Der Betriebsrat von Volkswagen in Sachsen hat vor dem angekündigten ersten Besuch von Konzernchef Oliver Blume klare Ansagen für das VW-Werk Zwickau verlangt. In der kommenden Woche tritt Blume erstmals bei einer Betriebsversammlung in der sächsischen E-Auto-Fabrik vor die Belegschaft.
„Wir erwarten, dass endlich Klartext gesprochen wird“, sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates von Volkswagen Sachsen, Mike Rösler, der Deutschen Presse-Agentur. Bis Ende 2030 sichert eine Standortgarantie die Jobs – doch was danach kommt, ist unklar.
Warum die Zukunft des VW-Werks Zwickau offen ist
Zwickau taucht seit Wochen in einer Reihe mit Emden, Hannover und Neckarsulm auf – jenen Werken, die im Konzern als gefährdet gelten. In der Kritik des Konzernbetriebsrats wird zusätzlich Osnabrück genannt.
Hintergrund sind laut den Angaben Überkapazitäten und der harte Wettbewerb, vor allem in China. Offizielle Angaben des Unternehmens zu einem möglichen Aus gibt es nicht. Genau das belastet nach Darstellung des Betriebsrats die mehr als 40.000 Beschäftigten an diesen Standorten.
Rösler fordert Lösungen aus erster Hand. Zuletzt hätten die Mitarbeiter neue Pläne meist aus der Zeitung erfahren, kritisiert er: „Das verstärkt die Unsicherheit hochgradig.“
Wie viele Jobs im E-Auto-Werk Zwickau wegfallen würden
Die Fabrik gilt als Pionier der Elektromobilität bei Volkswagen. Seit Juni 2020 laufen dort ausschließlich E-Autos vom Band.
Der Personalstand ist trotzdem geschrumpft. Zu Spitzenzeiten arbeiteten rund 11.000 Menschen im Werk, aktuell sind es noch etwa 8000. Nach Angaben von Rösler fallen planmäßig mehr als 1000 weitere Stellen weg. 2027 soll eine der beiden Fertigungslinien stillgelegt werden.
Als neues Standbein baut das Werk die Demontage gebrauchter Fahrzeuge auf. Bis Jahresende sollen dort laut Rösler etwa 100 Menschen arbeiten, auf absehbare Zeit nach Unternehmensangaben bis zu 1000. Ab 2030 sollen jährlich bis zu 15.000 Fahrzeuge zerlegt und aufbereitet werden.
Standort Zwickau: Erfüllen die Sparziele von VW
Bei den Sparzielen sieht sich der Standort auf Kurs. „Wir erfüllen die uns 2024 gesteckten Ziele“, sagte ein Konzernsprecher von VW in Sachsen. Die Produktivität sei um über 20 Prozent gesteigert worden.
Doch die sinkende Auslastung macht dem Werk zu schaffe. „Unser Werk ist ausgelegt für bis zu 360.000 Fahrzeuge, dieses Jahr werden es voraussichtlich etwa 202.000 sein“, erklärt Rösler.
Bei voller Auslastung läge Zwickau bei den Produktionskosten pro Auto gleichauf mit dem VW-Werk im slowakischen Bratislava.
Zwickau hofft auf neue VW-Modelle
Eine Chance sieht Zwickau im Bau von Modellen, die der Konzern bislang nur in China fertigt. Als Beispiele nennt Rösler die SUV ID.Unyx 08 und ID.Era 9X.
Zu Volkswagen Sachsen gehören neben Zwickau die Gläserne Manufaktur, in der die Autoproduktion bereits eingestellt wurde, sowie das Motorenwerk in Chemnitz. Dort laufen bisher Verbrennungsmotoren, das Werk ist gut ausgelastet – doch auch für Chemnitz brauche es laut Rösler bald Entscheidungen zur künftigen Belegung.
Warum der Betriebsrat gegen Blume rebelliert
Der Konzernbetriebsrat wirft Blume einen „enormen Vertrauensverlust“ vor. Seine Zitate in der Presse brächten „keinerlei Klarheit“ und machten „alles nur noch schlimmer“, sagte ein Sprecher. Betriebsratschefin Daniela Cavallo hatte nach der jüngsten Aufsichtsratssitzung erklärt: „Es reicht! Das Fass ist zum Überlaufen gekommen.“
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Blume selbst bezeichnet Werksschließungen bislang als letzte Option: „Es gibt intelligentere Lösungen, als Werke zu schließen.“ Wie groß das Sparpaket wird, ist offen. Das Manager Magazin berichtete, weltweit könnten bis zu 100.000 Stellen wegfallen.
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