ARD-Sendung

„Jetzt kommen Nichtwähler zurück und wählen AfD“: Debatte über MV-Wahl bei „Maybrit Illner“

Bei „Maybrit Illner“ wird über die Konsequenzen der letzten Landtagswahlen diskutiert. Auch die Rolle der AfD und der Brandmauer ist Thema.

3 Min
Sigmar Gabriel, früherer Außenminister, war bei „Maybrit Illner“ zu Gast.

Sigmar Gabriel, früherer Außenminister, war bei „Maybrit Illner“ zu Gast.

© Uwe Koch/imago

In der Polit-Talkshow „Maybrit Illner“ ging es am Montagabend über die Konsequenzen der letzten Wahlen für die Bundesregierung. Die CDU erlitt dabei in Mecklenburg-Vorpommern eine historische Niederlage und scheidet erstmals aus einem Landtag aus.

„Regieren ist Mist, heutzutage,“ sagte der Politikwissenschaftler Christian Stecker. Anlass der Sendung waren die jüngsten Landtagswahlen, nach denen Kritik auf CDU und SPD einprasselt. Parteien versprächen im Wahlkampf viel, kämen an die Macht und scheiterten dann an der Regierungsverantwortung, so Stecker.

Frei fordert Reformen – und will zugleich nachbessern

Hinter dem Wort „Reformen“ verberge sich in Wahrheit, dass CDU und SPD in unterschiedliche Richtungen zögen. Dahinter steht für Stecker ein größeres Problem: Die Fähigkeit zum Kompromiss schwinde. „Daran ist die Ampel zerbrochen“, sagte er. Zudem ließen sich viele Probleme nicht mehr durch zusätzliche Ausgaben lösen.

Für Frei waren die drei jüngsten Landtagswahlen „mehr als eine Zäsur“. Reformen für Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftswachstum, so der Unionsfraktionschef, „die brauchen wir“.

Zugleich räumte er Ängste in der Bevölkerung ein: „Da müssen wir genauer hinschauen, ob wir da nicht an der einen oder anderen Stelle nachbessern müssen.“ Die Absprachen zu Steuern, Arbeitsmarkt, Rente, Sozialsystem und Bürokratieabbau seien jedoch sorgfältig ausbalanciert. Man müsse die Fähigkeit zum Kompromiss bewahren.

Stecker wirbt für wechselnde Mehrheiten – auch mit der AfD

Diesseits der sogenannten Brandmauer würden die Mehrheiten gegen die AfD immer knapper, warnte Stecker. Die anderen Parteien rieben sich beim Dauerregieren zunehmend auf.

Sein Vorschlag: sich vom „Koalitionszwang“ zu lösen und stattdessen wechselnde, inhaltliche Mehrheiten zu suchen – ausdrücklich auch mit der AfD.

Frei hielt entschieden dagegen. „Eine Minderheitsregierung wird in Deutschland nicht funktionieren“, sagte er. Wechselnde Mehrheiten brächten umgehend Konfrontation ins Parlament: „Anschließend würde uns die AfD am Nasenring durch die Manege führen.“

Schwesig, Mecklenburg-Vorpommern und die Rolle der SPD

In Mecklenburg-Vorpommern lief es für die SPD anders. Gabriel attestierte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig einen kämpferischen Wahlkampf mit einem „Super-Spruch“.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Stecker sah das kritisch: „Die Frau gegen Blau“ sei „keine Rückgewinnungsstrategie für Wähler der AfD“. Man sei damit eher „Kannibale, wenn man so will, im Anti-AfD-Lager“.

Im Landtag sitzen nur vier Parteien: die AfD als stärkste Kraft, dann SPD, Linke und Grüne. Die CDU verpasste erstmals in ihrer Geschichte den Einzug – eine historische Niederlage, die den Druck auf Merz erhöht. Schwesig setzt nun auf Rot-Rot-Grün.

Über den Tag hinaus erkennt Gabriel ein grundsätzliches Problem. In den Wahlergebnissen sieht er Anzeichen einer „veritablen Krise der Demokratie“. Weiter sagte er: „Jetzt kommen Nichtwähler zurück und wählen AfD.“

Auch die Brandmauer hält er für gescheitert: Bei 20, 30 oder 40 Prozent gebe es keine mehr. „Augen zu und durch ist vielleicht kein besonders guter Ratschlag“, warnte er seine Partei.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner