Die Schaustellerkultur auf Volksfesten in Deutschland gehört ab sofort zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Mit der Aufnahme in das Verzeichnis würdigt die Organisation die Arbeit von mehr als 5.000 Schaustellerfamilien im ganzen Land. In Rostock nahmen Schausteller aus Mecklenburg-Vorpommern dies zum Anlass, den Moment am Dienstag mit einer Festveranstaltung in der St.-Marien-Kirche zu begehen – eingebettet in den Rostocker Ostermarkt.
Rostocks Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Die Linke) übermittelte bei der Feier Glückwünsche der Stadt. Schaustellerpastorin Elisabeth Meyer sprach einen Segen. Neben Vertretern des Kulturministeriums und der Circus-Seelsorge Mecklenburg-Vorpommern waren zahlreiche Schausteller aus dem gesamten Bundesland angereist.
Für den Berufsstand hat die Anerkennung nach Einschätzung der Branchenvertreter auch ganz praktische Konsequenzen. Peer Hamberger, erster Vorsitzender des Schaustellerverbands Mecklenburg-Vorpommern, sagte: „Die Wertigkeit unseres Berufsstandes wird damit enorm angehoben.“ Die Anerkennung als Kulturerbe öffne Türen und ermögliche mehr Einfluss, etwa bei Bau- oder Festplanungen. „Das, was wir eigentlich schon immer wussten, wird jetzt endlich anerkannt“, so Hamberger.
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„Kein beliebiges Freizeitangebot“
Der stellvertretende Verbandsvorsitzende Jonny Heinecke, selbst aus einer traditionsreichen Schaustellerfamilie stammend, betonte die generationenübergreifende Weitergabe des Berufs: „Diese Tradition, die wir leben, wird ja quasi von den Eltern an die Kinder weitergereicht.“ Die Wohnwagen seien nicht nur Schlafstätten, sondern auch Büro und Lebensmittelpunkt. Die UNESCO-Anerkennung zeige, „dass Volksfeste kein beliebiges Freizeitangebot sind, sondern ein über Generationen gewachsenes Kulturgut, das wir jeden Tag mit Leben füllen“.
Doch unmittelbar vor der Feierstunde schlug Hamberger auch mahnende Töne an. Der Verbandsvorsitzende kündigte an, dass Karussellfahrten oder Zuckerwatte bald teurer werden könnten. Steigende Spritpreise und die Inflation würden die Branche hart treffen. Er appellierte an die Politik, für eine Entlastung der Schausteller zu sorgen, damit die Preise auf Volksfesten nicht erhöht werden müssen.
Heinecke blickte trotz der wirtschaftlichen Sorgen zuversichtlich in die Zukunft: „Wir freuen uns einfach über die Wertschätzung unserer 1.200 Jahre alten Tradition. Damit wir auch in Zukunft, mit Blick auf kommende Generationen, voller Stolz sagen können: Wir sind Schausteller.“
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