Eine Explosion an einer Gasleitung nahe Damaskus hat drei syrische Kraftwerke außer Betrieb gesetzt. Der Brand am Kraftwerk Tischrin sei inzwischen unter Kontrolle, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana am Donnerstag unter Berufung auf Energieminister Mohammad al-Baschir. Die Ursache werde untersucht.
Die Explosion ereignete sich am späten Mittwochabend in Ost-Ghuta im Umland der Hauptstadt. Aus syrischen Regierungskreisen erfuhr die Nachrichtenagentur AFP, dass eine Gasleitung nahe dem Kraftwerk Tischrin explodiert sei und einen Großbrand ausgelöst habe. Wegen der unterbrochenen Gasversorgung mussten auch die Kraftwerke Deir Ali und Nasiriyah abgeschaltet werden.
Gasversorgung wird schrittweise wiederhergestellt
Nach Angaben des Energieministeriums haben Techniker begonnen, einen Abschnitt der Arabischen Gaspipeline zwischen Adra und Deir Ali wieder in Betrieb zu setzen. Damit soll das Kraftwerk Deir Ali schrittweise anlaufen können. Die staatliche Ölgesellschaft erklärte laut Sana, die Explosion habe sich an einer Druckregelstation am Eingang des Kraftwerks Tischrin ereignet und zwei Gasleitungen beschädigt.
Al-Baschir warnte vor voreiligen Schlussfolgerungen zur Ursache. Erst nach Abschluss der Kühlungsarbeiten könnten Fachleute den Schaden untersuchen. Ob ein technischer Defekt, ein Angriff oder Sabotage vorliege, sei noch offen. Auch der Zustand der Turbinen und weiterer Hauptkomponenten müsse geprüft werden.
Die Elektrizitätsgesellschaft kündigte wegen des Ausfalls der drei Kraftwerke längere Stromabschaltungen an. Nach Angaben eines Vertreters des Energieministeriums gegenüber AFP waren auch Pump- und Aufbereitungsanlagen für Trinkwasser betroffen.
Unbekannte schießen auf Bus mit Beschäftigten
Bei einem weiteren Vorfall wurden am Mittwochabend in der Provinz Homs sieben Menschen getötet. In der Provinz Homs eröffneten unbekannte Täter das Feuer auf einen Bus nahe der Masjaf-Brücke, meldete Sana unter Berufung auf die örtlichen Gesundheitsbehörden. Der Bus habe zivile Arbeiter und Angestellte befördert. Nach Angaben des Sicherheitschefs von Homs waren sie auf dem Heimweg. Ermittlungen zu Tätern und Motiv wurden eingeleitet.
Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte laut AFP, sämtliche Opfer hätten der alawitischen Minderheit angehört. Diese Angabe ließ sich zunächst nicht unabhängig bestätigen. Die Organisation verfügt über ein Netzwerk von Informanten in Syrien. Auch der gestürzte Machthaber Baschar al-Assad gehört den Alawiten an, die bereits zuvor Ziel tödlicher Angriffe waren.
Ein Zusammenhang zwischen dem Vorfall und der Explosion nahe Damaskus ist bislang nicht belegt.
Zweite Pipelineexplosion innerhalb weniger Tage
Seit Assads Sturz im Dezember 2024 stehen die neuen Behörden vor erheblichen Sicherheitsproblemen. In Damaskus und anderen Landesteilen kam es wiederholt zu tödlichen Anschlägen und bewaffneten Angriffen. Besonders schwer waren die Massaker im Westen Syriens im Jahr 2025. Dabei wurden nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mehr als 1400 Menschen getötet, überwiegend Angehörige der alawitischen Minderheit.
Erst am Montag hatte eine Explosion an einer Gasleitung zwischen Al-Schula und Deir Essor im Osten Syriens einen Brand ausgelöst. Nach einem Bericht von Reuters führte die staatliche Ölgesellschaft diesen Vorfall auf Sabotage zurück. Die Gaszufuhr vom Gaswerk Jbeissa zu Kraftwerken wurde unterbrochen. Für die jüngste Explosion nahe Damaskus liegt eine solche Feststellung bislang nicht vor.
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