Der suspendierte Oberbürgermeister von Freiberg, Philipp Preißler (Freie Wähler), hat sein wochenlanges Schweigen gebrochen. Zurückgemeldet hat er sich auf Instagram. Dort äußert er sich zur aufgeheizten Stimmung vor der Stadtratssitzung an diesem Donnerstag.
Auf der Tagesordnung steht die Abwahl seines Vize-Oberbürgermeisters Steve Ittershagen (CDU). Preißler selbst darf sein Amt seit einem Polizeieinsatz in einem Leipziger Hotel nicht mehr ausüben. In dem Beitrag fordert er eine sachliche Aufarbeitung – und beklagt den Umgangston der vergangenen Monate.
Was Philipp Preißler auf Instagram schreibt
Preißler empfindet den Ton der vergangenen Monate als belastend. „Den öffentlichen Umgang miteinander habe ich in den vergangenen Monaten als deutlich zugespitzt und belastend erlebt“, schreibt er in dem Beitrag.
Er habe den Eindruck gehabt, „dass die Auseinandersetzung stellenweise über politische und sachliche Kritik hinausging“. Konkret verlangt er „eine sachliche Aufarbeitung der Vorgänge, klare Informationen und ein respektvoller Umgang miteinander“. Es ist seine erste öffentliche Wortmeldung, seit er sein Amt nicht mehr ausüben darf.
Worum es bei der Stadtratssitzung in Freiberg geht
Anlass ist die Sitzung an diesem Donnerstag. Der Stadtrat soll darüber abstimmen, ob Vize-Oberbürgermeister Steve Ittershagen (CDU) abgewählt wird.
Im Hintergrund stehen Vorwürfe, wonach Ittershagen mit der Anfechtung der Oberbürgermeister-Wahl zu tun gehabt haben könnte. Bestätigt ist das nicht, der Streit war vor Gericht gelandet.
Durch das juristische Nachspiel verzögerte sich Preißlers Amtsantritt um Monate. Ittershagen weist die Vorwürfe zurück. „Nach meiner Kenntnis hatte die Klage konkrete Auswirkungen auf den Amtsantritt: Ich konnte mein Amt über einen Zeitraum von acht Monaten nicht antreten“, so Preißler auf Instagram.
Polizeieinsatz in Leipzig: Wie es zur Zwangsbeurlaubung kam
Kurz nach seinem Start geriet Preißler selbst in die Schlagzeilen. Nach Angaben der Polizeidirektion Leipzig soll ein 40 Jahre alter Mann in einem Hotel in der Nikolaistraße die Einrichtung demoliert und Gegenstände auf die Straße geworfen haben.
Beim Zugriff wurden laut Polizei zwei Beamte leicht verletzt. „Dabei leistete er aktiven Widerstand und verletzte zwei Polizeibeamte leicht“, teilte die Behörde mit.
Der Mann kam per Rettungswagen in eine Klinik. Dass es sich um den Oberbürgermeister handelte, bestätigte eine Sprecherin der Stadt Freiberg später der Deutschen Presse-Agentur.
Die Polizei sprach von einem „psychischen Ausnahmezustand“. Ob Alkohol oder Drogen eine Rolle spielten, ließ sie offen. Ermittelt wird wegen Sachbeschädigung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Zu diesem Vorfall äußerte sich Preißler auf Instagram jedoch nicht.
Disziplinarverfahren gegen den Oberbürgermeister
Das Landratsamt Mittelsachsen leitete ein Disziplinarverfahren ein. Der Ausgang ist offen. Das Spektrum reicht nach Angaben der Behörde von einer Einstellung über Verweis, Geldbuße und Kürzung der Dienstbezüge bis zur Entfernung aus dem Beamtenverhältnis.
Zuvor hatte Landrat Sven Krüger (parteilos) dem Oberbürgermeister untersagt, seine Dienstgeschäfte fortzuführen. „In jedem Fall sind die Vorgänge in Leipzig durch nichts zu entschuldigen“, sagte Krüger und verwies zugleich auf Hilfsangebote für Preißler. Die Amtsgeschäfte führt seither Bürgermeister Martin Seltmann (parteilos).
Preißlers langer Weg ins Freiberger Rathaus
Bei der Wahl im Oktober 2025 setzte sich Preißler erst im zweiten Wahlgang durch – mit 45,95 Prozent gegen drei Mitbewerber. Gegen das Ergebnis gab es einen Einspruch. Das Landratsamt wies ihn ab, woraufhin vor dem Verwaltungsgericht Chemnitz geklagt wurde.
Erst nach Rücknahme dieser Klage konnte Preißler das Amt am 24. Juni übernehmen. Zuvor hatte er zehn Jahre lang das Büro seines Vorgängers Sven Krüger geleitet – also jenes Landrats, der nun über sein Dienstverbot entschied.
Als hauptamtlicher Bürgermeister ist Preißler ein kommunaler Wahlbeamter. Für ihn gelten das Beamten- und das Disziplinarrecht Sachsens. Die Hürde für einen Amtsverlust liegt hoch. Zwangsweise ausscheiden muss ein Wahlbeamter erst nach einer rechtskräftigen Verurteilung zu mehr als einem Jahr Freiheitsstrafe. So weit ist der Fall bislang nicht.
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