Für viele Ostdeutsche ist er trotz all seiner Mängel – oder gerade wegen ihnen– bis heute ein Stück Heimat auf vier Rädern: der Trabant. Damit die Rennpappe auch in Zukunft rollt, hat der Hallenser Rolf Becker – in der Szene besser bekannt als „D-Rolf“ oder „Drehorgel-Rolf“ – mit einigen Mitstreitern ein Trabi-Kompetenzzentrum ins Leben gerufen. Anlaufstelle soll es vor allem für jüngere Fahrer sein, denen das Spezialwissen der alten Hasen fehlt.
„Wir sind eine Handvoll Leute verteilt in Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt“, sagte Becker der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
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Trabi „begeistert die Massen“
Vergleichbare Zentren gebe es längst für Wetter oder Wölfe. „Aber wer ist wichtiger? Die Trabis oder die Wölfe? Selbst kleine Kinder lieben schon Trabis. Das ist ein Ding, das die Massen begeistert.“ Becker selbst ist in der Szene keine unbekannte Größe und unternahm regelmäßig Trabi-Reisen rund um die Welt. 1992 fuhr er gar von Magdeburg nach Marrakesch, Marokko.
Auch wenn die Produktion des Trabis in Zwickau vor 35 Jahren endete, ist die DDR-Auto-Ikone weiter präsent. Anfang dieses Jahres waren nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes 41.862 Trabis zugelassen. Anfang 2022 hatte der ADAC bundesweit 39.342 Fahrzeuge gezählt – der Bestand ist also gestiegen. Der Trabi_Trend geht nach oben und nicht zuletzt deshalb gibt es gar Bestrebungen, eine Elektroversion des Kultfahrzeugs zu bauen.
Mit Abstand die meisten Trabis rollen den Daten von 2022 zufolge in Sachsen (damals 10.078), gefolgt von Brandenburg (6368), Thüringen (5786), Sachsen-Anhalt (5567) und Mecklenburg-Vorpommern (3374). In Berlin waren es lediglich 892. Dazu kommen etliche Fahrzeuge, die ohne Zulassung in Garagen und Scheunen schlummern – und irgendwann vielleicht wieder ihre Runden drehen.
„D-Rolf“ liefert Tipps für junge Trabi-Enthusiasten
Becker geht es mit seinem Kompetenzzentrum um ein Archiv aus echter Praxis. Also um Erfahrungen, die in keinem Handbuch stehen. „Zum Beispiel, dass es Situationen gibt, in denen der Trabi erst anspringt, wenn du die Zündung wieder zurückdrehst. Oder wie du erkennst, dass die Batterie nachgeladen werden muss, damit das Auto anspringt“, sagt er der dpa.
Geplant sei ein eigener Internetauftritt. Zusätzlich wollen die Kenner telefonisch erreichbar sein. „Wenn du ein Problem hast, kannst du bei uns anrufen“, sagt Becker. „Wir stellen Querverbindungen her zu Menschen, die dann helfen können. Oder wir suchen nach Ersatzteilen, wenn was gebraucht wird.“
Bedarf gibt es durchaus: In einschlägigen Foren und Community-Threads geht es regelmäßig um Kaufberatung, Variantenkunde, Motorprobleme oder Wartungsfragen. Auch alte Trabi-Bücher aus Haushaltsauflösungen sollen zusammengetragen werden – „in denen wirklich Wissen steckt“.
Die Fangemeinde wachse, beobachtet Becker. „Neben den alten Hasen gibt es seit ein paar Jahren noch die jungen Leute und die, die richtig viel Geld haben, sich Nobel-Trabis kaufen und damit zu Treffen fahren.“ Da werde dann teurer Lack aufgetragen, Chromteile montiert und ein neuer Himmel eingezogen – „wie aus dem Werk“.
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