1950 - Die DDR lässt das im Zweiten Weltkrieg beschädigte Stadtschloss sprengen, an der Stelle entsteht ein Aufmarschplatz.1973 bis 1976 - Bau des Palastes der Republik nach dem Entwurf eines Architektenkollektivs um Heinz Graffunder. Der Palast steht in der Tradition der Volkshäuser und beherbergt einen Mehrzwecksaal mit bis zu 5 000 Plätzen, weiträumige Foyers, 13 Restaurants und Cafés mit 1 460 Plätzen, eine Bowlingbahn sowie den Plenarsaal der Volkskammer, das (Schein-)Parlament der DDR.1990 - Nach den ersten freien Wahlen in der DDR am 18. März werden im Volkskammersaal wichtige Beschlüsse auf dem Weg zur deutschen Einheit gefasst. Am 21. Juni verabschieden die Parlamentarier den Staatsvertrag über die Schaffung der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion, am 23. August beschließen sie den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik. Am 19. September wird der Palast der Republik von der Volkskammer wegen der Asbestbelastung geschlossen.1994 - Der Bund als Eigentümer des Palastes und das Land Berlin (als Eigentümer des Platzes davor) loben einen Wettbewerb zur städtebaulichen Gestaltung der Spreeinsel aus. Als Sieger geht der Architekt Bernd Niebuhr hervor, der an der Stelle des Palastes einen modernen Neubau in der Größe des Schlosses errichten will. Die Ideen werden jedoch nicht umgesetzt.1997 - Bund und Land führen ein so genanntes Interessenbekundungsverfahren für den Schlossplatz durch. Ziel ist es, herauszufinden, zu welchen Bedingungen der Bau eines Gebäudes mit öffentlicher Nutzung möglich ist, wenn das Land Berlin und der Bund lediglich ihre Grundstücke kostenlos zur Verfügung stellen. Ergebnis: Die Finanzierung eines Gebäudes mit überwiegend öffentlicher Nutzung ist nur möglich, wenn sich Land und Bund darüber hinaus finanziell beteiligen.1998 - Die Asbestbeseitigung im Palast beginnt. Die Zeit während der Sanierung soll genutzt werden, um festzulegen, wie der Schlossplatz künftig genutzt werden soll.2001 - Die internationale Expertenkommission Historische Mitte Berlin, die vom Bund und vom Senat eingesetzt wurde, beginnt im Januar ihre Beratungen zur Zukunft des Schlossplatzes. Ihr gehören 17 stimmberechtigte Experten und sechs stimmberechtigte Vertreter von Bund und Land an.2002 - Die Kommission empfiehlt im April, auf dem Schlossplatz ein Gebäude in der Größe des früheren Stadtschlosses zu errichten. An der Nord-, West- und Südseite sollen die Barockfassaden nach historischem Vorbild rekonstruiert werden. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz soll in dem Gebäude ihre außereuropäischen Sammlungen präsentieren, die Humboldt-Uni ihre wissenschaftlichen Sammlungen ausstellen und die Zentral- und Landesbibliothek ausgewählte Bestände präsentieren. Die Baukosten werden auf 670 Millionen Euro beziffert. Der Förderverein Berliner Schloss sagt zu, die Mehrkosten von 80 Millionen Euro für die Rekonstruktion der historischen Fassade aus Spenden aufzubringen. Der Bundestag beschließt am 4. Juli 2002, der Empfehlung der Expertenkommission zu folgen. Kurz nach diesem Beschluss wird die Arbeitsgruppe Schlossareal mit Vertretern des Landes Berlin und des Bundes eingesetzt, die die Pläne für die Bebauung des Platzes präzisieren soll.2003 - Die Arbeitsgruppe Schlossareal legt im September ihren Bericht vor. Kernpunkt: Das Millionen-Projekt lässt sich wegen der angespannten Haushaltslage zurzeit nicht verwirklichen. Die Arbeitsgruppe spricht sich deswegen für ein zweijähriges Moratorium aus. Das Moratorium soll dazu genutzt werden, den Planungsprozess voranzubringen. Die Entscheidung über den Aufbau des Schlosses soll erst dann gefällt werden, "wenn sich die Haushaltslage spürbar verbessert hat". Das Parlament beschließt am 13. November, den Palast abzureißen und das Schloss wieder aufzubauen. Die Abgeordneten fordern die Bundesregierung auf, den Abriss auszuschreiben, zu beauftragen "und gemeinsam mit dem Land Berlin für eine gärtnerische Übergangsgestaltung des Areals zu sorgen". Ebenfalls im Jahr 2003 beginnt die kulturelle Zwischennutzung des Palastes, nachdem die Asbestbeseitigung mit mehrjähriger Verspätung und einer Verdopplung der ursprünglich angesetzten Kosten auf rund 80 Millionen Euro beendet worden war.2005 - Im August stellt Bauminister Manfred Stolpe (SPD) eine Machbarkeitsstudie für die Bebauung des Schlossplatzes vor. Ergebnis: Das Projekt ist in öffentlich-privater Partnerschaft möglich. Die Baukosten werden auf 533 bis 780 Millionen Euro beziffert. Wenn ein Privater baut, müssten Bund und Land für die öffentliche Nutzung 30 Jahre lang jährlich 30 bis 40 Millionen Euro Miete zahlen, insgesamt bis zu 1,2 Milliarden. Ein Bündnis für den Erhalt des Palastes setzt sich dafür ein, das Gebäude weiterhin kulturell zu nutzen. Bis Ende des Jahres 2005 kommen bei rund 900 Veranstaltungen der Zwischennutzung mehr als 650 000 Besucher. Die Proteste fruchten jedoch nichts, der Abriss des Palastes der Republik wird noch im Jahr 2005 ausgeschrieben.2006 - Der Bundestag lehnt am 19. Januar Anträge von Grünen und Linkspartei ab, die ein Abriss-Moratorium fordern. Von 567 Parlamentariern stimmen 430 für den Abriss, 119 dagegen, 18 enthalten sich. Ende Januar wird der Bauzaun aufgestellt, die ersten Abbrucharbeiten beginnen, Anfang Februar beginnt die Demontage der Scheiben. Der Rückbau soll zwölf Millionen Euro kosten.2007 - bis Ostern soll der Palast verschwunden sein.2012 - Bauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) nennt dieses Jahr als frühesten Termin für den Schloss-Baubeginn. (ulp.)------------------------------Grafik: Er war ein wahres Multitalent, der Palast der Republik - mit wandelbarem Großen Saal, Disko, Espressobar, Kunstausstellung und einer stets geöffneten Post.------------------------------Foto: Rote Fahnen, kurze Röcke, weite Hosen: Der Palast der Republik passte 1976 prima ins Straßenbild. Inzwischen hängen Hammer und Zirkel nicht mehr an der Fassade. Und nächstes Jahr soll der ehemalige Sitz der DDR-Volkskammer ganz verschwunden sein.
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