Autozulieferer

Thüringer Autozulieferer rechnen mit Stellenabbau

Trotz steigender Pkw-Neuzulassungen in Deutschland und Europa bleibt die Lage der Thüringer Zulieferindustrie angespannt. Fast die Hälfte der Betriebe will Personal abbauen.

OAZ
2 Min
Reifenfertigung bei einem Automobilzulieferer: Zahlreiche Thüringer Unternehmen wollen sich breiter aufstellen, um ihre Abhängigkeit zu verringern.

Reifenfertigung bei einem Automobilzulieferer: Zahlreiche Thüringer Unternehmen wollen sich breiter aufstellen, um ihre Abhängigkeit zu verringern.

© Paulo Amorim/IMAGO

Die Autozulieferer in Thüringen sehen trotz einer gestiegenen Investitionsbereitschaft keine dauerhafte Erholung ihrer wirtschaftlichen Lage. Das geht aus der Frühjahrsumfrage des Branchenverbands „Automotive Thüringen“ hervor, für die rund 200 Unternehmen befragt wurden. Demnach rechnen 45 Prozent der Betriebe mit einem Rückgang der Beschäftigtenzahl, 39 Prozent erwarten sinkende Umsätze. Nur 17 Prozent gehen von steigenden Umsätzen aus.

Als Gründe für die anhaltend schwierige Situation nennt der Verband hohe Energiepreise, bürokratische Belastungen und eine unsichere Auftragslage. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen erwarten der Umfrage zufolge einen Anstieg der Energiekosten um über zehn Prozent. Hinzu kommen gestörte globale Lieferketten sowie steigende Material- und Rohstoffkosten, die sich nur in geringem Umfang an die Autohersteller weitergeben ließen.

Parallel dazu stieg die Zahl der Pkw-Neuzulassungen im ersten Quartal in Europa um 4,1 Prozent und in Deutschland um 5,2 Prozent, wie der Branchenmonitor des Verbands ausweist. „Auffällig sind die enorm gestiegenen Neuzulassungszahlen von Opel und Vauxhall mit einem Plus von 17,8 Prozent“, sagte der Geschäftsführer von Automotive Thüringen, Rico Chmelik. Volkswagen, ein wichtiger Abnehmer der Thüringer Zulieferer, verzeichnete dagegen ein Minus von fünf Prozent. Bei Umsatz und Beschäftigung der Zulieferer zeigt sich kein einheitliches Bild. „Nur ein kleiner Kreis von Unternehmen kann hier Zuwächse vermelden, die Mehrzahl liegt im Minusbereich“, sagte Chmelik.

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Betriebe suchen nach neuen Geschäftsfeldern

Viele Betriebe versuchen laut Verband, sich breiter aufzustellen und Kunden außerhalb der Autoindustrie zu gewinnen. Nahezu jeder dritte Thüringer Zulieferer setzt dabei auf die Verteidigungsindustrie sowie die Luft- und Raumfahrt. Auch Medizintechnik, Elektronik, Maschinenbau und die Optikindustrie gelten als potenzielle Abnehmer. „Dieser Trend hat seit Jahresbeginn noch einmal spürbar zugenommen“, sagte Chmelik. Die schwache Auftragslage behindert die Umstellung der Unternehmen jedoch in vielen Fällen.

Die rund 200 befragten Unternehmen, davon knapp 80 Prozent kleine und mittelständische Betriebe, beschäftigen nach Verbandsangaben etwa 14.000 Mitarbeiter und erwirtschaften einen Jahresumsatz von 3,4 Milliarden Euro.

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