Langzeitstudie

Thüringen-Monitor: Demokratie-Zustimmung und Unmut über Regierung auf Rekordhoch

Die Menschen in Thüringen stehen laut dem neuen Thüringen-Monitor so deutlich wie nie hinter der Demokratie als Idee. Mit der politischen Umsetzung hadern jedoch viele.

OAZ
3 Min
In der Theorie halten die meisten Thüringer die Demokratie für eine grandiose Idee - nur die Umsetzung stößt auf Unmut. (Symbolbild: Menschen nehmen an einer Versammlung teil, zu der das "Forum für Demokratie und Freiheit" aufgerufen hatte., 25.09.2022)

In der Theorie halten die meisten Thüringer die Demokratie für eine grandiose Idee - nur die Umsetzung stößt auf Unmut. (Symbolbild: Menschen nehmen an einer Versammlung teil, zu der das "Forum für Demokratie und Freiheit" aufgerufen hatte., 25.09.2022)

© Bodo Schackow/dpa

90 Prozent der Thüringer befürworten die Idee der Demokratie. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Langzeitstudie vor 25 Jahren, wie aus dem neuen Thüringen-Monitor der Universität Jena hervorgeht. Wenn es um die konkrete Umsetzung geht, sind allerdings nur 44 Prozent zufrieden. Der Anteil derer, die damit zufrieden sind, wie die Demokratie in der Praxis gelingt, bleibt somit konstant, wie aus den Langzeitbefragungen hervorgeht. 56 Prozent hingegen sind ernüchtert.

Diese Kluft biete Anknüpfungspunkte für „populistische und systemkritische Narrative, die die grundsätzliche Legitimität des politischen Systems infrage stellten“, erklärte die Politikwissenschaftlerin Marion Reiser.

Während Polizei und Gerichte weiterhin hohes Vertrauen genießen, fällt das Urteil über die Landesregierung deutlich schlechter aus: Nur 29 Prozent der Befragten zeigten sich zuletzt zufrieden – der niedrigste Wert seit Langem. Noch schlechter schneidet nur die Bundesregierung mit 21 Prozent Zustimmung ab.

20 Prozent befürworten Rückkehr zum Sozialismus

Laut Reiser sei es „positiv, dass diese hohe Demokratieunzufriedenheit wie auch schon in den Vorjahren nicht zu einer gestiegenen Befürwortung alternativer Gesellschaftsordnungen geführt hat“. So sei die Zustimmung zur Aussage, der Nationalsozialismus habe auch seine guten Seiten, im Vergleich zu den Vorjahren konstant geblieben und betrage 12 Prozent. Die Zahl derer, die eine Rückkehr zum Sozialismus befürworten, beträgt 20 Prozent und blieb ebenfalls konstant.

Der Anteil von Personen mit rechtsextremen Einstellungen liegt laut Studie weitgehend konstant bei 18 Prozent. Populistische Einstellungen teilt mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten. „Populismus hat sich in Thüringen zuletzt nicht weiter ausgebreitet, sich aber stärker nach rechts verschoben“, erklärte Reiser. Die Überschneidung mit rechtsextremen und ethnozentristischen Positionen nehme zu. Daher bleibe es eine wichtige Aufgabe in Thüringen, „die Resilienz gegen antidemokratische Einstellungen zu stärken“, mahnt Reiser.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Staatskanzleichef Stefan Gruhner (CDU) sprach insgesamt von einer „hohen demokratischen Reife“ Thüringens. Der Freistaat verfüge über ein „wirklich stabiles gesellschaftliches Fundament“. Die Werte zum Vertrauensverlust nehme die Landesregierung sehr ernst, sagte er. Man wolle Versprechen einhalten und stärker vor Ort präsent sein. „Es helfen keine Sonntagsreden. Daraus ergibt sich unser Auftrag“, sagte Gruhner.

Linke: Gesellschaftlicher Zusammenhalt steht unter Druck

„Wir müssen die Menschen enger einbinden und stärker beteiligen, um unsere Demokratie zu stärken“, sagte BSW-Fraktionschefin Sigrid Hupach und betonte, dass dann auch die Zufriedenheit mit der Demokratie wachsen könnte. Ein erster Schritt, der richtig war, sei die Einführung der Bürgerräte gewesen, so Hupach.

Die Linken-Abgeordneten Christian Schaft und Katharina König-Preuss warnten, der gesellschaftliche Zusammenhalt stehe unter Druck. „Besonders gefährlich wird es, wenn soziale Unsicherheit gegen Minderheiten gelenkt wird“, erklärten sie. Schaft betonte: „Demokratie wird dort stark, wo Menschen konkrete Verbesserungen spüren und an Entscheidungen beteiligt werden.“

Der Thüringen-Monitor wird jährlich im Auftrag der Staatskanzlei von Wissenschaftlern der Universität Jena erhoben. Die Studie gibt es seit dem Jahr 2000. Sie untersucht unter anderem die politischen Einstellungen der Menschen im Freistaat. Im Fokus stehen dabei insbesondere rechtsextreme Einstellungen und die Zufriedenheit mit der Demokratie. Für die 25. Ausgabe des Thüringen-Monitors wurden zwischen dem 2. Juni und dem 4. Juli 2025 mehr als 3.800 Wahlberechtigte befragt.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner