„Was du ererbt von deinen Vätern hast,
erwirb es, um es zu besitzen.
Was man nicht nützt, ist eine schwere Last;
nur was der Augenblick erschafft, das kann er nützen.“
Johann Wolfgang von Goethe
Projekt Halle war zu Beginn der Arbeitstitel für unsere Idee, Ostdeutschland mit einem unabhängigen Medium eine stärkere Stimme zu geben. Daraus entstand die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung. Mit dem Zukunftszentrum Halle hatte Projekt Halle also nichts zu tun.
Wohlstand muss erarbeitet, nicht nur vererbt werden. Dafür braucht es Rahmenbedingungen – und eine gesellschaftliche Haltung, die Kreativität, Leistung und Risiken belohnt, in der wir Privilegien jeden Tag aufs Neue verdienen, statt sie als Selbstverständlichkeiten eines Sozialsystems oder einer Erbschaft zu behandeln.
Die Privilegien eines Lebens in Deutschland von heute sind oft Erfolge von gestern. Neues Wachstum haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Denn man muss kein begabter Ökonom und auch kein guter Gärtner sein, um zu wissen: Wer nur erntet und kaum Neues pflanzt, wird irgendwann nicht mehr viel zu ernten haben.
Wir sollten wieder mehr wagen, mehr gestalten, statt auf Nummer sicher zu gehen. Früchte können Samen für Neues oder Genussmittel sein. Und keinesfalls sollten wir länger den Status quo kultivieren, der zwar unsere heutigen Standards definiert, doch keinesfalls die Standards für morgen.
Viele Ostdeutsche, die Menschen in ganz Osteuropa haben erlebt, was passiert, wenn Vorzeichen ignoriert werden, Politik in ineffizienten Mustern verharrt. Ein System, das unumstößlich schien, erodiert und verschwindet. So können Mauern fallen.
Wer das erlebt hat, kann sich vorstellen, was Deutschland, was Westeuropa bevorstehen könnte. Wenn in Deutschland die CDU aus einem Landtag gewählt wird, wenn Galeries Lafayette in Frankreich geplündert wird, sind es mehr als nur Episoden im politischen Betrieb.
Wir – und viele andere im Osten Europas – sind Wendegewinner. Gewinner aus einem Kollaps des Machtanspruchs der vergangenen Sowjetunion. Wir wissen nicht nur, wie schnell und deutlich sich Gewissheiten auflösen können, wir wissen auch, welche großartigen Möglichkeiten sich aus Umbrüchen ergeben.
Teil der wachsenden Öffentlichkeit
Und deshalb sind wir davon überzeugt, dass in Deutschland und Europa noch so einiges gehen kann. Wie? Durch Kreativität, Fleiß und Risikofreude, denn ohne ein sich daraus entwickelndes Momentum wird sich kaum eine progressive Perspektive entwickeln lassen. Daher kultivieren wir mit Projekt Halle den Mut zur Lücke und ignorieren die Verwalter des Status quo.
Unser Projekt ist auch Teil einer wachsenden Öffentlichkeit, die sich gegen Manipulation und Informationsverengung wendet. Deswegen folgt es auch einem dokumentarischen Auftrag.
Wir werden sehen, wie weit wir gemeinsam kommen. Den Rest erklären uns später die Historiker.
Denn wenn wir die Errungenschaften dieses Landes zunehmend als Ballast empfinden, sagt das weniger über das Land, aber viel über uns. Was man nicht nützt, ist eine schwere Last – laut Goethe. Schließlich sind Deutschland und Europa voller Möglichkeiten. Jeder Augenblick, den wir verstreichen lassen, macht den Ballast größer.
Inzwischen ist auch aus Projekt Halle mehr als ein Zeitungsvorhaben geworden. Projekt Halle verfolgt die Ambition, die zahlreichen Möglichkeiten im Osten der Republik zu nutzen, nicht nur darüber zu berichten. Wir wollten zu Beginn und heute noch viel mehr einen konstruktiven Gegenentwurf zum Verwalten des Status quo setzen. Wir wollen in Veränderungen die Chancen ausleuchten und Risiken als Innovationspotentiale verstehen, nicht als Vorwand für Stillstand.
Wikipedia und die OAZ: Ein fast perfektes Verbrechen gegen demokratische Standards
Zukunftszentrum Halle: Stoppen. Prüfen. Neu entscheiden.
Für viele ist die Erinnerung an die BRD besser als die Erwartung an die Zukunft Deutschlands. Deshalb schwelgen viele im Gestern – bis auch dieser morsche Ast bricht und wir merken, dass das Leben an uns vorbeigezogen ist und wir das Potential für zukünftige Generationen kleiner gemacht haben. Doch das empfinden wir weder als fair gegenüber zukünftigen Generationen noch als besonders mutig.
Aus dieser Haltung heraus betreiben wir Projekt Halle. Was genau das bedeutet, das finden Sie am besten selbst heraus oder lassen es zuverlässig einordnen. Für uns ist es ein Gegenentwurf zur deutschen Lethargie und ein Dokumentationsort über das, was uns umtreibt.
Projekthalle.org: Hintergründe aus erster Hand, unsere Erkenntnisse und Projekte, an denen wir arbeiten.
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