Kaum waren die neuen Maßnahmen gegen Russland in der Welt, meldete sich der Haupt-Bellizist und Tastatur-Krieger der Union Roderich Kiesewetter zu Wort. Das bilaterale Verhältnis zwischen Deutschland und Russland war da bereits auf einem neuen Tiefpunkt. Aber Kiesewetter reicht das nicht. Er witterte sofort eine neue Chance, um erneut nach seinem Lieblingsspielzeug zu rufen: dem Marschflugkörper Taurus.
Wie ein Manischer kommt er einfach nicht los von der Taurus-Forderung, die er bei jeder Gelegenheit ins Volk streuen muss. Abhilfe schaffen könnte vielleicht eine radikale Maßnahme: Eine Mehrheit aus seiner Union und der SPD sollte den Mann im Bundestag zum Kanzler wählen. Damit er, wie einst Friedrich Merz, seine Taurus-Manie ablegen kann.
Der Taurus-Troll muss sich Luft machen
Was war eigentlich geschehen, das den Unmut des Abgeordneten wieder befeuerte? Die Bundesregierung hatte das diplomatische Parkett mit dem Vorschlaghammer bearbeitet. Das russische Generalkonsulat in Bonn wird dichtgemacht, ebenso das Russische Haus in Berlin. Russland wurde zum ersten Mal klar von der Bundesregierung als Drahtzieher eines mutmaßlich versuchten Anschlags am Flughafen Leipzig/Halle benannt.
Doch für Kiesewetter ist das alles nur kosmetische Begleitmusik. In seinen Augen glänzt schon wieder nur das eine: das Metall des Taurus.
Der Mann, der wahrscheinlich zum Einschlafen erst Marschflugkörper zählen muss, folgt dabei einem immer gleichen Muster. Die kleinste Gelegenheit wird von ihm genutzt, um das Objekt seiner Obsession wieder ins Spiel zu bringen. Taurus, Taurus, Taurus. Die angebliche deutsche Wunderwaffe lässt ihn nicht los, und er trägt sie in aller Regelmäßigkeit an die Öffentlichkeit.
Wie ein Hängengebliebener, der die Trauer um eine einseitige Liebe nicht überwinden kann und trotzdem immer wieder Aufwartungen macht, steigern sich Kiesewetters wiederkehrende Taurus-Fantasien. Ob auf X oder im Idealfall bei Markus Lanz, irgendwo muss er sich immer Luft machen.
Endlich ausbilden und liefern
Dieses Mal reichte es nur für X, wo er seinem Verdruss dann auch gewohnt freien Lauf ließ. Für Kiesewetter bleiben die Maßnahmen, mit denen der „Terrorstaat Russland“ endlich bezahlen soll, weit hinter dem Erforderlichen zurück. Dass man nun Konsulate schließt, sei zwar „klasse“, aber eben auch längst „state of the art“. Es sei die typisch deutsche Inkonsequenz, die Russland zur Eskalation einlade, während er von einer Führungsnation mehr „Courage und Entschlossenheit“ statt „Selbstabschreckung und Beschwichtigung“ erwarte.
Da Russland über die bloße Einbestellung des Botschafters ohnehin nur lache, hätte man stattdessen „endlich Taurus ausbilden und dann liefern“ müssen. Es nimmt manische Züge an. Der kaputte Plattenspieler, der auf der gleichen Rille verbleibt, ist nur eines der Bilder, die einem zu dieser endlosen Forderung einfallen.
Die wundersame Heilung des Friedrich Merz
Doch wie kann man dem Mann helfen, diese Manie zu überwinden? Ein bekanntes Beispiel könnte den Weg zeigen: Friedrich Merz. Man erinnere sich an den heutigen Bundeskanzler, der vor nicht allzu langer Zeit in Kiesewetter-Manier, damals noch als Oppositionsführer während der Ampel-Regentschaft unter Olaf Scholz, ebenfalls regelmäßig den Taurus-Blick in den Plenarsaal mitbrachte. Er forderte ihn ständig, er drängte, er nervte. Und was hat Merz schließlich geholfen? Die Wahl zum Bundeskanzler.
Wann sehen wir die Beweise für Russlands Schuld, Herr Merz?
Bundesregierung macht Russland für Leipzig-Anschlag verantwortlich – Russisches Haus und Generalkonsulat schließen
Kaum im Amt, war der Taurus wie von Zauberhand aus seinem Kanzler-Vokabular verschwunden. Wurde Merz im Amt etwa geheilt von seiner Taurus-Manie? Es scheint, als hätte die Kanzlerschaft bei Merz ein Mindestmaß an Verantwortung erzeugt. Wer die Macht tatsächlich innehat, lässt vorherige Taurus-Forderungen offenbar gern fallen. Die gleiche Therapie sollte jedenfalls auch Kiesewetter durchlaufen. Wenn er Kanzler wäre und mal vom Nationalen Sicherheitsrat gebrieft würde, käme er vielleicht zur Besinnung. Das hohe Staatsamt könnte ihn heilen. Chance auf schnelle Therapie besteht: Der Stuhl des Kanzlers wackelt gerade bedenklich.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]