Vibrionen in der Ostsee sind in diesem Sommer ein Thema, das vor allem ältere Badegäste betrifft. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat bislang zwei Todesfälle nach in Deutschland erworbenen Vibrionen-Infektionen registriert. Insgesamt wurden 17 Fälle erfasst, die die entsprechenden Kriterien erfüllen. Bei den beiden Verstorbenen handelt es sich jeweils um „hochaltrige“ Menschen.
Die Bakterien kommen natürlicherweise im Wasser vor und sind kein Zeichen für Verschmutzung. Gefährlich werden sie vor allem für bestimmte Personengruppen – und bei warmen Temperaturen. In diesem Jahr startete die Saison der hierzulande erworbenen Infektionen vergleichsweise früh. Was das bedeutet und wie Sie sich schützen können.
Hohe Wassertemperaturen in Nord- und Ostsee: Was steckt dahinter?
Infektionsgefahr in der Ostsee: Was Sie über Vibrionen wissen müssen
Was sind Vibrionen – warum ist die Ostsee ein Risikogebiet?
Vibrionen sind Bakterien, die natürlicherweise in Süß-, Brack- und Salzwasser vorkommen. Sie gehören zur normalen Bakterienflora – auch in Nord- und Ostsee. Ihr Vorkommen sagt also nichts über die Wasserqualität aus.
Gefährlich werden können sogenannte Nicht-Cholera-Vibrionen. Ein Vertreter, „Vibrio vulnificus“, kann schwere Wundinfektionen auslösen. Im schlimmsten Fall zerstört er Gewebe so schnell, dass Ärzte von einer nekrotisierenden Fasziitis sprechen – einer gefährlichen Weichteilinfektion.
Warum ausgerechnet die Ostsee? Die Bakterien vermehren sich besonders stark bei Wassertemperaturen über 20 Grad und einem Salzgehalt zwischen 0,5 und 2,5 Prozent. Die Ostsee hat mit durchschnittlich 0,8 Prozent einen für Vibrionen günstig niedrigen Salzgehalt.
Wie gelangen die Bakterien in den Körper?
Der häufigste Weg führt über offene Wunden. Kommt eine nicht verheilte Verletzung mit erregerhaltigem Meerwasser in Kontakt – etwa beim Waten oder Baden –, können die Bakterien eindringen. Auch Verletzungen, die man sich erst im Wasser zuzieht, sind ein Risiko.
Ein frühes Warnsignal ist ein lokaler Schmerz, der stärker erscheint, als die sichtbare Wunde vermuten lässt. Hinzu kommen können Fieber, Schüttelfrost und ein septisches Krankheitsbild. Solche Infektionen müssen dringend ärztlich versorgt werden.
Neben Wundinfektionen können Vibrionen auch Magen-Darm-Erkrankungen auslösen – etwa nach dem Verzehr von rohen oder unzureichend gegarten Meeresfrüchten oder Fisch. Diese verlaufen meist milder.
Wer besonders aufpassen sollte
Nicht jeder ist gleichermaßen gefährdet. Zu den Risikogruppen zählen ältere und immungeschwächte Menschen. Ein erhöhtes Risiko haben zudem Personen mit Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus, Lebererkrankungen oder schweren Herzerkrankungen.
Junge, gesunde Erwachsene erkranken dagegen nur selten und in der Regel nicht schwer. Bei Kindern treten meist lediglich Ohrinfektionen auf, die mit denen durch andere Erreger vergleichbar sind.
Die bekannten Berliner Fälle passen in dieses Bild: Alle drei dort registrierten Betroffenen waren älter als 75 Jahre. Bei allen kam es zu einer Wundinfektion, zwei entwickelten ein schweres, septisches Krankheitsbild.
Vibrionen-Infektion: Die Risikofaktoren im Überblick
- höheres Lebensalter
- geschwächtes Immunsystem
- Diabetes mellitus
- Lebererkrankungen
- schwere Herzerkrankungen
Warum die Saison in diesem Jahr früh startet
Für das laufende Jahr beobachten die Fachleute eine vergleichsweise frühe Saison mit hierzulande erworbenen Infektionen. Der wahrscheinliche Grund: hohe Temperaturen, die die Küstengewässer früh erwärmt haben.
Die Zahlen belegen den frühen Start: Bis zum 12. Juli zählte das RKI bereits 14 Fälle. In den drei Vorjahren waren es zum selben Zeitpunkt deutlich weniger – 2023 nur ein Fall, 2024 neun und 2025 vier. Todesfälle gab es in den Vorjahren jeweils ein bis zwei.
Unter den 17 in diesem Jahr Betroffenen sind 10 Männer und 7 Frauen im Alter zwischen 3 und 95 Jahren. Das Medianalter liegt bei 70 Jahren.
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