Ukraine-Krieg

„Komplize des Massenmords“: Politologe Varwick zeigt CDU-Außenpolitiker Kiesewetter an

Der Streit über den Ukraine-Krieg nimmt eine juristische Wendung. Johannes Varwick wehrt sich gegen schwere Vorwürfe, die auch den früheren Bundeswehrgeneral Erich Vad betreffen sollen.

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Der Politikwissenschaftler Johannes Varwick hat nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen den CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter erstattet.

Der Politikwissenschaftler Johannes Varwick hat nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen den CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter erstattet.

© Paulus Ponizak/Berliner Zeitung

Der Politikwissenschaftler Johannes Varwick hat nach eigenen Angaben Anzeige gegen den CDU-Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter erstattet. Hintergrund sind Anschuldigungen, die der Außenpolitiker nach Darstellung Varwicks über ihn und den früheren Bundeswehrgeneral Erich Vad erhoben haben soll. Dabei geht es um die Bezeichnungen „Einflussagent Moskaus“ und „Komplize des Massenmords an der Ukraine“.

„Ich mache grundsätzlich politische Auseinandersetzungen nicht zu rechtlichen Streitigkeiten. Aber ich habe Anzeige gegen @RKiesewetter erstattet“, schrieb Varwick am Dienstag auf der Plattform X. Zugleich veröffentlichte der Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Halle-Wittenberg einen Screenshot einer WhatsApp-Nachricht, die er nach eigenen Angaben an Kiesewetter geschickt hatte. Beide kennen sich laut Varwick seit vielen Jahren.

„Es ist traurig zu sehen, wie tief Du gesunken bist“

In der veröffentlichten Nachricht wendet sich Varwick direkt an den CDU-Politiker: „Lieber Roderich, erst jetzt sehe ich, dass Du mich und u.a. Erich Vad im Deutschlandfunk (21.9.26) als ‚Einflussagent Moskaus‘ und als ‚Komplize des Massenmords an der Ukraine‘ bezeichnet hast.“

Varwick reagierte empört auf die ihm zugeschriebenen Vorwürfe. „Das ist empörend und wie Du ganz genau weißt auch inhaltlich vollkommen abwegig“, schrieb der Politikwissenschaftler.

Deutlich wurde Varwick auch in seiner persönlichen Enttäuschung über Kiesewetter: „Es ist traurig zu sehen, wie tief Du gesunken bist.“

Er werde rechtlich klären lassen, ob die Äußerungen zulässig seien. „Ich habe deshalb Anzeige gegen Dich erstattet – und werde dies auch öffentlich machen“, heißt es in der WhatsApp-Nachricht.

Deutschlandfunk Kultur: Kiesewetter erhebt schwere Vorwürfe gegen mehrere Personen

Auslöser des Streits ist ein Beitrag von Deutschlandfunk Kultur vom 21. September. Das rund 33-minütige Feature des Journalisten Thomas Kruchem beschäftigt sich mit EU-Sanktionen gegen Publizisten, denen die Unterstützung russischer Desinformation vorgeworfen wird.

In einer Passage zwischen Minute 4:20 und 5:30 erhebt Kiesewetter schwere Vorwürfe gegen mehrere Personen. Neben Varwick und dem früheren Bundeswehrgeneral Vad nennt er unter anderem die Publizistin Gabriele Krone-Schmalz, den ehemaligen General Harald Kujat sowie Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine. Ihnen wirft er vor, die Öffentlichkeit mit Propaganda und gezielten Falschinformationen im Sinne Russlands zu beeinflussen und damit Moskau zu unterstützen.

Transparenzhinweis: In einer früheren Version dieses Artikels wurde eine falsche Deutschlandfunk-Sendung als Quelle genannt. Wir haben die Angabe korrigiert und die entsprechende Passage aktualisiert.

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CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter: Der Bundestagsabgeordnete soll Varwick als „Komplize des Massenmords an der Ukraine“ bezeichnet haben.

CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter: Der Bundestagsabgeordnete soll Varwick als „Komplize des Massenmords an der Ukraine“ bezeichnet haben.

© Marijan Murat/dpa

Kiesewetter und Varwick streiten seit Jahren über den Ukraine-Krieg

Der Konflikt zwischen Varwick und Kiesewetter reicht weit zurück. Beide vertreten seit Beginn des Ukraine-Kriegs grundsätzlich unterschiedliche sicherheitspolitische Positionen.

Varwick plädiert für diplomatische Verhandlungen und warnt vor den Gefahren einer militärischen Eskalation. Kiesewetter fordert dagegen eine deutlich umfassendere militärische Unterstützung der Ukraine und hält wirtschaftlichen sowie militärischen Druck auf Russland für notwendig.

Bereits im Februar 2023 waren beide in der ZDF-Talkshow Markus Lanz heftig aneinandergeraten. Varwick warnte damals vor einem langen Abnutzungskrieg und kritisierte weitere Waffenlieferungen. Kiesewetter widersprach und betonte, dass Russland als Angreifer für den Krieg verantwortlich sei.

„Nicht die Waffenlieferungen eskalieren den Krieg, sondern Putin eskaliert den Krieg“, sagte Kiesewetter damals.

Auch mit dem früheren Bundeswehrgeneral Erich Vad, der während der Kanzlerschaft Angela Merkels als militärpolitischer Berater tätig war, führte Kiesewetter wiederholt öffentliche Auseinandersetzungen. Im Mai 2026 stritten beide erneut bei Markus Lanz über Waffenlieferungen, militärische Risiken und mögliche Verhandlungen mit Russland.

Vad warnte damals davor, dass Deutschland bei einer weiteren Eskalation in einen Krieg mit Russland hineingezogen werden könnte. Kiesewetter hielt ihm entgegen, die Ukraine benötige militärische Stärke, um Russland zu einem Rückzug zu bewegen.

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