Wenn die Musikwelt zu den MTV Video Music Awards (VMAs) lädt, ist eines sicher: Es wird laut und es wird schrill.
Die VMAs ehren traditionell die besten Musikvideos und visuellen Arbeiten des Jahres. Doch die Show ist weit mehr als eine reine Preisverleihung. Sie gilt als das unberechenbarste Popkultur-Spektakel der Welt, bei dem Skandale und historische Meilensteine seit jeher Hand in Hand gehen.
Die diesjährige Verleihung stand ganz im Zeichen historischer Rekorde. Pop-Ikone Madonna dominierte den Abend mit stolzen sieben Awards und wurde als „Artist of the Year“ gefeiert. Gleichzeitig schrieb Taylor Swift erneut Geschichte: Sie sicherte sich mit „The Fate of Ophelia“ die Königskategorie „Video of the Year“ und wurde zudem als allererste Künstlerin mit den neu geschaffenen „MTV VMA Artist Director Honors“ für ihre Regiearbeit ausgezeichnet.
Bevor in der Arena die begehrten Trophäen „Moon Persons“ überreicht wurden, zog jedoch das eigentliche Herzstück der VMAs alle Blicke auf sich: der Red Carpet. Während andere Preisverleihungen wie die Oscars auf klassische, elegante Abendgarderobe setzen, gilt für den VMA-Teppich seit Jahrzehnten eine ganz eigene Fashion-Philosophie: Er ist traditionell dafür bekannt, die Grenzen des guten Geschmacks zu testen und Konventionen bewusst zu brechen. Hier wird modischer Regelbruch nicht nur toleriert, sondern zelebriert.
Es ist die Geburtsstätte ikonischer Popkultur-Momente – von Madonnas Brautkleid-Auftritt in den 80ern bis zu Lady Gagas legendärem Fleischkleid. Wer auf diesem Teppich nachhaltig Eindruck hinterlassen will, muss volles Risiko gehen. Wem dies gelungen ist – und wem nicht, lesen Sie hier.
Flop: Taylor Swift räumte am Sonntagabend in Los Angeles zwar gleich dreimal ab – womit sie Beyoncé endgültig vom Thron stürzte und sich zur meistgekrönten Künstlerin der VMA-Geschichte krönte –, lieferte modisch aber eine mittelschwere Katastrophe ab. Swift setzte auf eine maßgeschneiderte Robe des Labels Tamara Ralph Couture, die einen harten Kontrast bot: Während das Oberteil an ein Billigfummel-Abiballkleid von einem chinesischen Fast-Fashion-Anbieter erinnerte, traf es hüftabwärts auf einen dramatisch drapierten, silbern funkelnden Paillettenrock mit Beinschlitz, der wirkte wie aus einem Theaterkostümfundus ausgekramt.
© Elizabeth Goodenough/Imago
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Flop: Mit seinen gefühlvoll-traurigen Songs begeistert der US-amerikanische Singer-Songwriter Sombr Millionen. Doch sein Outfit bei den VMAs ließ wenig übrig für Begeisterung. Der Rocker-Look wirkte etwas bemüht – als habe er versucht, Lenny Kravitz zu mimen. Der zerfledderte Pelzmantel, der nackte Oberkörper, der plakative „SEX“-Gürtel, der Nietenchoker und dazu die ausgestellte Lederhose. Weniger wäre in diesem Fall mehr gewesen.
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Flop: Die K-Pop-Sängerin Lisa setzte bei den VMAs auf Monochromie – verfehlte dabei jedoch die Balance. Ihr feuerroter Look wirkte überladen, da hier zwei extreme Welten unvorteilhaft aufeinanderprallten: Ein hautenges, transparentes Chiffon-Korsettkleid von The Attico traf auf einen wuchtigen, extrem breitschultrigen Kunstpelzmantel des Designers Quine Li. Während das Kleid durch Cut-outs und feine Transparenz eine filigrane Silhouette anstrebte, wurde diese von den massiven Proportionen und der endlosen Schleppe des Mantels förmlich erdrückt und erweckte Assoziationen an realitätsfernen Königen aus dem 18. Jahrhundert.
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Top: Charli xcx gehörte zweifelsohne zu den bestgekleideten Personen des Abends. Die Sängerin erschien in einem maßgeschneiderten, tiefschwarzen Zweiteiler von Saint Laurent. Mit dem bauchfreien Look perfektionierte sie den „Goth-Glam“. Das Crop-Top und der bodenlange Rock formten eine skulpturale Silhouette, während extralange, fließende Ärmel dem Auftritt eine avantgardistische Dramatik verliehen. Ein klug reduziertes Beauty-Styling mit glattem Haar und der bewusste Verzicht auf opulenten Schmuck unterstrichen die klare, selbstbewusste Attitüde. Mit dieser kompromisslosen Inszenierung kreierte die Sängerin einen der stärksten Mode-Momente des gesamten Abends.
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Flop: Paris Hilton wollte sichtlich hoch hinaus, ist modisch aber leider komplett im Kostümverleih falsch abgebogen. Selbst ihre ultra-selbstbewusste Pose konnte hier absolut gar nichts mehr reißen. Das asymmetrische, schimmernde Minikleid von „The Blonds“ erinnert mit seinen Cut-outs und dem glitzernden Stoff verdächtig an die Kür-Bekleidung einer Eiskunstläuferin, die sich kurz vor dem dreifachen Rittberger im Textil verheddert hat.
Als wäre das nicht schon genug visuelle Reizüberflutung, setzen die oberschenkelhohen, mit Kristallen übersäten Christian Louboutin-Stiefel dem modischen Unfall die Krone auf. Was als avantgardistischer Hingucker gedacht war, entpuppt sich als absoluter Overkill. Paris wirkt in diesem Ensemble weniger wie eine unantastbare Stilikone, sondern eher wie eine wandelnde Discokugel auf Abwegen.
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Top: Wenn es um den roten Teppich der VMAs geht, ist die Grenze zwischen einem modischen Geniestreich und einem modischen Desaster oft haarscharf. Tylas diesjähriger Auftritt balancierte genau auf diesem schmalen Grat. In ihrem türkisfarbenen Schlangenleder-Ensemble von Mowalola bewies die Sängerin echten modischen Wagemut. Das Set aus BH-Top und tief sitzendem Midirock lässt keinen Raum für Fehler. Es ist ein Look, der durch seine unkonventionelle Textur und den gewagten Schnitt extrem riskant ist. An fast jedem anderen prominenten Gast hätte dieses Outfit schnell deplatziert oder schlichtweg überladen wirken können. Doch genau hier liegt Tylas Superkraft: Gewagt? Ja. Aber wenn es eine Person auf diesem Planeten tragen kann, dann sie. Tyla besitzt diese seltene, mühelose Coolness, die selbst die extravagantesten Runway-Kreationen komplett natürlich wirken lässt. Top!
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