Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat vor den geplanten Gesprächen mit Russland und den USA belastbare Sicherheitsgarantien für sein Land gefordert. In einem anderthalbstündigen Telefonat mit den US-Unterhändlern Steve Witkoff und Jared Kushner besprach er am Mittwoch die Vorbereitung der nächsten Verhandlungsrunde sowie weitere Waffenlieferungen. „Es gibt keine Alternative zum Frieden, und die Sicherheitsgarantien für die Nachkriegszeit müssen wirklich eisern sein“, erklärte Selenskyj dazu auf Telegram.
Delegationen der Ukraine, Russlands und der USA sollen am 10. und 11. November in Abu Dhabi zusammenkommen. Nach Angaben Witkoffs sind Gespräche auf Arbeitsebene vorgesehen. Dabei soll es um ein Ende des russischen Angriffskrieges, Sicherheitsvereinbarungen für die Nachkriegszeit und Deeskalation gehen. Witkoff und Kushner sollen laut Reuters die amerikanische Seite vertreten.
Selenskyj drängte auf ein hohes Verhandlungstempo, um den Krieg möglichst schnell zu beenden. Die Ukraine sei zu den notwendigen Schritten bereit und habe der amerikanischen Seite ihre Vorschläge übermittelt.
Kushner lobt Zusammenarbeit mit Kiew
Kushner äußerte sich nach dem Telefonat ebenfalls zu den Friedensbemühungen. Auf X lobte er die „konstruktive Zusammenarbeit“ Selenskyjs und seines Teams. Die USA arbeiteten mit allen Seiten an einem dauerhaften Frieden. Dabei gehe es auch um eine Sicherheitsordnung, die verhindern solle, dass nach einem Ende der Kämpfe erneut Krieg ausbreche.
Parallel laufen Beratungen mit europäischen Partnern. Nach Selenskyjs Angaben kamen am Mittwoch in Brüssel Vertreter der Ukraine, der USA, der EU, Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens sowie der Nato, der Weltbank und internationaler Unternehmen zusammen. Im Mittelpunkt stand der Wiederaufbau der Ukraine.
Für Donnerstag kündigte der Präsident dort weitere Gespräche über Sicherheitsgarantien an.
US-Präsidentengattin Melania Trump will am Donnerstag zudem Vertreter der Ukraine und Russlands im Weißen Haus empfangen. Wie das Weiße Haus ankündigte, wird sie sich um 17 Uhr MEZ zur örtlichen Waffenruhe in der russisch besetzten ukrainischen Stadt Oleschky äußern. Die Feuerpause, an deren Vermittlung sie nach Angaben beider Seiten beteiligt war, ermöglichte Hilfslieferungen und die Evakuierung von Zivilisten.
Selenskyj verlangt weitere Patriot-Abfangraketen
Ein weiteres Thema des Telefonats war die ukrainische Luftverteidigung. Selenskyj betonte den Bedarf an zusätzlichen Abfangraketen für die Patriot-Systeme, um die Bevölkerung vor russischen Angriffen zu schützen. Zudem solle die bilaterale Zusammenarbeit mit Washington fortgesetzt werden, auch bei der geplanten Drohnenvereinbarung.
Die Gespräche in Abu Dhabi folgen auf Treffen der US-Unterhändler mit Selenskyj in Oslo und mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in St. Petersburg im Oktober. Damit soll ein diplomatischer Prozess wieder aufgenommen werden, der wegen des Iran-Krieges seit Februar unterbrochen war.
Streit über Gebiete bleibt ungelöst
In zentralen Fragen liegen Kiew und Moskau weiterhin weit auseinander. Wie der Kyiv Independent berichtet, fordert die Ukraine eine Waffenruhe entlang der bestehenden Frontlinie. Russland verlangt dagegen auch die Abtretung ukrainischer Gebiete, die seine Truppen nicht kontrollieren.
Bisherige Verhandlungen führten unter anderem zu Gefangenenaustauschen und begrenzten Feuerpausen. Die örtliche Waffenruhe in Oleschky ermöglichte zuletzt die Evakuierung von Zivilisten. Die neue Verhandlungsrunde könnte laut Kyiv Independent ein Treffen Selenskyjs, Putins und US-Präsident Donald Trumps vorbereiten.
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