Die USA haben mit dem Abzug ihrer letzten Soldaten aus dem Irak begonnen. Bis Mittwoch sollen sie auch die verbliebenen Stützpunkte verlassen, berichtet Reuters. Damit endet eine militärische Präsenz, die mit der US-Invasion im Jahr 2003 begann und nach einer Unterbrechung im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) fortgesetzt wurde. Der Abzug fällt in eine Zeit, in der die USA Krieg gegen den benachbarten Iran führen.
Ein Sprecher des US-Außenministeriums sagte dem kurdisch-irakischem Nachrichtenportal Rudaw bereits Mitte September, Washington halte am vereinbarten Termin fest. Der Sprecher der irakischen Streitkräfte erklärte Rudaw zufolge am Montag, der Abzug aus der Kurdenregion um Erbil laufe.
Nach dem 30. September werde kein ausländischer Soldat mehr im Irak sein, sagte er. Eine Bestätigung, dass sämtliche US-Kräfte das Land bereits verlassen haben, liegt damit noch nicht vor.
Abzug im Jahr 2024 vereinbart
Der Zeitplan geht auf eine Vereinbarung zurück, die Washington und Bagdad im Jahr 2024 unter US-Präsident Joe Biden getroffen hatten. Die von Donald Trumps Regierung umgesetzte letzte Phase sollte auch die Unterstützung von Einsätzen gegen den IS im Nachbarland Syrien vom Irak aus beenden.
Das US-Verteidigungsministerium hatte den Übergang ursprünglich als Ende der bisherigen Koalitionsmission und Beginn einer neuen Sicherheitspartnerschaft mit Bagdad beschrieben.
Irakische Regierung bat um Rückkehr
Die USA waren im Jahr 2003 in den Irak einmarschiert und hatten Machthaber Saddam Hussein gestürzt. Nach Jahren des Krieges und des Aufstands gegen die Besatzung zogen ihre Soldaten Ende 2011 ab.
Im Jahr 2014 kehrten sie auf Bitten der irakischen Regierung zurück, um beim Kampf gegen den IS zu helfen. Die Miliz hatte damals große Teile des Landes erobert. Bis zu ihrer weitgehenden militärischen Niederlage im Irak im Jahr 2017 waren US-Kräfte an der internationalen Koalition gegen den IS beteiligt.
Der erneute Abzug wird von vielen Irakern als Schritt zu größerer Eigenständigkeit begrüßt. Für die mit Iran verbündeten bewaffneten Gruppen ist er zugleich ein politischer Erfolg. Ein Kommandeur der sogenannten Islamischen Widerstandsbewegung im Irak bezeichnete ihn gegenüber Reuters als „historischen Sieg“ seiner Gruppen. Das Zitat stammt von einem Beteiligten des Konflikts und beschreibt deren Sicht auf den Abzug.
Warnungen vor einem Machtvakuum
Irakische Sicherheitsvertreter befürchten dagegen, dass proiranische Milizen ohne die US-Präsenz mehr Einfluss auf politische und militärische Entscheidungen gewinnen könnten. Diese Gruppen verfügen im Irak seit Jahren über erhebliche Macht. Zugleich versucht die Regierung in Bagdad, Waffen und bewaffnete Verbände stärker unter staatliche Kontrolle zu bringen.
Auch die Gefahr durch den IS ist nach Einschätzung einiger irakischer und kurdischer Vertreter nicht gebannt. Obwohl die Miliz keine großen Gebiete mehr beherrscht, verfügt sie weiterhin über Untergrundzellen. Der kurdische Kommandeur Sirwan Barsani warnte Reuters, ohne amerikanische Aufklärung, Drohnen und logistische Unterstützung könnten IS-Kämpfer versuchen, sich neu zu organisieren. Ob der Abzug tatsächlich zu einem Wiedererstarken der Miliz führt, ist offen.
Kurdenregion fürchtet weitere Angriffe
Der Regierungschef der autonomen Kurdenregion, Masrur Barsani, äußerte gegenüber der Financial Times zudem Sorge vor Angriffen iranisch unterstützter Gruppen auf seine Region. Die irakische Regierung bewertet die Sicherheitslage anders. Ihr Militärsprecher erklärte, die eigenen Kräfte seien landesweit im Einsatz und könnten die Sicherheit gewährleisten.
Der Irak unterhält Verbindungen sowohl zu den USA als auch zum Iran und wurde wiederholt zum Schauplatz ihrer Auseinandersetzung. Der Abzug der US-Soldaten beendet nun die militärische Präsenz im Land. Wie die angekündigte Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung künftig aussehen wird, ist noch nicht im Einzelnen bekannt.
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