverdienenden" gegangen. Daher sei seine Partei unter den Erwartungen geblieben. Die geringe Wahlbeteiligung sei auch "ein Problem für die gesamte Demokratie". Ko-Parteichef Lothar Bisky, der nun ins EU-Parlament einzieht, rief die Genossen abermals zur Einheit auf: "Wenn eine Partei sich streitet, wird sie zu Recht dafür betraft."Linke-Wahlleiter Dietmar Bartsch hofft für die Bundestagswahl, dass die Partei bei Rentnern und Arbeitnehmern zulegen kann. Bei den Ruheständlern erreichte sie am Sonntag nur neun Prozent, bei den Beschäftigten zehn Prozent - nicht mehr als die FDP. Besonders auffällig an der Detailanalyse ist indes, dass der Linken die traditionellen PDS-Wähler abhanden kommen. In allen neuen Ländern außer Mecklenburg-Vorpommern büßte sie gegenüber der Europawahl 2004 an absoluten Stimmen ein, zum Teil zweistellig. Vor allem bei Jüngeren im Osten findet sie wenig Anklang.
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