Autozulieferer

Krisengespräch mit VW: Insolvente Zulieferer Bohai und Schlote arbeiten weiter

Sachsen-Anhalt und Thüringen können vorerst weiterproduzieren. In einem Krisengespräch mit Volkswagen wurde eine Verlängerung um mindestens sechs Monate vereinbart.

OAZ
2 Min
Zahlreiche Beschäftigte protestierten Anfang Mai vor dem Werkstor von Bohai in Harzgerode gegen den Verlust ihrer Jobs.

Zahlreiche Beschäftigte protestierten Anfang Mai vor dem Werkstor von Bohai in Harzgerode gegen den Verlust ihrer Jobs.

© Matthias Bein/dpa

Die ursprünglich für Ende August geplante Schließung der Werke in Harzgerode, Wernigerode und Sömmerda ist zunächst abgewendet. Das teilte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) nach einem Treffen mit VW-Einkaufsvorstand Karsten Schnake und dem Insolvenzverwalter am Dienstag in Magdeburg mit. „Wir bekommen mehr Zeit von Volkswagen“, sagte Schulze. In den kommenden sechs Monaten solle erneut nach einem Investor gesucht und die Produktion angepasst werden.

Schulze sprach von einer weiterhin schwierigen Lage: „Wir sind noch nicht über den Berg, aber wir haben jetzt eine Perspektive.“ Der Standort müsse breiter aufgestellt werden und könne „nicht ausschließlich mit der Automobilindustrie in Zukunft erfolgreich sein“. Das Land will eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Ministerpräsidenten bilden, in der Volkswagen, die Stadt Harzgerode, der Landkreis sowie die Investitions- und Marketinggesellschaft vertreten sind.

Im Bohai-Werk in Harzgerode arbeiten rund 600 Beschäftigte, bei Schlote in Wernigerode und Harzgerode zusammen 330. Direkt und indirekt hängen nach Angaben Schulzes mehr als 1.000 Arbeitsplätze am Standort. Bohai produziert Aluminiumgussteile unter anderem für VW, Porsche, Skoda, Audi, Daimler, Kia und Volvo. Etwa drei Viertel der Produktion entfallen laut Schulze auf VW-Marken.

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Insolvenz vor rund einem Jahr

Insolvenzverwalter Olaf Spiekermann bezeichnete das Ergebnis als „sehr gute Nachricht“. Volkswagen wolle die vier Gesellschaften in Harzgerode und Sömmerda über den August hinaus unterstützen. Janek Tomaschefski von der IG Metall Halberstadt sprach von „einem kleinen Hoffnungsschimmer“. VW-Vorstand Schnake verwies auf „eine extrem schwierige Lage, insbesondere in Westeuropa“, etwa bei Energiepreisen und Bürokratie.

Bohai und Schlote hatten vor rund einem Jahr Insolvenz angemeldet. Ende April hatte Volkswagen angekündigt, künftig keine Teile mehr aus den Harzer Werken beziehen zu wollen. Die beiden Werke in Harzgerode und Sömmerda gehören seit 2022 vollständig zum chinesischen Konzern Bohai Automotive Systems. Harzgerodes Bürgermeister Marcus Weise (CDU) hat nach eigenen Angaben ein Kaufangebot für den Industriepark abgegeben.

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