Fast zehn Jahre nach dem tödlichen Sturz eines FCM-Fans aus einer Regionalbahn hat die Staatsanwaltschaft Magdeburg die Ermittlungen wieder aufgenommen. Das Verfahren war 2017 eingestellt worden. Nach Angaben von Staatsanwaltschaft und Polizei wird nun wegen eines möglichen vorsätzlichen Tötungsdelikts ermittelt. Neue Hinweise seien aufgetaucht, die die Todesumstände des Magdeburger Fußball-Fans vor fast genau zehn Jahren aufklären könnten.
Zugleich haben die Behörden einen Zeugenaufruf gestartet. Er richte sich ausdrücklich auch an Menschen, die bereits im ursprünglichen Verfahren ausgesagt haben, inzwischen aber mehr wissen oder ihre Angaben ergänzen möchten. Auch wer bislang keinen Kontakt zu den Ermittlern hatte, solle sich melden. Wichtig seien nicht nur direkte Beobachtungen aus dem Zug, sondern auch spätere Äußerungen oder Gespräche über das Geschehen und das Umfeld. Selbst nach so langer Zeit könne eine einzelne, bisher unbekannte Information helfen, die Ereignisse im Zug zu rekonstruieren, so die Ermittler.
Podcast veröffentlichte neue Aussagen
Neue Zeugenaussagen zu dem Fall hatte zuvor die fünfteilige Podcast-Serie „Der Zug“ veröffentlicht, eine Produktion der Macherinnen des True-Crime-Podcasts „Mord auf Ex“ und der Süddeutschen Zeitung. Nach eigenen Angaben werteten die Reporterinnen Hunderte Seiten Ermittlungsakten aus und sprachen mit Familie, Freunden und Zeugen.
Laut dem Podcast widersprechen drei Zeuginnen der offiziellen Version des Geschehens. Sie wunderten sich demnach, dass man ihnen damals nicht zugehört habe. Im Trailer der Serie schildert eine Person, eine Tür sei aufgegangen und der FCM-Fan sei hinausgeschubst worden. Zudem habe sich eine Frau aus Halle bei den Reporterinnen gemeldet, die nach eigener Aussage wisse, wer schuld an seinem Tod sei. Zu Wort kommt auch ein Mann, der in der Nacht dabei gewesen sein soll und eigentlich nicht mehr reden wollte. Die Recherche führte laut den Macherinnen tief in die organisierte Fanszene, die sie als verschwiegen und oft gefährlich beschreiben.
Die Nacht im Regionalzug
Der 25-jährige Anhänger des 1. FC Magdeburg war am 1. Oktober 2016, einem Samstag, nach einem Stadionbesuch und einer anschließenden Feier mit Freunden nachts per Bahn auf dem Rückweg nach Magdeburg. Im Regionalzug trafen sie laut dem Podcast zufällig auf Fans des Rivalen Hallescher FC. Wenig später stürzte der Mann aus dem fahrenden Zug und starb an seinen schweren Verletzungen.
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Seitdem ist die Frage offen, ob er in Panik gesprungen ist oder gestoßen wurde. Der Podcast greift auch auf, warum die Ermittlungen trotz vieler Hinweise so früh eingestellt wurden. Die Eltern fragen sich nach Darstellung der Serie bis heute, was ihrem jüngsten Sohn passiert ist. Sie halten die Erinnerung an ihn wach und wollen endlich Antworten.
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