Die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) existieren nicht länger als unabhängige Militärmacht. Ihr Kommandeur Maslum Abdi erklärte am Dienstagabend im Präsidentenpalast in Damaskus das Ende der Mission der kurdisch dominierten Truppe. Die Entscheidung ist Teil eines seit Monaten laufenden Integrationsprozesses mit der syrischen Übergangsregierung.
Abdi sprach nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP von einem Übergang „vom Schlachtfeld zum Aufbau“ und von einer neuen Phase des Friedens. Die SDF habe ihre Aufgabe erfüllt und werde nun nicht mehr als eigenständige Militärstruktur auftreten.
Auch das Nachrichtenportal Kurdistan24 berichtet, Abdi habe die Auflösung mit Verweis auf den Beginn einer Phase des Wiederaufbaus und der Sicherung der Rechte der verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Syrien verkündet.
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Vom Kampf gegen den IS zur Staatsintegration
Die SDF war während des syrischen Bürgerkriegs zu einer der wichtigsten militärischen Kräfte im Nordosten des Landes geworden. Nach Beginn des Aufstands gegen die Regierung von Baschar al-Assad im Jahr 2011 nutzten die Kurden den Rückzug staatlicher Truppen aus Teilen des Nordostens, um eine weitgehend autonome Verwaltung mit eigenen Institutionen und Sicherheitskräften aufzubauen.
International bekannt wurde die SDF vor allem durch ihren Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Mit Unterstützung der internationalen Koalition war sie maßgeblich daran beteiligt, die territoriale Kontrolle des IS in Syrien zurückzudrängen. Zeitweise kontrollierte die SDF rund ein Viertel des Landes, wie die Washington Post berichtet.
Mit dem Sturz Assads im Dezember 2024 änderte sich die politische Ausgangslage grundlegend. Die neue Regierung unter Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa drängte auf eine stärkere staatliche Kontrolle über die bisher von den Kurden verwalteten Gebiete. Zugleich mussten die SDF und ihre politische Führung entscheiden, wie weit sie ihre bisherige Autonomie aufgeben würden.
Abkommen mit Damaskus
Im Januar vereinbarten Abdi und al-Scharaa schließlich die Integration der kurdischen Verwaltung und ihrer militärischen Strukturen in den syrischen Staat. Das Abkommen sieht nach Angaben der AFP unter anderem die Eingliederung der kurdischen Verwaltung in staatliche Institutionen sowie die Stationierung syrischer Sicherheitskräfte in den kurdisch bewohnten Regionen vor.
Nach Darstellung der Washington Post ist die SDF inzwischen mit der syrischen Armee zusammengeführt worden. Die kurdische Truppe hatte zuvor im Januar infolge einer Offensive der Regierung den Großteil ihres Gebiets im Nordosten verloren. Mit der nun verkündeten Auflösung endet damit auch formal ihre Rolle als eigenständige bewaffnete Organisation.
Kurdische Rechte bleiben Streitpunkt
Für die syrischen Kurden geht es allerdings nicht nur um die militärische Integration. Abdi betonte in seiner Erklärung insbesondere die politischen und kulturellen Rechte der kurdischen Bevölkerung. Dazu gehört das Recht auf Bildung in kurdischer Sprache. Al-Scharaa habe dieses Recht nach Angaben Abdis mehrfach zugesichert.
Bereits zuvor waren Schritte zur stärkeren Anerkennung kurdischer Rechte eingeleitet worden. Die Washington Post verweist auf ein Dekret al-Scharaas, das unter anderem Kurdisch als offizielle Sprache neben Arabisch anerkennt, das kurdische Neujahrsfest Newroz zum nationalen Feiertag erklärt und die Staatsbürgerschaft zehntausender Kurden wiederherstellt.
Abdi präsentierte die Auflösung der SDF deshalb nicht als Ende der kurdischen politischen Anliegen, sondern als Übergang. Eine neue syrische Ordnung müsse nach seiner Vorstellung Araber, Kurden, Syrer, Assyrer und Turkmenen gleichermaßen einbeziehen.
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Auch die Türkei blickt auf die Entwicklung
Auch die Entwicklung in der Türkei spielt für die neue Lage eine Rolle. Präsident Recep Tayyip Erdogan bekräftigte am Dienstag laut Türkiye Today, Ankara werde seine Unterstützung für die Nachbarstaaten fortsetzen und verwies zugleich auf den türkischen Prozess für eine „terrorfreie Türkei“.
Die Türkei hatte die SDF wegen ihrer Verbindungen zur kurdischen Arbeiterpartei PKK als Terrororganisation eingestuft. Parallel läuft nach Angaben der Washington Post inzwischen ein Friedensprozess.
Mit der Auflösung der SDF endet damit eine fast elfjährige Phase, in der die kurdisch geführte Truppe zu einem zentralen Akteur im syrischen Bürgerkrieg und im Kampf gegen den IS geworden war. Nun steht sie vor einer anderen Aufgabe: ihren politischen Einfluss und die Rechte der Kurden innerhalb eines stärker zentralisierten syrischen Staates zu sichern.
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