Schimpansen in afrikanischen Regenwäldern nehmen regelmäßig Alkohol über ihre Nahrung auf. Forscher der University of California, Berkeley, haben nun erstmals genauer untersucht, wie viel Ethanol die Tiere tatsächlich konsumieren. Die Ergebnisse erschienen kürzlich in der Fachzeitschrift Science Advances.
Die Forscher analysierten demnach etwa 20 Fruchtarten aus zwei bedeutenden Langzeit-Feldstationen in Uganda und der Elfenbeinküste. Zudem sammelten sie beispielsweise Früchte, wie etwa Feigen, unter Bäumen ein, an denen Schimpansen kurz zuvor gefressen hatten. Anschließend wurden die Proben eingefroren und ihr Alkoholgehalt untersucht.
Schimpansen nahmen etwa 14 Gramm Ethanol auf
Im Durchschnitt enthielten die Früchte laut dem Wissenschaftsnachrichtenportal Science Daily 0,26 Prozent Alkohol. Anschließend analysierten die Forschenden, wie häufig jede Fruchtart tatsächlich gefressen wurde. Auf Grundlage dieser Gewichtung ergab sich ein durchschnittlicher Alkoholgehalt der täglich verzehrten Früchte von rund 0,3 Prozent – genug, um bei einer täglichen Aufnahme von etwa 4,5 Kilogramm Obst eine relevante Ethanolmenge für die Schimpansen zu liefern.
Die Ethanolaufnahme eines Schimpansen entsprach somit etwa der Alkoholmenge einer 0,33l-Flasche Bier (bei einem Alkoholgehalt von 5 Prozent). Da Schimpansen im Durchschnitt jedoch weniger wiegen als Menschen, fällt die Alkoholmenge pro Kilogramm Körpergewicht bei ihnen deutlich höher aus.
Konsumierten bereits unsere Vorfahren Ethanol?
Trotz des regelmäßigen Alkoholkonsums zeigten die Tiere keine Anzeichen von Trunkenheit. Laut den Forschenden müsste ein Schimpanse so viel fermentierte Nahrung essen, dass sein Magen schmerzhaft überdehnt wäre, um betrunken zu wirken. Stattdessen deutet alles auf eine konstante, niedrige Alkoholzufuhr hin – ein Hinweis darauf, dass möglicherweise schon der gemeinsame Vorfahre von Mensch und Schimpanse täglich Ethanol aus fermentiertem Obst aufnahm.
Die Ergebnisse liefern neue Unterstützung für die sogenannte „drunken monkey“-Hypothese, wonach die menschliche Vorliebe für Alkohol tief in der Evolution verankert sein könnte. Einige frühere Untersuchungen hatten bereits nahegelegt, dass viele Primaten – und sogar einige Vogelarten – gezielt fermentierte Nahrung auswählen, möglicherweise weil der Geruch von Ethanol besonders energiereiche Lebensmittel signalisiert.
Die Studie eröffnet neue Forschungswege: Künftig wollen die Teams in Afrika genauer untersuchen, ob Schimpansen fermentierte Früchte aktiv bevorzugen. Erste Folgeprojekte beinhalten die Sammlung von Urinproben wilder Tiere sowie weitere Beobachtungen der Nahrungssuche von Schimpansen.
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