Energie

US-Investor für Nord Stream: Washington und Moskau beraten offenbar über Gasgeschäft

Russisches Gas könnte wieder nach Europa fließen – mit amerikanischer Beteiligung. Doch einem möglichen Geschäft stehen erhebliche Hürden entgegen.

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Kirill Dmitrijew (l.) und US-Sondergesandter Jared Kushner bei einem Treffen im Moskauer Kreml.

Kirill Dmitrijew (l.) und US-Sondergesandter Jared Kushner bei einem Treffen im Moskauer Kreml.

© Gavriil Grigorov/ZUMA/imago

Hochrangige Vertreter der USA und Russlands haben offenbar über den Einstieg eines amerikanischen Investors bei den Nord-Stream-Pipelines gesprochen. An den Beratungen waren nach einer Recherche von Reuters der US-Sondergesandte Jared Kushner und der russische Präsidentenberater Kirill Dmitrijew beteiligt. Die Nachrichtenagentur beruft sich auf fünf Personen mit Kenntnis der Gespräche. 

Ein solches Geschäft könnte amerikanischen Investoren ermöglichen, nach einem Ende des Ukraine-Krieges an russischen Gaslieferungen nach Europa zu verdienen. Ob Washington den Plan ernsthaft verfolgt, ist jedoch unklar. Ein US-Regierungsvertreter bezeichnete eine Vereinbarung angesichts der Hindernisse auf mittlere Sicht als unwahrscheinlich. Die Bundesregierung lehnt eine Wiederaufnahme des Betriebs ab.

Weißes Haus widerspricht teilweise

Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, und Dmitrijew trafen sich in den vergangenen Wochen in Moskau und New York. Ob sie dabei konkret über Nord Stream sprachen, konnte Reuters nicht klären. Zwei Quellen sagten jedoch, das Thema bleibe auf der Tagesordnung.

Ein Vertreter des Weißen Hauses erklärte gegenüber Reuters dagegen, es habe zuletzt keine Nord-Stream-Gespräche gegeben. Etwaige Geschäfte müssten mit der staatlichen US-Finanzierungsagentur DFC und dem Finanzministerium ausgehandelt werden und amerikanischen Steuerzahlern und Unternehmen zugutekommen.

Kushner betrachtet wirtschaftliche Vereinbarungen als möglichen Anreiz für Frieden. Nach den Gesprächen in Moskau warb er in Kiew für Abkommen, die den beteiligten Staaten wirtschaftliche Perspektiven eröffnen sollten.

Europa müsste einem Neustart zustimmen

Eine Verständigung zwischen Washington und Moskau würde die europäischen Hindernisse nicht beseitigen. Die EU verhängte im Jahr 2025 ein umfassendes Transaktionsverbot für Nord Stream 1 und 2. Nach Angaben des Rates der Europäischen Union soll es unter anderem Wartung, Betrieb und eine künftige Nutzung der Leitungen verhindern.

Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums sagte Reuters, Deutschland habe Alternativen zu russischem Gas gefunden. Eine Wiederinbetriebnahme benötige die Zustimmung der Bundesregierung und sei nicht gewünscht. Auch Polen lehnt einen Neustart nach Angaben einer mit der Regierungsposition vertrauten Reuters-Quelle entschieden ab.

Der Grünen-Abgeordnete Michael Kellner warnte gegenüber Reuters: „Es droht ein schmutziger Deal, der Europa teuer zu stehen kommt.“ Amerikaner und Russen würden die Gewinne untereinander aufteilen.

Frühere Pläne mit US-Beteiligung

Überlegungen zu einem amerikanischen Einstieg sind nicht neu. Die Financial Times berichtete bereits im Jahr 2025 über eine Initiative des Putin-Vertrauten Matthias Warnig, Nord Stream 2 mit US-Unterstützung wiederzubeleben. 

Beide Pipelineprojekte müssen unterschieden werden: Nord Stream 1 transportierte russisches Gas nach Deutschland. Nord Stream 2 wurde fertiggestellt, ging aber nie in Betrieb. Bei den Explosionen im September 2022 wurden drei der insgesamt vier Leitungsstränge beschädigt.

Auch die Eigentumsverhältnisse unterscheiden sich. Gazprom hält 51 Prozent an Nord Stream 1, deutsche Unternehmen zusammen 31 Prozent. Weitere Anteile entfallen auf französische und niederländische Unternehmen. Nord Stream 2 gehörte dagegen vollständig Gazprom.

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Auch Lukoil-Anlagen Gegenstand der Gespräche

Parallel beraten Kushner und Dmitrijew laut Reuters über den Verkauf internationaler Anlagen des russischen Ölkonzerns Lukoil, darunter Raffinerien und Tankstellen. Als Käufer ist demnach ein Konsortium aus der DFC und Investoren aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten im Gespräch.

Die US-Behörden müssten dafür Sanktionen aufheben. Ein Vertreter des Weißen Hauses erklärte Reuters, Kushner und der US-Gesandte Steve Witkoff hätten mit der DFC an einer hohen Vorauszahlung und einer Gewinnbeteiligung für die USA gearbeitet. Lukoil und Gazprom beantworteten die Anfragen der Nachrichtenagentur nicht.

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