Donald Trump hat der Künstlichen Intelligenz einen neuen Namen verpasst. Vor der UN-Vollversammlung in New York kündigte der US-Präsident am Dienstag an, amerikanische Regierungsdokumente sprächen künftig von „Superintelligenz“.
Damit greift Trump ausgerechnet zu dem Wort, mit dem Forscher seit Jahren ihr Schreckensszenario beschreiben: eine Maschine, die klüger ist als jeder Mensch.
Trumps Begründung: „künstlich“ klingt nach Fälschung
Das Wort „künstlich“ lasse die Technologie wie eine Fälschung wirken, sagte Trump. „Und sie ist nicht fake. Sie ist tatsächlich erstaunlich“, zitiert ihn die Deutsche Presse-Agentur.
Der Präsident hofft, dass die übrige Welt den „viel treffenderen“ Begriff ebenfalls übernimmt. „Willkommen in der neuen Welt der Superintelligenz“, sagte er laut der Washington Times. Wer das Rennen um die Superintelligenz für sich entscheide, sei der Gewinner, sagte Trump.
KI-Umfrage auf Truth Social: Der Sieger stand nicht zur Wahl
Vorbereitet hatte Trump den Vorstoß am Wochenende. In einem Beitrag auf Truth Social schrieb er am Samstag, viele Menschen hielten „Artificial Intelligence“ für ungenau und wenig elegant.
Zur Abstimmung stellte er Namen wie „Superior Intelligence“ oder „Supreme Intelligence“. Den Begriff, den er am Dienstag vor den Vereinten Nationen verkündete, suchten die Nutzer auf Truth Social und X auf der Liste vergeblich. Darauf weist die US-Zeitung ausdrücklich hin.
Was bedeutet Superintelligenz?
In der Forschung bezeichnet Superintelligenz eine bislang hypothetische KI, die dem Menschen in nahezu allen geistigen Fähigkeiten überlegen wäre. Bekannt gemacht hat den Begriff der Philosoph Nick Bostrom mit seinem Buch „Superintelligenz“ von 2014.
Für viele Kritiker steht das Wort für den möglichen Kontrollverlust. Hunderte Prominente forderten in einem Aufruf des Future of Life Institute, Forschung in diese Richtung zu verbieten. Unterschrieben haben unter anderem Prinz Harry und Trumps früherer Chefstratege Steve Bannon.
Trump hält KI-Warnungen für einen „Hoax“
Trump wischt solche Sorgen beiseite. Warnungen vor KI bezeichnete er in New York als „Hoax“ und verglich sie mit Warnungen vor dem Klimawandel, berichtet die Washington Times.
Er werde das Wachstum von etwas nicht abwürgen, das größer sein werde als die industrielle Revolution, sagte Trump. Die USA lägen bei der Technologie weit vor China.
Nur: Die lautesten Warnungen kommen inzwischen aus der Branche selbst. Nach eigenständigen Hacking-Angriffen durch KI-Software hatten sich zuletzt auch Anthropic und der ChatGPT-Entwickler OpenAI dafür ausgesprochen, das Tempo zu drosseln.
Kann Trump den Begriff KI per Rede abschaffen?
Eine schriftliche Anordnung zur Umbenennung war zunächst nicht bekannt. Und selbst mit einer solchen wäre die Sache heikel: In Bundesgesetzen wie dem National Artificial Intelligence Initiative Act von 2020 ist „Artificial Intelligence“ als Rechtsbegriff definiert. Gesetzestexte ändert der Kongress, nicht der Präsident am UN-Pult.
Umbenennungen gehören trotzdem zu Trumps Handschrift. Aus dem Golf von Mexiko machte er 2025 den Golf von Amerika, das Verteidigungsministerium führt seither zusätzlich den Namen Kriegsministerium.
Ob sich „Superintelligenz“ durchsetzt, entscheidet am Ende der Sprachgebrauch. Den ersten Test hat das Wort schon verloren: Die dpa-Meldung über Trumps Vorstoß spricht zwei Sätze später wieder von KI-Entwicklung.
10.000 Euro in Gold investiert – so viel ist davon heute noch übrig
Mehrheit für Rücktritt von Kanzler Merz
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]