Automobilindustrie

Zulieferer Boryszew in Gardelegen schließt zum Jahresende – 330 Mitarbeiter betroffen

Der insolvente Autozulieferer Boryszew in Gardelegen findet keinen neuen Investor. Nun verlieren 330 Mitarbeiter ihren Job.

OAZ
2 Min
Eine Mitarbeiterin bearbeitet Kunststoffteile in der Altmaerker Kunststofftechnik GmbH (AKT, heute Boryszew Kunststofftechnik) in Gardelegen. Zum Jahresende wird der Automobilzulieferer allerdings schließen. (Archivbild, 23.08.11)

Eine Mitarbeiterin bearbeitet Kunststoffteile in der Altmaerker Kunststofftechnik GmbH (AKT, heute Boryszew Kunststofftechnik) in Gardelegen. Zum Jahresende wird der Automobilzulieferer allerdings schließen. (Archivbild, 23.08.11)

© Eckehard Schulz/IMAGO

Der insolvente Autozulieferer Boryszew Kunststofftechnik in Gardelegen wird zum Jahresende schließen. Trotz mehr als einjähriger Suche konnte kein langfristiger Investor gefunden werden. Betroffen sind allein am Standort in Sachsen-Anhalt 330 Beschäftigte.

Wie Insolvenzverwalter Silvio Höfer von der Kanzlei Anchor Rechtsanwälte mitteilte, hätten die seit dem Insolvenzantrag vom 5. März 2025 geführten Gespräche mit potenziellen Interessenten zu keinem Ergebnis geführt. Hintergrund sei vor allem die anhaltend schwierige Lage in der deutschen Autoindustrie.

Für die Werke in Gardelegen (Altmarkkreis Salzwedel) und im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein lägen keine neuen Aufträge mehr vor, die über das Jahresende hinausreichten. Insgesamt sind an beiden Standorten 430 Arbeitsplätze betroffen, davon 100 in Idar-Oberstein.

Hauptkunde Volkswagen vergibt keine neuen Aufträge

Boryszew fertigt spezialisierte Kunststoff- und Zinkdruckgusskomponenten für den Auto-Innenraum, etwa Türgriffe und Konsolen. Zu den wichtigsten Kunden zählen nach Unternehmensangaben VW, Audi, BMW und Skoda. Vom Hauptkunden Volkswagen kämen jedoch keine neuen Aufträge mehr, hieß es.

Die Produktion für andere Abnehmer wie Tesla laufe zwar weiter, könne den Wegfall aber nicht ausgleichen. Der Umsatz des Unternehmens sank in den vergangenen Jahren von knapp 69 Millionen Euro auf rund 53 Millionen Euro.

Die Marktlage habe es Investoren unmöglich gemacht, eine tragfähige Perspektive zu entwickeln, erklärte Höfer. Bis zum Auslaufen der Produktion solle in Verhandlungen mit Betriebsräten und Gewerkschaften nach einer sozialverträglichen Lösung gesucht werden. Das Durchschnittsalter der Belegschaft in Gardelegen liegt nach Angaben des Betriebsrats bei 52 Jahren.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Bürgermeisterin spricht von hartem Schlag

Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher (SPD) bezeichnete die Schließung gegenüber MDR Sachsen-Anhalt als harten Schlag. Man werde alles unternehmen, um die Betroffenen nahtlos in ein neues Arbeitsverhältnis zu vermitteln.

Betriebsrätin Petra Minde sagte, sie gebe die Hoffnung auf weitere Aufträge nicht auf und setze zudem auf Unterstützung durch das Land. Viele Mitarbeiter seien seit 30 oder 40 Jahren im Unternehmen. „Wenn ein Kunde wie VW einen Schnupfen bekommt, hat jeder Zulieferer schon eine starke Grippe, viele andere sind ja schon geschlossen worden“, sagte Minde.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner