Archäologie

Hofstaat für das Jenseits: Schädelfunde belegen Menschenopfer an Ägyptens frühen Königsgräbern

Forensische Untersuchungen an Schädeln aus Abydos zeigen tödliche Kopfverletzungen. Die Funde stützen die alte These ritueller Tötungen an den Gräbern ägyptischer Herrscher.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Die Osiris-Halle im Tempel Sethos’ I. in Abydo

Die Osiris-Halle im Tempel Sethos’ I. in Abydo

© Alexander Pöschel/imago

An den Gräbern der ersten ägyptischen Könige wurden offenbar Angehörige des Hofstaats getötet und mitbestattet. Zu diesem Schluss kommt eine am Montag im Fachjournal Frontiers in Environmental Archaeology veröffentlichte Studie.

Die US-Archäologin Roselyn Campbell von der Purdue University untersuchte dafür 46 rund 5000 Jahre alte Schädel aus Nebengräbern der Königsnekropole von Abydos in Südägypten. Bei 18 Schädeln fand sie Verletzungen, die zur Todeszeit entstanden sein müssen und vermutlich tödlich waren.

Alte Vermutung, neue Belege

Die Nebengräber hatte der britische Ausgräber Flinders Petrie in den 1920er Jahren freigelegt. Schon damals vermutete er, dass die oft Dutzende oder Hunderte gleichzeitig verschlossenen Gräber auf ein sogenanntes Gefolgschaftsopfer hindeuten: Beim Tod eines Herrschers sollen Mitglieder des Hofstaats getötet worden sein, um ihm im Jenseits zu dienen. Verletzungsspuren an den Knochen fand Petrie damals jedoch nicht. Deshalb blieb die These über Jahrzehnte in der Fachwelt umstritten.

Campbell wertete die in der Duckworth-Sammlung der Universität Cambridge erhaltenen Schädel mit heutigen rechtsmedizinischen Methoden neu aus. Nach ihren Angaben handelt es sich bei den gefundenen Verletzungen überwiegend um gerade verlaufende Brüche des Schädeldachs.

Solche Frakturen führten in der Regel rasch zu Bewusstlosigkeit, inneren Blutungen und zum Tod, erklärte die Forscherin. An einzelnen Schädeln seien zusätzlich Spuren scharfer Gewalt nachweisbar, darunter eine Hiebverletzung im Augenbereich.

Petrie dürfte die Spuren übersehen haben

Petrie seien die Frakturen vermutlich aufgefallen, er habe sie aber als nachträgliche Beschädigungen fehlgedeutet, heißt es in der Studie. Fortschritte in der Analyse von Verletzungsmustern erlaubten heute eine andere Einordnung.

Offen bleibt, wie die Betroffenen zu Tode kamen. Die bekannten Darstellungen ägyptischer Könige, die Feinde mit einer Keule erschlagen, passen laut Campbell nicht zu den Befunden: Eine Keule hätte eingedrückte Brüche hinterlassen. Die geraden Frakturen deuteten eher auf einen flachen, breiten Gegenstand hin.

Was mit den übrigen 28 untersuchten Personen geschah, lässt sich den Angaben zufolge nicht klären. Einige könnten eines natürlichen Todes gestorben sein, andere auf eine Weise getötet worden sein, die am Skelett keine Spuren hinterlässt, etwa durch Ersticken.

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Die Nebengräber umgeben die Königsgräber der ersten Dynastie, die nach gängiger Datierung um 3078 bis 2900 vor Christus regierte. Das ist mehr als 500 Jahre vor dem Bau der Großen Pyramide von Gizeh. Bestattet wurden dort nach bisheriger Forschung Hofbeamte und Handwerker.

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