Nach tagelanger Debatte hat sich Sven Schulze zu seinen Wahlkampf-Auftritten mit Dieter Hallervorden geäußert. Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt (CDU) meldete sich am Dienstag in einem Video auf der Plattform X zu Wort.
Anlass ist der heftige Wirbel um seine gemeinsamen Wahlkampfauftritte mit dem Schauspieler und Komiker Hallervorden. Schulze verteidigte die Entscheidung, den Auftritt stattfinden zu lassen.
CDU-Wahlkampf in Sachsen-Anhalt: Hallervorden singt für die CDU, gegen Merz und Pistorius
Dieter Hallervorden mobilisiert gegen AfD: „Das möchte ich unbedingt verhindern“
Was Sven Schulze zu Hallervorden konkret sagte
Schulze wählte klare Worte. „Diese Woche wird viel darüber gesprochen und auch geschrieben, was auf meiner Bühne gesagt werden durfte“, erklärte er im Video. Auf dieser Bühne habe ein Künstler gestanden, „der Dinge gesagt und gesungen hat, die ich für falsch halte“.
Manches gehe für ihn sogar noch weiter. Einzelne Aussagen hält der Politiker nach eigenen Worten für „grundfalsch“. Er habe Hallervorden deshalb widersprochen – und danach trotzdem mit ihm auf derselben Bühne gestanden.
Schulze wollte Hallervorden-Auftritt nicht absagen
Der Ministerpräsident formuliert die Vorwürfe offen als Fragen. „Hätte ich das verhindern sollen? Absagen, streichen, zensieren, gar nicht stattfinden lassen?“, so Schulze.
Seine Antwort verweist auf das Motto des Abends: „Kunst braucht Freiheit“. Für Schulze ist der Auftritt damit kein Widerspruch, sondern Ausdruck genau dieser Freiheit. Ein Land, in dem alle dasselbe sagen müssten, will er nach eigener Aussage nicht regieren. „Ich traue Ihnen als Bürger etwas ganz Wichtiges zu: Mündigkeit“, sagte Schulze.
Die Menschen bräuchten niemanden, der sie „vor Meinungen beschützt“, betonte er. Und weiter: „Sie können zwei Menschen streiten hören und sich eine dritte Meinung bilden“.
Kein Signal gegen die eigene Partei
Trotz aller Distanz zu einzelnen Aussagen betont Schulze, dass sein Auftritt kein parteiinterner Affront sei. „Deshalb ist das hier auch kein Zeichen gegen Berlin und kein Kontra gegen meine Partei“, sagte er. Für Aufsehen sorgte Hallervordens Auftritt unter anderem wegen seiner musikalischen Einlagen.
In einem Lied wendet er sich direkt an Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius: „Wenn ihr glaubt, dass Krieg sich lohnt, kämpft doch dort, wo keiner wohnt. Kämpft gefälligst auf dem Mond!“ Weiter sang Hallervorden: „Kriegstüchtig sollen wir sein, wie vor 90 Jahren. Zur Hölle sollen die fahren, die das von uns verlangen“.
Auf der Leinwand war zunächst der Reichstag zu sehen, dann ein SA-Aufmarsch, dem eine kurze Sequenz von Verteidigungsminister Boris Pistorius beim Truppenbesuch und in Tarnkleidung folgt und sodann Bundeskanzler Friedrich Merz beim Händeschütteln mit Bundeswehrsoldaten. Bei seinem Auftritt bezeichnete Hallervorden Pistorius als Kriegsminister.
Während seiner Gesangseinlage lief zudem ein Hintergrundvideo, in dem kurz das Foto einer Demonstration mit dem Schriftzug „Stoppt den Völkermord in Gaza“ eingeblendet wurde. Sowohl Schulze als auch die neue CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann distanzierten sich davon.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]