Kurz nach fünf, es dämmert, leichter Nieselregen. Vor Ihnen rollt ein Auto, vorne strahlen zwei helle LED-Streifen. Von hinten sehen Sie: nichts. Keine Rückleuchten, nur ein grauer Umriss.
Der Fahrer ahnt davon nichts. Vorne leuchtet es, im Cockpit leuchtet es, also ist doch Licht an. Ist es nicht.
Seit Sonntag gilt die Winterzeit, abends wird es eine Stunde früher dunkel. Der Heimweg fällt damit für viele wieder genau in die Dämmerung. Und dort passiert dieser Fehler am häufigsten.
Warum beim Tagfahrlicht hinten alles dunkel bleibt
Tagfahrlicht soll ein Auto bei guter Sicht besser erkennbar machen, vor allem von vorne und von der Seite. Deshalb sitzt es nur an der Front. Laut ADAC ist ein Auto mit Tagfahrlicht von hinten in der Regel unbeleuchtet.
Es geht mit der Zündung an und schaltet sich ab, sobald das Abblendlicht kommt. Ein eigenes Symbol im Cockpit hat es nicht.
Genau das macht es tückisch. Bei vielen neueren Autos ist das digitale Cockpit ohnehin immer hell. Wer nicht bewusst auf den Lichtschalter schaut, merkt keinen Unterschied.
Was die StVO zum Licht vorschreibt
Die Regel steht in Paragraf 17 der Straßenverkehrsordnung. In der Dämmerung, bei Dunkelheit oder wenn die Sicht es erfordert, ist die vorgeschriebene Beleuchtung einzuschalten. Gemeint ist das Abblendlicht, und mit ihm gehen auch die Rückleuchten an.
Behindern Nebel, Schnee oder Regen die Sicht erheblich, gilt das auch mitten am Tag. Tagfahrlicht reicht dann nicht.
Im Tunnel ist Abblendlicht ebenfalls Pflicht, egal wie hell es draußen ist. Das schreibt das Tunnel-Verkehrszeichen 327 vor.
Lichtautomatik: Wo der Sensor danebenliegt
Viele verlassen sich auf die Lichtautomatik. Nachts funktioniert sie meist zuverlässig. Bei Nebel, Regen oder grauem Dämmerlicht aber nicht immer.
Der ADAC Südbayern warnt, die Automatik erkenne schlechte Sicht nicht immer zuverlässig. Eine Nebelbank am Vormittag kann hell genug sein, dass das Auto beim Tagfahrlicht bleibt.
Wer dann erwischt wird, kann sich nicht auf den Sensor berufen. Verantwortlich bleibt laut ADAC der Fahrer, nicht die Technik.
Auch der Deutsche Verkehrssicherheitsrat hat das Problem schon aufgegriffen. Er kritisiert, dass Autos auf diese Weise bei schwieriger Sicht ohne Beleuchtung am Heck unterwegs sein können.
Ältere Autos: Standlicht reicht auch nicht
Wer ein älteres Auto ohne Tagfahrlicht fährt, ist nicht automatisch auf der sicheren Seite. Manche drehen in der Dämmerung nur auf Standlicht.
Das ist laut Paragraf 17 StVO ausdrücklich verboten. Mit Standlicht allein darf nicht gefahren werden.
Bußgeld: Was ohne Abblendlicht droht
Am teuersten wird der Fehler bei schlechtem Wetter auf der Landstraße.
Der Bußgeldkatalog sieht vor:
- Beleuchtung nicht vorschriftsmäßig benutzt: 20 Euro, mit Gefährdung 25 Euro, mit Sachbeschädigung 35 Euro
- Nur mit Standlicht gefahren: 10 Euro, mit Gefährdung 15 Euro
- Kein Abblendlicht am Tag trotz Nebel, Regen oder Schnee, innerorts: 25 Euro
- Dasselbe außerorts: 60 Euro und ein Punkt in Flensburg
So prüfen Sie Ihr Licht in zehn Sekunden
Schauen Sie auf den Lichtschalter. Steht er auf „Auto“ oder „0“, entscheidet das Auto, und bei Helligkeit bleibt es beim Tagfahrlicht.
Eine Kontrollleuchte fürs Abblendlicht haben längst nicht alle Modelle. Verlässlicher ist der Blick in eine Schaufensterscheibe oder an die Garagenwand beim Einparken: Dort sehen Sie, ob hinten etwas brennt.
Die sicherste Lösung für Herbst und Winter ist simpel: Schalter fest auf Abblendlicht drehen. Dann leuchtet das Auto rundum, egal was der Sensor meint.
Licht-Test: Jedes vierte Auto mit Mängeln
Das richtige Licht nützt wenig, wenn es kaputt ist. Beim Licht-Sicht-Test 2025 hatte rund jeder vierte Pkw Mängel an der Beleuchtung, bei gut jedem zehnten waren die Rückleuchten betroffen.
Der kostenlose Test in den Innungsbetrieben läuft traditionell im Oktober. Wer ihn verpasst hat, kann die Beleuchtung in jeder Werkstatt prüfen und einstellen lassen.
Mehr aus unserer Serie zu Verkehrsregeln: Blinken an der abknickenden Vorfahrt und Blinken im Kreisverkehr. Und wer an der Baustelle bis zum Spurende fährt, ist kein Drängler – warum, lesen Sie hier.
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