Die Nato öffnet der Ukraine den Zugang zu ihrer zentralen Beschaffungsagentur NSPA. Kiew soll über die in Luxemburg ansässige Behörde künftig Waffen, Munition und militärische Ausrüstung einkaufen können. Das berichtet die britische Wirtschaftszeitung Financial Times am Donnerstag. Die neue Vereinbarung soll der ukrainischen Regierung einen schnelleren und günstigeren Zugang zu Rüstungsgütern verschaffen.
Die bei der Nato-Beschaffungsagentur NSPA für Einsatzunterstützung zuständige Direktorin Jacqueline Borsboom sagte der Financial Times, die Vereinbarung biete der Ukraine einen strukturierteren Rahmen, um die Leistungen der Agentur zu nutzen. Dazu gehörten Fachwissen beim Einkauf, Unterstützungsdienste und der Zugang zu einem etablierten Netz von Rüstungslieferanten.
Agentur bündelt Rüstungseinkäufe
Die NSPA ist nach eigenen Angaben die zentrale Logistik- und Beschaffungsstelle des Militärpakts. Sie betreut derzeit 32 multinationale Partnerschaften zur logistischen Unterstützung, die mehr als 90 größere Waffensysteme umfassen, darunter Hubschrauber, Radaranlagen, Lenkflugkörper, Panzerfahrzeuge und luftgestützte Aufklärungssysteme. Zu den von ihr betreuten Programmen zählt auch die Munitionsbeschaffung. Die Agentur beschäftigt rund 1550 Mitarbeiter und betreut weltweit über 2500 Auftragnehmer.
Sonderstab Ukraine: Wie das BMVg Rüstungsdeals ohne deutsches Vergabeverfahren anbahnt
Wadephul nach Wahldebakel in Sachsen-Anhalt: Ukraine soll mehr deutsche Waffen kaufen
Der neue Schritt knüpft an eine bereits laufende Zusammenarbeit zwischen Nato und Ukraine im Beschaffungsbereich an. Im Juli dieses Jahres hatten Vertreter beider Seiten im tschechischen Ostrava zehn neue Projektideen entwickelt, mit denen die ukrainische Rüstungsbeschaffung an die Verfahren westlicher Partner angeglichen werden soll.
Sie sind Teil einer strategischen Überprüfung der Rüstungsbeschaffung, die beim Nato-Gipfel 2024 in Washington beschlossen wurde. Ziel ist es, Rüstungseinkauf, militärische Planung und industriepolitische Strategie enger miteinander zu verzahnen.
Spannungen mit Washington im Hintergrund
Die Öffnung der Beschaffungsagentur fällt nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters in eine Phase, in der sich die Beziehungen zwischen Washington und Kiew eingetrübt haben. US-Präsident Donald Trump hatte Anfang des Monats ein Abkommen mit Russland über Diesellieferungen angekündigt, um die Kraftstoffpreise in den Vereinigten Staaten zu senken.
Die Ukraine beklagte zuletzt Einschränkungen bei der Weitergabe geheimdienstlicher Informationen und bei der Nutzung des Satellitensystems Starshield. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wurde bei Gesprächen mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff am Dienstag in Oslo vereinbart, diese Probleme zu lösen.
Parallel laufen weiter Bemühungen um eine politische Lösung des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine. Selenskyj erklärte laut einer Meldung der dpa im US-Sender Fox News, er sei bereit, die derzeitigen Frontlinien einzufrieren und so den Krieg zu beenden. Dies sei das „absolute Minimum“, das die Ukraine von Russland fordere. Anschließend wolle er sich an die USA und europäische Partner wenden, um Sicherheitsgarantien zu erhalten.
Russland hat ein Einfrieren der Front bislang abgelehnt, der US-Sonderbeauftragte Steve Witkoff hatte Kremlchef Wladimir Putin dazu am Mittwoch in St. Petersburg neue Vorschläge überbracht.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]