Fünf Zahlen, zwei Geteiltzeichen, eine Klammer: 24 : 6 : 2(3+1). Unter einem Youtube-Video streiten Dutzende Menschen darüber, was dabei herauskommt.
Rechnen Sie ruhig kurz mit. Die Auflösung kommt gleich.
Der Kanal „LehrerBros – Mathe leicht gemacht“ mit rund 63.000 Abonnenten hat die Rechnung am 26. Oktober als „PISA-Aufgabe“ vorgestellt. Ob sie wirklich aus einem PISA-Test stammt, geht aus dem Video nicht hervor.
Der Lehrer im Video kann die Aufregung nicht nachvollziehen. Für ihn ist die Sache klar: 8.
Lösung 8: So rechnet der Lehrer
Zwischen der 2 und der Klammer steckt ein unsichtbares Malzeichen. Gemeint ist also 24 : 6 : 2 · (3+1).
Klammer zuerst: 3 + 1 = 4. Danach gilt die Regel aus der Schule. Geteilt und Mal sind gleichrangig, gerechnet wird von links nach rechts.
24 : 6 = 4. Dann 4 : 2 = 2. Dann 2 · 4 = 8. Fertig.
Lösung 0,5: Hier steckt der Haken
Viele lesen 2(3+1) als festes Paket. Das fehlende Malzeichen klebt die 2 gewissermaßen an die Klammer.
Dann wird zuerst 2 · 4 = 8 gerechnet und erst danach geteilt: 24 : 6 : 8. Ergebnis: 0,5.
Ein Nutzer namens „Mathe_Meier“ findet deshalb, man müsse auch 0,5 gelten lassen. Ein anderer Kommentator, nach eigener Aussage selbst Lehrer, schreibt sinngemäß: Wenn Fachleute stundenlang über so eine Aufgabe streiten können, ist eine Klammer mehr für Kinder wohl keine schlechte Idee.
Ausgerechnet der Schulrechner widerspricht
Jetzt wird es kurios. Die Bedienungsanleitung des Casio fx-991DE CW, eines für deutsche Schulen ausgelegten Modells, beschreibt genau diesen Fall.
Fehlt in einer Rechnung mit Geteilt das Malzeichen vor einer Klammer, setzt das Gerät automatisch eine Klammer drumherum. Aus 6 ÷ 2(1 + 2) wird 6 ÷ (2(1 + 2)).
Nach dieser Logik müsste der Rechner bei der Youtube-Aufgabe 0,5 ausgeben. Auch Physiker sehen das zum Teil so: Die Fachzeitschriften Physical Review etwa lassen Multiplikation vor der Division mit Schrägstrich rechnen.
Wer hat jetzt recht?
In der deutschen Schule zählt die 8. Wer in der Klassenarbeit 0,5 hinschreibt, dürfte einen roten Strich kassieren.
Fair ist das trotzdem nicht. Eine Aufgabe, bei der der eigene Taschenrechner etwas anderes ausspuckt als die Lehrkraft, prüft nicht das Rechnen, sondern das Gedankenlesen.
Dabei kostet die Lösung genau einen Punkt. 24 : 6 : 2 · (3+1) – und schon gibt es nur noch ein Ergebnis.
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