Es ist eine Tragödie, die weit über den Landkreis Barnim hinaus Menschen bewegt. Vier Jugendliche und junge Erwachsene verlieren auf einer Landstraße bei Biesenthal ihr Leben. In den Tagen danach versammeln sich Freunde und Verwandte an der Unfallstelle, machen aus der Landstraße ein Blumenmeer. Mehr als 1000 Menschen kommen am Donnerstagabend zu einer Gedenkandacht in die Marienkirche in Bernau. Die Region steht unter Schock.
Tödliches Überholmanöver auf der L200
Der Unfall ereignete sich am Mittwochabend gegen 19.40 Uhr auf der Rüdnitzer Chaussee zwischen Biesenthal und Wullwinkel. Es ist bereits dunkel, als ein 61-jähriger Autofahrer auf der Strecke, auf der Tempo 100 erlaubt ist, mehrere Fahrzeuge überholen will. Auf der Gegenfahrbahn stößt er frontal mit drei entgegenkommenden Mopeds zusammen. Ein vierter Mopedfahrer kann ausweichen. Er überlebt die Tragödie unverletzt.
Überholmanöver auf der L 200 endet tödlich: Vier Tote bei Biesenthal
Die Folgen des Crashs sind verheerend: Drei Mopedfahrer und eine 14-jährige Mitfahrerin sterben noch an der Unfallstelle. Motorradteile werden meterweit geschleudert, eine Motorradbrille wird 50 Meter entfernt gefunden. Das Auto überschlägt sich nach der Kollision und gerät in Brand. Der Autofahrer wird schwer verletzt mit einem Rettungshubschrauber in ein Berliner Krankenhaus gebracht.
Die Opfer waren zwischen 14 und 19 Jahre alt
Die jugendlichen Todesopfer sind die 14-jährige Vivien Rose sowie drei junge Männer im Alter von 15, 16 und 19 Jahren. Max, Jonas und Julian. Als ihre Namen bei der Gedenkfeier in der Bernauer Marienkirche verlesen werden, ist es sehr still.
Kerzen und Blumen sind am Unfallort zu sehen, nachdem am Mittwochabend vier Teenager bei einem schweren Verkehrsunfall gestorben sind.
© Marco Porzig/dpa
Die Jugendlichen waren am Donnerstagabend unterwegs zum McDonald’s in Bernau gewesen, berichten verschiedene Medien. Angehörige erzählen unter Schock an der Unfallstelle, dass die Moped-Fans zuvor noch Teile für ihre Mopeds gekauft hatten. Ein unbeschwerter Abend unter Freunden endet in der Katastrophe.
Nach Medienberichten gehörten die vier jungen Menschen zu einem örtlichen Simson-Klub. Die Simson-Szene im Barnim ist groß. Die Kult-Mopeds aus DDR-Zeiten erleben bei vielen eine Renaissance. Kaum ein Jugendlicher in der Gegend, der keine „Simme“ zu Hause hat. In Bernau finden regelmäßig Treffen von Simson-Fans statt. Auf der Facebook-Seite der „Simson & IFA Freunde Berlin / Brandenburg“ schreiben Simson-Fans über ihre Gefühle: „Mit tiefer Bestürzung müssen wir akzeptieren, dass vier junge Menschen aus dem Leben gerissen wurden. Vier Menschen, am Beginn des Abenteuers „Leben“, die unser Hobby teilten, unsere Begeisterung und unser Werteverständnis.“
Tragödie bei Biesenthal: Vier Tote nach riskantem Überholmanöver
Und direkt an junge Moped-Fans gerichtet: „Liebe Heranwachsende, für uns Eltern ist es die schwerste Pflicht, euch in die Freiheit zu entlassen. Für euch ist es das Größte, die Unbeschwertheit zu genießen und die Liebe zu entdecken. Wild und immer gegen den Strom. Und genau das sollt ihr auch tun. Für uns Eltern ist diese Freiheit manchmal ein Seelenfresser.“
Am Abend nach dem Unglück wollten Mitglieder eines Simson-Klubs an der Unfallstelle gemeinsam der Verstorbenen gedenken. Und auch am Freitag bleibt die Marienkirche in Bernau offen und ein Ort zum Trauern, Beten und Gedenken. Ab 9 Uhr ist die Kirche geöffnet.
Blumen liegen am Straßenrand zum Gedenken an die vier Teenager.
© Marco Porzig/dpa
Die Schwester der jungen Beifahrerin aus Rüdnitz startete unterdessen auf GoFundMe einen Spendenaufruf, um Vievien Rose einen würdigen Abschied zu ermöglichen. „Sie war erst 14 Jahre alt. Sie hatte ihr ganzes Leben noch vor sich“, schreibt sie.
„Sie hätte noch so viel erleben sollen. Ihren Schulabschluss machen, sich zum ersten Mal richtig verlieben, ihre Träume verwirklichen, erwachsen werden und irgendwann ihren eigenen Weg gehen. All die kleinen und großen Dinge erleben, die für andere selbstverständlich sind. Doch innerhalb weniger Sekunden wurde ihr all das genommen. Ich kann nicht begreifen, dass ich meine kleine Schwester nie wieder in den Arm nehmen kann.“
„Alle sind total geschockt“
Die Nachricht vom Unglück verbreitete sich innerhalb weniger Stunden in der gesamten Region. Carsten Bruch, Bürgermeister von Biesenthal, sprach von einer „ganz schlimmen Tragödie“. „Alle sind total geschockt“, sagte der CDU-Politiker.
Die Polizei ermittelt unterdessen gegen den 61-jährigen Autofahrer wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Sachverständige sollen nun den genauen Unfallhergang rekonstruieren. Die beteiligten Fahrzeuge wurden sichergestellt. Der überlebende Mopedfahrer soll zu gegebener Zeit zum Unfallhergang befragt werden, er ist ein wichtiger Zeuge. Auch für ihn veränderte sich an diesem Abend auf der Landstraße sein Leben.
Der Landkreis Barnim ordnete Trauerbeflaggung an Schulen und öffentlichen Einrichtungen an. Die Fahnen wehen auf Halbmast.
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