Mecklenburg-Vorpommern will die gescheiterten Pläne für eine Gleichstromleitung durch die Ostsee nach Schweden neu aufrollen. Der Landtag in Schwerin forderte die Bundesregierung und die EU auf, zu prüfen, wie das Projekt „Hansa PowerBridge“ zwischen Südschweden und dem Raum Güstrow doch noch verwirklicht werden kann. Berlin solle dazu auch Gespräche mit Schweden und Norwegen aufnehmen, so der Beschluss des Landtags. Die skandinavischen Länder verfügten über große, flexibel einsetzbare Wasserkraftkapazitäten, die als natürlicher Speicher fungieren und wetterbedingte Schwankungen von Wind- und Solarenergie ausgleichen könnten, hieß es zur Begründung aus Schwerin.
Die Gleichstromleitung am Meeresgrund war ursprünglich als 700-Megawatt-Verbindung geplant und sollte überschüssigen Windstrom aus Norddeutschland in Spitzenzeiten nach Südschweden leiten. Im Gegenzug sollte Strom aus schwedischer Wasserkraft nach Deutschland fließen, wenn er hier gebraucht wird. Das Investitionsvolumen von rund 600 Millionen Euro sollte je zur Hälfte vom deutschen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz und dem schwedischen Pendant Svenska Kraftnät getragen werden.
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Im Juni 2024 hatte die schwedische Regierung das Vorhaben jedoch überraschend gestoppt. Energieministerin Ebba Busch begründete die Absage damals mit grundsätzlicher Kritik am deutschen Strommarkt: „Wir können Südschweden, das ein großes Defizit in der Stromproduktion hat, nicht mit Deutschland verbinden, wo der Strommarkt heute nicht effizient funktioniert“, erklärte sie. Eine Verbindung berge die Gefahr höherer Preise und eines instabilen Strommarktes in Schweden.
Annäherung zeichnet sich ab
Im Kern störte sich Stockholm daran, dass der deutsche Strommarkt – anders als der skandinavische – nicht in verschiedene Preiszonen aufgeteilt ist. Dadurch seien die Preisbildung und der Stromtransport von Norden nach Süden für ausländische Handelspartner schwer kalkulierbar. 50Hertz sprach damals von einer verpassten Chance zur Stärkung des europäischen Binnenstrommarktes.
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Inzwischen zeichnet sich allerdings eine Annäherung ab. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar 2026 stellte Energieministerin Busch eine mögliche Wiederbelebung des Projekts in Aussicht. „Es gibt Wege, wieder über Hansa PowerBridge zu sprechen“, sagte sie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Zugleich erneuerte sie ihre Kritik an der bisherigen deutschen Energiepolitik: „In den vergangenen Jahren war die Energiepolitik ideologiegetrieben. Es gab den Glauben, dass politische Rhetorik über den Gesetzen der Physik stehe.“ Über die aktuelle Ausrichtung zeigte sie sich hingegen deutlich zufriedener: „Jetzt bin ich viel glücklicher über die deutsche Energiepolitik.“
Für eine Fortsetzung knüpft Schweden das Projekt an Bedingungen: Deutschland müsse mehr Grundlaststrom ermöglichen, also eine zuverlässige, kontinuierliche Stromversorgung sicherstellen. Zudem wünscht sich die schwedische Regierung, dass Deutschland sein einheitliches Strompreissystem aufgibt und regionale Preiszonen einführt.
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